Cern veröffentlicht Open Hardware License

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Mit der Open Hardware Licence (OHL) 1.1 hat die Kernforschungsinstitution CERN ein Regelwerk zur offenen Nutzung von Hardwareplänen veröffentlicht. Dies soll in erster Linie die Arbeit der weit vernetzten Organisation vereinfachen, hat aber auch idelle Gründe.

Disclaimer: Der folgende Absatz ist wissenschaftlich ungenau, schürt Wissenschaftsskepsis und bringt jeden ernsthaften Forscher zur Weissglut. Als deutsches Medium sind wir jedoch verpflichtet, jeden Text über das CERN mit Witzen über physikalische Großereignisse und Bomben im Keller anzureichern. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Eigener Teilchenbeschleuniger gefällig? Kein Problem! Das europäische Kernforschungsinsitut CERN arbeitet in der Schweiz nicht nur daran, Schwarze Löcher zu produzieren, die uns dereinst alle umbringen werden (KABOOM! Reingefallen!), sondern hat auch vor, die Baupläne seiner Teufelsmaschinen unter freie Lizenz zu stellen. So kann jedermann mit einem Budget von mehreren Milliarden Euro und größeren Grundstücken (der Large Hadron Collider misst knapp 27 km im Umfang) seine eigene Antimaterie herstellen, oder was auch immer da genau vor sich geht.

Jetzt mal ernsthaft: Tatsächlich stellen Lizenzbestimmungen Forscher auch in ihrem Arbeitsalltag vor Probleme. Ständig werden schematische Zeichnungen, Entwürfe, Schaltkreise und Baupläne erstellt und zwischen den Forschern um die ganze Welt verschickt, dort erweitert, verbessert und wieder zurück gesendet. Wem gehören die Pläne? Man könnte sagen: Dem ursprünglichen Entwickler. Oder seiner Institution. Oder aber auch: Dem Steuerzahler, denn der hat die dahinter liegende Forschung zumeist bezahlt. Gar nicht so einfach also. Deshalb setzt sich auch im Forschungsbetrieb der Gedanke der Open Hardware, analog zur Open Software, langsam durch.

Einen ersten Entwurf einer entsprechenden Lizenz hat das CERN bereits im März an das noch recht frische Open Hardware Repository geschickt. Nun folgte die erweiterte Version OHL 1.1. Sie orientiert sich dabei an der klassichen GPL. So verbleiben die Copyrights zwar bei ursprünglichen Entwickler; die Pläne dürfen jedoch verändert und weiterverbreitet werden, unter der Bedingung, dass die Lizenz beibehalten wird und der ursprüngliche Verfasser weiter genannt wird. Der interessantere Aspekt ist natürlich, dass auch die zugehörige Hardware frei nachgebaut und vertrieben werden darf, sofern die Spezifikationen mitgliefert werden.

Dies erleichtert natürlich den Arbeitsalltag für die Forscher. Im Kopf hatte man dabei aber auch die Idee des freien Wissens, wie sie von Forschern seit jeher gefördert wird. Javier Serano, Ingenieur beim CERN und Gründer des OHR: “Die Bewegung zur Open Hardware wurde durch den Neid auf unsere Kollegen begünstigt, die Treiber für Linux-Geräte entwickeln. Sie sind Teil einer großen Community von Designern, die ihr Wissen und ihre Zeit teilen und so zu dem bestmöglichen Betriebssystem kommen. Uns fiel kein Grund ein, warum es bei der Hardware-Entwicklung anders laufen sollte.”

Auch Carlo Piana von der Free Software Foundation Europe zeigt sich erfreut: “CERNS Bestrebungen für ein Ökosystem für Open Hardware ist ganz sicher ein großer Schritt zu mehr Freiheit im digitalen Raum.”

Eine gute Entwicklung? Ich werde darüber nachdenken – in meiner Garage.

Bild: LHC tunnel (HDR+tone mapped) von Daroczy Laszlo (cc)

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