Datenschutz bei Facebook: Wem gehören Deine Daten?

Philipp Süßmann
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Seit kurzem ist Facebook wieder in aller Munde: Vor einer Woche stellte das Netzwerk seine neue Timeline-Funktion vor, die Facebook in eine Art chronologisches Tagebuch verwandeln soll. Das schmeckt Datenschützern natürlich gar nicht. Treibt Facebook es mit seiner restriktiven Datenschutz-Politik allmählich zu weit?

Der Kampf Facebook vs. Privatssphäre eine neue Qualität erreicht: Rein gesetzlich ist Facebook dazu verpflichtet, jedem Nutzer exakt darüber Auskunft zu erteilen, welche Daten über seine Person von dem Unternehmen gespeichert werden. Der Journalist Richard Gutjahr veröffentlichte vor wenigen Tagen eine detaillierte Anleitung, wie man genau seine Daten von Facebook anfordern kann. Das Verfahren ist kompliziert, aber durchführbar und ist die Forderung einmal abgeschickt, sollte Facebook eigentlich innerhalb  von 40 Tagen eine CD mit den persönliche Daten zurückschicken.

Aber Facebook zickt. Das Unternehmen hat viele Nutzer, die eben eine solche Anfrage geschickt haben, darüber informiert, dass die 40-Tage-Frist nicht eingehalten würde und es bei dem Zusenden der Daten zu “erheblichen Verzögerungen” kommen könnte. Facebook hat also ein derart kompliziertes System entworfen, das seine eigenen Mitarbeiter dem Bearbeitungsaufwand nicht gewachsen sind. Das damit Gesetze gebrochen werden, scheint Zuckerberg & Co erst einmal wenig Kopfzerbrechen zu bereiten.

Noch dazu weigert sich der Konzern, tatsächlich alle Daten, die er von den Nutzern gesammelt hat, herauszugeben und bezeichnet Teile der Informationen als “Geschäftsgeheimnisse oder geistiges Eigentum” von Facebook. Ein absurdes Statement, das mittlerweile etliche Datenschützer auf den Plan gerufen hat.

Aber was speichert Facebook eigentlich genau über seine User? Im Grunde genommen – alles. Vom ersten Login bis zur letzten Statusmeldung wird jede Eingabe, jeder “Like”, jeder Rechner, von dem man sich jemals eingeloggt hat, gespeichert. Und nicht nur das: Auch Daten, die der Nutzer selbst “gelöscht” hat, werden nicht tatsächlich gelöscht, sondern nur auf “inaktiv” gestellt. Facebook vergisst nichts, alles wird archiviert.

Das allein ist natürlich bedenklich genug. Das sich Facebook nun aber weigert, diese Daten auch mit ihren rechtmäßigen Besitzern zu teilen, kann man nur als unverschämt-dreist bezeichnen. Bleibt zu hoffen, das genügend Nutzer dagegen aufbegehren und mit weiteren Anträgen Facebook dazu zwingen, ihre Politik in Bezug auf Datenschutz zu überdenken.

Weitere Informationen findet ihr auf der der Aktivistenseite “Europe vs. Facebook”, hier findet ihr den Antrag für die Herausgabe persönlicher Daten von Facebook. Loslegen und ausfüllen!

 

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