Dell Streak 5“ Test: Eine Woche mit dem Smartphone-Tablet-Hybridgerät

Holger Blessenohl
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Dell Streak 5"
Das Dell Streak mit 5 Zoll Display hatte keinen leichten Start. Quer durch die Presselandschaft ging ein Aufstöhnen ob des je nach Perspektive ungewöhnlich großen bzw. kleinen Displays. Für ein Smartphone zu groß, für ein Tablet zu klein, so lautete allenthalben der Vorwurf. Und tatsächlich: Nimmt man das Streak von Dell das erste Mal in die Hand, weiß man nicht recht wie man es halten soll. Hochkant wie ein Smartphone oder doch lieber horizontal wie ein Tablet? Zwar kann man es mit einer Hand umfassen, bequem fühlt sich das aber nicht an. Zumindest bei mir, und so kleine Hände habe ich nicht. Etwas Zeit zum Eingewöhnen habe ich ja zum Glück. Vor mir liegt: Eine Woche mit dem ... Dell Streak 5“.

Dell Streak: Smartphone oder Tablet?

Dell Streak 5
Klären wir also zunächst einmal die Geräte-Frage. Stellt man das Dell Streak 5“ hochkant, dann liegt am oberen Rand der Lautsprecher. Unten befindet sich der der Mikrofon-Eingang. Von daher ist das Streak 5“ also ein Smartphone. Andererseits sieht es wirklich albern aus, sich das riesige Gerät ans Ohr zu halten. Wer das Streak zum Telefonieren nutzen möchte, wird folglich wie bei einem Tablet entweder über die Freisprecheinrichtung telefonieren oder ein Headset nutzen. Das kann einerseits das mitgelieferte Headset mit In-Ear-Kopfhörern sein, aber auch das eigene, das dann über den 3,5 mm Klinkenanschluss verbunden wird. Auch über Bluetooth kann eine Verbindung hergestellt werden.

Aufbau des Dell Streak 5“

Das erste Problem entsteht schon beim Einschalten. Wo zum Teufel ist der Ein-Aus-Schalter? Ein Blick in die mitgelieferte Kurzbeschreibung des Streak hilft weiter. Im Grunde ist das Streak relativ einfach aufgebaut. Vorne befindet sich nur der Multitouch-Touchscreen aus Gorillaglas, hinten ist die 5 MP-Kamera sowie eine große Abdeckung, hinter der Akku, SIM- und microSD-Karte stecken. Unten gibt es einen längeren Schlitz, in den das Lade- und das USB-Kabel verbunden werden. Leider hat Dell hier unnötigerweise einen proprietären Anschluss verbaut, statt auf das ohnehin bald EU-Standard werdende Mini-USB zu setzen. Die drei Funktionstasten befinden sich an der Seite oben. Links direkt neben dem 3,5 mm Klinkenanschluss ist der Lautstärkeregler, rechts befinden sich der Ein-Aus-Schalter und ganz rechts der Auslöser für die Kamera. Vorne unten befinden sich darüber hinaus drei Touch-Schalter. Mit dem rechten Back-Button kommt man immer einen Schritt rückwärts, mit dem Home-Button links erreicht man immer die Startseite und der Menü-Button in der Mitte öffnet immer ein kontextabhängiges Menü.

Das Dell Streak starten: Der Startbildschirm

Dell Streak mit Zubehör
Der Startbildschirm begrüßt einen beim Einschalten mit einem eleganten dunkelblauen Hintergrund, der entfernt an einen Vorhang erinnert. Um den zu öffnen, muss man das Schlosssymbol rechts unten nach oben ziehen. Rechts oben befindet sich ein ähnliches Lautsprecher-Icon, mit dem man das Streak auf „Lautlos“ stellen kann, indem man es nach unten zieht. Lautlos heißt dann allerdings Vibrations-Alarm. Auf der linken Seite des Start-Vorhangs werden Datum und Uhrzeit sowie der Mobilfunkanbieter, bei dem man gerade eingeloggt ist, eingeblendet. Nach dem Einloggen gefällt die feine Austarierung der automatischen Anpassung des Streak auf Hoch- oder Querformat. Im Querformat kann man oben und unten problemlos tauschen, im Hochformat ist dies seltsamerweise nicht möglich.

Google Android 2.2 Froyo

Nach dem Einschalten fragt das Dell Streak zunächst einmal die persönlichen Daten ab. Das betrifft in erster Linie den Google-Account, denn das auf dem Streak installierte Google-Betriebssystem Android setzt einen solchen voraus. Zumindest wenn man halbwegs komfortabel mit dem Streak arbeiten will. Dafür bekommt man mit Android 2.2 Froyo dann auch die ganze Welt schöne Welt von Google frei Haus. Neben der klassischen Google-Suche also eine YouTube-App, Google Maps mit Street View, Google Mail inklusiver Google Kalender und was man sich sonst noch so an Google-Apps installieren möchte. Wer will, kann sich dann gleich noch beim vorinstallierten Latitude anmelden und jederzeit sehen, wo seine ebenfalls bei Latitude angemeldeten Freunde gerade sind (die umgekehrt natürlich auch immer wissen, wo ich gerade stecke). Danach gebe ich das Passwort für mein WLAN-Netz ein und bin online.

