Boot to Gecko: Firefox wird Handy-Betriebssystem

“Boot to gecko“ oder B2G nennt sich eine von der Mozilla Foundation angekündigte Entwicklung, die nichts weniger als eine Kampfansage an Googles Android darstellt. Pikanterweise nehmen sie für den Anfang gleich noch den Programmcode von Android, ist ja Open Source.

Vom Chromebook zum Firefox als Betriebssystem

Die Idee dahinter dürften die Mozilla-Entwickler ebenfalls von Google geklaut übernommen haben, und zwar von den beiden Chromebooks. Wir erinnern uns: Das Prinzip des Chromebooks ist, dass statt der Software nur ein rudimentäres Betriebssystem beziehungsweise eigentlich nur der Chrome-Browser auf dem Notebook installiert wird, die gesamte Software hingegen einfach bei Bedarf aus dem Internet als App geladen und im Browser ausgeführt wird. Etwas Ähnliches planen die Entwickler der Mozilla Foundation nun mit dem Handy-Betriebssystem, das in der ersten Ankündigung als Boot to gecko umschrieben wird. Auf dem Smartphone selbst soll nur eine extrem schmale Basisinstallation eines Firefox-Browsers laufen, der alle zusätzlich benötigten Funktionen wie Telefon, Kalender, Mail und so weiter einfach als App aus dem 3G-Netz lädt.

Probleme des mobilen OS

Das mobile OS funktioniert also nur bei bestehender Datenverbindung und hier dürfte – stärker noch als bei den Chromebooks – auch das größte Problem für das Firefox-Betriebssystem liegen. Sobald ich mich mit dem Smartphone ins Ausland begebe, muss ich mit enormen Folgekosten rechnen, da mein Smartphone ja ständig große Datenmengen aus dem Netz lädt, um zu funktionieren. Innerhalb Deutschlands kann man das Problem mit einer Datenflatrate umgehen. Aber wenn ich hier mein Kontingent aufgebraucht habe, kann ich das Smartphone für den Rest des Monats quasi nicht mehr nutzen. Auch wenn ich in der freien Natur gerade keine Datenverbindung finde, kann ich zumindest keine neuen Applikationen mehr laden.

Das Ziel: Android-Phones

Ein geschickter Schachzug dürfte die Verwendung von Android-Code für die Basisinstallation des Firefox-Browsers sein, eröffnet dies doch auf einen Schlag das gesamte Android-Imperium als potentielle Endgeräte. Verträge mit den Smartphone-Herstellern würden sich so erübrigen, wer ein Firefox-Handy haben will, installiert sich einfach das System an Stelle von Android. Aber auch für die Handy-Hersteller könnte der Verkauf von Firefox-Smartphones interessant sein. Da alle Anwendungen bei jedem Start neu geladen werden, könnte sich die leidige Diskussion um Updates des Betriebssystems quasi von allein erledigen.

Roadmap: Noch kein Zeitplan

Bis jetzt besteht das Projekt nur aus der Ankündigung von Mozilla, es existiert noch nicht einmal ein Zeitplan, lediglich eine Liste, welche Aufgaben ein Firefox als Betriebssystem bis zum ersten Prototypen erfüllen müsste. Ob aus dem Three-Horse-Race, das uns Steve Ballmer und Stephen Elop mit der Ankündigung von Windows Phone 7 auf Nokia-Smartphones versprochen haben, nun ein Four-Horse-Race wird, ist jedenfalls noch nicht entschieden.

Via Spiegel-Online

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