Call of Duty: Modern Warfare 3 - Vorschau aufs größte Spiel 2011

Tom

Wäre der Krieg so, wie ihn sich Entwickler Infinity Ward vorstellt, würden wir uns nie in einen Hubschrauber setzen. Die haben nämlich die erschreckende Tendenz beschossen zu werden, in Gebäude zu krachen und mit einem mächtigen Rumms und unter schwindelkeitserregender Rotation abzustürzen. Andererseits überleben wir – der Spieler – es dann doch immer wieder. Wie wir darauf kommen? Wir haben zwei Level von “Call of Duty: Modern Warfare 3″ gesehen. Es gab mindestens zehn Hubschrauber.

Call of Duty: Modern Warfare 3 - Vorschau aufs größte Spiel 2011

Nach dem letztjährigen Clinch zwischen Activision und den Infinity Ward-Chefs Vincent Zampella und Frank West stand die Zukunft der “Modern Warfare”-Reihe und des Entwicklerstudios selbst kurz vor dem Supergau.

Michael Bay wäre stolz

Activision wäre nicht Activision, wenn sie nicht einen gescheihten Weg finden würden, die jährliche und für viele Spieler notwendige Dosis Militär-Daueraction aufrechtzuerhalten. Also stellt man neue Leute für Infinity Ward ein, bringt das Studio Sledgehammer Games mit in die Partie und schon ist es wieder möglich: “Call of Duty: Modern Warfare 3″ erscheint noch Ende 2011.

Und wie sieht er nun aus, der Nachfolger zum erfolgreichsten Spiel aller Zeiten? Ganz so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten, aber eines können wir sofort feststellen: In den beiden gezeigten Levels merkt man “Modern Warfare 3″ absolut nicht an, durch welche Turbulenzen das Entwicklerstudio hinter dem Goldesel gegangen ist. Inszenierung, Gameplay, Detailgrad – alles bleibt beim Alten. Und da liegt dann auch das größte Problem des Spiels.

Der erste gezeigte Levelabschnitt entführte uns mitten in das halb zu Schutt geballerte Manhatten, zusammen mit Sandman und dem Rest des Delta-Teams ging es direkt in die Schlacht gegen die russischen Aggressoren. Kommt euch bekannt vor? Sollte es auch, “Modern Warfare 3″ setzt nämlich direkt nach Teil 2 der modernen Kriegsspiel-Reihe an. Nur wenige Sekunden nach Levelbeginn kommt dann auch schon die erste große Explosion: Ein Helikopter – was auch sonst – stürzt unter unhöflich lautem Getöse in die Häuserschluchten New Yorks.

modern warfare 3

Die US-Soldaten rücken unter Dauerfeuer vor, im Hintergrund werden Gebäude um lästige Etagen erleichtert, über uns düsen Jets hin und her: “Modern Warfare 3″ inszeniert den fikitiven dritten Weltkrieg wie gewohnt mit ordentlich Schmackes, lässt dem Spieler dabei aber zu wenige Pausen. Selbst als es vom Straßenkampf in ein Gebäude geht und der ohrenbetäubende Krawall der Großstadtschlacht etwas in den Hintergrund rückt, schickt das Spiel immer noch eine Welle feindlicher Soldaten nach der anderen auf den Spieler, bis man schließlich die Börse der Wall Street erreicht und erneut ein großer Feuerkampf ausbricht.

Diese Dauerbeschallung führte beim Zuschauen zur Ermüdung und wird auch beim Spieler selbst zum Burnout führen. Wir befürchten, dass “Modern Warfare 3″ zu wenig Wert auf die geschickte Platzierung der Bombast-Momente legt und es stattdessen zu jeder Zeit um uns herum krachen lässt. Das desensibilisiert und schmälert die Wirkung der eigentlich beeindruckenden Geschehnisse, denen man hier beiwohnt.

Vom Big Apple zum Big Ben

Nach dem kurzen Trip durch die Börse und Elektroschäden in Millionenhöhe erreichte die Action das Dach der Wall Street, auf dem ein störender Funkturm nur darauf gewartet hat, mit einem Sprengsatz zu Fall gebracht zu werden. Anschließend wurde das Signal für die Reaper-Drone freigegeben, also der vom Spieler gesteuerte Raketenangriff aus der Luft. Mit Hilfe der Drone ließen sich problemlos zahlreiche Soldaten auf den gegenüberliegenden Dächern ausschalten. Der kleine Exkurs in die Welt der Artellerieschützen endete mit einem – Überraschung – Helikopterflug.

Seht mal, ein Hubschrauber!
Und was macht man in einem Helikopter? Richtig, man setzt sich an die Minigun und ballert auf alles, was sich bewegt. Etwa die beiden feindlichen Hubschrauber, die es ganz doll Schade finden, dass wir schon gehen. Ohne Rücksicht auf Verluste werden die Verfolger gegen die nächstgelegene Häuserwand geballert. Einer der sich inzwischen im langwierigen Prozess des Absturzes befindenen Helikopter reißt unser eigenes Fluggerät mit. “We’re going down!” schreit Captain Obvious neben uns und klammert sich verzweifelt an den Sicherheitsgriffen des Helis fest. Doch Fortuna ist mit den Amerikanern, der Pilot kann den Helikopter nach einer Beinahe-Kollision mit einem Hochhaus fangen und die Mitglieder des Delta-Squads sicher aus der Gefahrenzone befördern – das erste Level endet.

