BP-Ölkatastrophe nimmt kein Ende: Aktuelle Infos zu Ausbreitung, Folgen, Maßnahmen

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Ölteppich im Golf von Mexiko
Das BP-Öl-Leck im Golf von Mexiko hat ein Umweltdesaster mit verheerenden Ausmaßen verursacht. Seit der Explosion der Tiefsee-Bohrplattform Deepwater Horizon ergießen sich Tag für Tag mindestens 5000 Barrel Rohöl ins Meer – die genaue Zahl liegt mit großer Wahrscheinlichkeit weitaus höher. Obwohl das eigentliche Unglück mittlerweile mehr als einen Monat zurückliegt, ist das Leck immer noch nicht versiegelt. Wir haben  Zahlen, Fakten und Hintergründe zum derzeitigen Geschehen im Golf von Mexiko zusammengetragen und werfen einen  Blick auf die Rettungsaktivitäten des BP-Konzerns. Alle, die den Verlauf der Katastrophe in Echtzeit verfolgen möchten, finden bei uns ein Oil-Leak-Widget mit integriertem Leak-O-Meter.

Auf Drängen der US-Regierung hat BP vor einigen Wochen ein Live-Unterwasservideo von der Ölaustrittstelle freigegeben, das einen viel höheren Ölaustritt nahelegt als die von konzerneigenen Experten geschätzten 5000 Barrel pro Tag. Professor Steven Wereley von der Purdue University in im US-Bundesstaat Indiana schätzt die tatsächliche Menge auf  70.000 Barrel pro Tag – das entspricht in etwa  11 Millionen Litern täglich.

Zum Vergleich: Bei der Exxon-Valdez-Ölkatastrophe von 1989 traten insgesamt rund 40 Millionen Liter Rohöl aus und verseuchten ein Küstengebiet auf mehr als 2000 Kilometern Länge. Das Worst-Case-Szenario unabhängiger Experten kommt bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auf eine bisherige Ölaustrittsmenge von rund 651.000.000 Litern – mehr als das 16-fache des Exxon-Valdez-Vorfalls.

Das bereits angesprochene Video eines BP-Tauchroboters entfaltet seine volle, unheimliche Wirkung am besten dann, wenn man sich den Text zum aktuellen Imagefilm des Konzerns parallel dazu anhört.

Ausbreitung: Ölkatastrophe erreicht Louisiana

Mittlerweile gibt es unzählige Bilder und Videos zu den bereits ersichtlichen Folgen der Ölkatastrophe und der andauernden Schadensbegrenzungsmaßnahmen. Besonders eindrücklich sind die Bilder in dieser Bilderstrecke des Boston Globe, auf denen bereits jetzt die enormen Verschmutzungen an der Küste Louisianas deutlich werden. Dank des Einsatzes von Satellitentechnik lässt sich die Ausbreitung des Öls im Golfgebiet detailliert nachvollziehen. Mapping Software ermöglicht zudem die Darstellung des Ölflusses in Form einer Timeline.

Der bislang letzte Versuch, das Öl-Leck  zu schließen, ist am Wochenende gescheitert. Wie Doug Suttles, ein führender BP-Manager eingestehen musste, hat die sogenannte Top-Kill-Methode, bei der Schlamm und Abfallmaterialien in das Bohrloch gepumpt werden, versagt.

Das Öl strömt weiter in unverminderter Menge in den Ozean. Experten schätzen die derzeitige Austrittsmenge auf 504.000 bis 4.200.000 Gallonen pro Tag – das bedeutet im schlimmsten Fall einen Ölaustritt von rund 651 Millionen Litern seit der Explosion der Bohrinsel am 20. April. Wer die verschiedenen Spill-Szenarien selber durchspielen möchte, kann dies auch mit Hilfe dieses Widgets des US TV-Senders PBS tun:

Operation Top Kill war bereits der dritte Anlauf BPs, die Tiefsee-Ölquelle zu verschließen. Zuvor hatten Experten des britischen Ölkonzerns versucht, das Leck mit einer 125 Tonnen schweren Beton-Kuppel abzudichten. Als das nicht funktionierte, sollte ein Großteil des Öls mit einem Absaugrohr direkt über der Austrittsstelle aufgefangen werden, was sich ebenfalls als nicht realisierbar herausstellte.

Aus Top-Kill wird Top-Flop

Nun, nach dem Scheitern der letzen Operation, “Top Kill”, hat BP einen neuen Plan ausgeheckt, um der Katastrophe Herr zu werden: das LMRP-CCS. Hinter dieser Buchstabenfolge verbirgt sich das Lower-Marine-Riser-Package-Cap-Containment-System.

Ein Tauchroboter soll das bei der Explosion der Deepwater Horizon beschädigte Bohrrohr absägen und mit einer Art Kappe verschließen. Dieses wird mit einem mehr als einem Kilometer langen Rohr mit einem über der Austrittsstelle ankernden Bohrschiff verbunden, in welches das austretende Öl-/Gas-Gemisch geleitet wird. Die genaue Prozedur erklärt der BP-Konzern anhand zweier Grafiken auf dieser Website.

Bis das Leck mit dieser Methode abgedichtet ist, sollen einige Tage vergehen. Scheitert auch dieser Versuch, wird das Worst-Case-Szenario immer wahrscheinlicher: Die Ölquelle bleibt bis August unverschlossen, gibt weiterhin mehrere Millionen Liter Öl am Tag frei und wird damit zur größten Ölkatastrophe – nicht nur in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Update (11. Juni): BP-Ölkatastrophe continued: Ausbreitung des Ölteppichs und Kaffeefleck-Parodie


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