modern warfare

“Puh – das war intensiv!”, dachten wir uns. Direkt gefolgt von: “… aber irgendwie auch schon zig Mal dagewesen.” Ja, “Modern Warfare 3″ wird Freunden permanenter Action der Marke Michael Bay sicherlich jede Menge Spaß machen. Der kurze Ausflug nach Manhatten war Adrenalin-geladen, laut und schnell – typische Popcorn-Unterhaltung eben. Nur hätten wir uns Mal was Neues gewünscht. Reaper-Drone? Alter Hut. Heli-Verfolgungsjagd? Simpsons did it. Wenn sich “Modern Warfare 3″ schon immer weiter von der Realität entfernt, dann könnt es auch noch eine Schippe drauflegen und uns in richtig absurde Situationen werfen. Aber halt: Uns wurde ja noch ein zweites Level gezeigt…

Manhatten, USA-Flagge, ein Hubschrauber – alles was ein Call of Duty braucht.

Dieses Mal ging es nach London. Es ist finstere Nacht, strömender Regen erfüllt das britische Klischeé des schlechten Wetters auf der englischen Insel. Statt direkt in ein großes Gefecht geworfen zu werden beginnt diese Mission tatsächlich sehr seicht. Wir beobachten durch eine Spionagekamera den Feind aus der Luft, dabei wird der Einsatzplan grob erläutert. Anschließend geht es los: Unsere Squad infiltriert lautlos ein verlassenes Bürogebäude. Zumindest war lautlos mit Sicherheit der Plan, von Schalldämpfern halten die Soldaten nämlich wenig. Dank der offensichtlich hörgeschädigten Feinde gelingt das Eindringen ins Zielobjekt aber dann doch.

Was als Stealth-Mission begann wurde nach wenigen Momenten dann aber auch schon wieder zur gewohnt hitzigen Schlacht, die alsbald das Gebäude verlies und auf einen großen Platz führte – die eindrucksvoll ausgeleuchtete Skyline Londons im Hintergrund, zahlreiche aggressive Soldaten vor unserer Nase. Der Feind scheint zunächst zahlenmäßig überlegen, bis zu unserer Unterstützung ein – wait for it – Helikopter erscheint und die Funktionalität seiner tödlichen Bordkanonen sogleich unter Beweis stellt.

What is it good for?

Nachdem wir den russischen Soldaten gezeigt haben, was wir von MG-tragenden Einwanderern halten, ging es weiter in die dunklen Tunnel der Londoner Metro. Dort wartete ein Truck und eine weitere Moorhuhn-Passage auf uns, in der wir eine mit dem Feind gefüllte Bahn verfolgten. Die rasante Aufholjagd durch die engen Tunnel brachte das Blut zum Kochen, so knapp wich der Fahrer anderen Zügen und Trennwänden aus. Nettes Detail: Bei der halsbrecherischen Verfolgung fuhren wir sogar an belebten Bahnhöfen vorbei, panische Passanten inklusive.

In der Metro geht’s rasant zur Sache.
Der Dauerbeschuss einer U-Bahn kann nur solange gut gehen, beendet wurde der temporeiche Schusswechsel schließlich mit der fulminanten Entgleisung des feindlichen Zuges. Ein Wagon nach dem anderen scheppert vor unserem Truck über die Schienen und reißt Pfeiler des Tunnels mit sich, bis es schließlich auch uns erwischt: Das Fahrzeug überschlägt sich, unsere Sicht schwindet, das Level ist zu Ende.

War uns die wenig realistische Bahnverfolgung nun absurd und überdreht genug? Fast. Klar, es ist schon beeindruckend in einem Wahnsinnstempo durch enge Tunnel zu fahren und dabei links und rechts Gegner abzuballern, allerdings ist es spielerisch auch sehr anspruchslos, denn mehr als stationäres Zielscheibenschießen ist das nicht.

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Fazit:

“Call of Duty: Modern Warfare 3″ befindet sich in jeder Hinsicht auf dem Niveau des Vorgängers: Die Inszenierung ist genauso Over-the-Top, das Geballer genauso schnell und pausenlos und selbst grafisch hat sich nichts getan. Für viele Fans der erfolgreichen Shooter-Reihe mag das ausreichen, uns haben allerdings die Überraschungen gefehlt. Zwar gab es reichlich bombastische und actionreiche Momente, durch die unaufhaltbare Daueraction fallen diese aber kaum auf.

Mit Manhatten und London haben wir bisher aber auch nur zwei Level gesehen. Es folgen Feuergefechte in Afrika, eisige Schlachten im Himalaya-Gebirge und hitzige Ballereien in zahlreichen weiteren exotischen Orten rund um den Globus. “Modern Warfare 3″ hat also noch mehr als genug Gelegenheiten uns zu überraschen und mitzureißen. Und dann fehlt da ja noch der Mehrspieler-Modus, das Kernstück eines jeden “Call of Dutys”. Bisher wissen wir nur, dass der kooperative Spec-Ops-Modus mit größerem Umfang zurückkehren wird.

“Modern Warfare”-Enthusiasten, die die Kampagne des Spiels nicht sofort überspringen, um zum Multiplayer zu gelangen, dürfen sich bedenkenlos auf den virtuellen dritten Weltkrieg freuen. Denn trotz aller Kritik kommt hier ein grundsolider Ego-Shooter auf uns zu, dem bisher schlichtweg der kreative Funken fehlt. Dafür gibt es viele Helikopter, das ist doch auch was Schönes.

Ersteindruck: Gut.

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