Das Dell Streak 5“ einrichten: Der Android App Market

Dell Streak Back
Die SIM-Karte habe ich erst am nächsten Tag eingesteckt, das Streak fragt daraufhin einmal nach meiner PIN und schaltet die SIM-Karte dann anstandslos frei. Mein erster Besuch führt mich in den Android App Store, wo ich mich mit einigen liebgewordenen Apps und ein paar Games für zwischendurch eindecke. Per Default bekommt man im Market immer erst die beliebtesten Bezahl-Apps angezeigt, mit einem Klick auf die Reiter daneben findet man aber auch die beliebtesten kostenlosen oder die neuesten Apps einer bestimmten App-Kategorie. Wo ich gerade dabei bin, bringe ich noch einige vorinstallierte Apps per Update auf den aktuellen Stand. Einige Tage später suche ich mir in Googles neuem Webmarket am PC noch ein paar weitere Apps aus. Diese werden mir nach einer Abfrage, auf welchem meiner Android-Geräte die App installiert werden soll, problemlos direkt aufs Streak installiert.

Im Internet surfen: Kein Flash für Firefox

Danach geht es ins Internet. Ich nutze zunächst testweise die Beta-Version des Firefox-Browsers, scheitere aber bei Spiegel Online recht schnell, als eine Flash-Anwendung aufgerufen wird. Also wieder in den Market und Adobe Flashplayer nachinstalliert. Danach funktioniert Flash, allerdings nur im vorinstallierten Browser, der Firefox geht leer aus. Macht nichts, große Unterschiede konnte ich in der Mobilversion ohnehin zwischen den Browsern auf die Schnelle nicht feststellen.

Bitte nicht anfassen

Was nicht so schön ist: Schon nach kurzer Zeit sind Vorder- und Rückseite des Dell Streak mit Fettfingern verschmiert. Zugegeben, bei Touchscreen-Smartphones ein systemimmanentes Problem, aber auch hier gibt es Geräte, die schneller verschmieren und welche, die dies nicht so schnell tun. Das Dell Streak ist ein Schnell-Schmierer.

Schlechter Klang beim Telefonieren

Dell Streak mit Ladekabel
Auch Telefonieren mit dem Streak macht nicht viel Spaß. Nicht nur, dass man das seltsame Gerät ohnehin aus ästhetischen Gründen nicht ans Ohr halten möchte, die Klangqualität sowohl beim Freisprechen als auch beim „normalen“ Telefonieren, wenn man es sich also doch ans Ohr hält, kann mich nicht überzeugen. Beim Freisprechen höre ich mein Gegenüber zwar klar und deutlich, dieser kann mich aber nur schlecht verstehen. Umgekehrt verhält es sich mit dem Smartphone am Ohr. Jetzt bin ich zwar gut zu verstehen, dafür klingt mein Gesprächspartner wie sehr weit weg, obwohl er nur im nächsten Raum sitzt. Möglicherweise schafft ein gutes Headset hier Abhilfe.

Das Email-Programm des Streak

Also lieber mailen. Mein Googlemail-Konto muss ich nicht eigens einrichten, das ist mit der Anmeldung bei Google beim Start nebenbei mit erledigt worden. Jetzt richte ich mir zusätzlich über die ebenfalls vorinstallierte E-Mail-App noch mein GMX-Konto ein. Ein Fehler, wie ich in der darauffolgenden Nacht feststelle. Das Dell Streak gibt mit einem ziemlich nervigen Klingelton bekannt, sobald eine neue Mail eingegangen ist. Diesen Klingelton wiederholt das Streak in regelmäßigen Abständen, bis man entweder die Mail gelesen oder in den Mailkonto-Einstellungen den Klingelton auf „Lautlos“ gestellt hat. Ich entscheide mich für letzteres.

Multimedia: YouTube-Videos und Internet-Radio

Dell Streak mit Tasche
Dell sieht das Streak auch als Multimedia-Gerät. Also rufe ich die YouTube-App auf und sehe mir einige Videos an. Alle Videos werden in hoher Qualität heruntergeladen und flüssig gezeigt. Die Tonqualität über den Lautsprecher ist okay. Danach teste ich die Radio-App. Ich kann zwischen einer ganzen Reihe lokaler Radiostationen und einigen mir unbekannten wählen. Mein eigener Lieblingssender Radio 1 ist nicht dabei, daher gehe ich zu Radio Fritz, ebenfalls vom RBB. Auch hier ist die Wiedergabequalität für mich allein völlig ausreichend. Versuchsweise schließe ich über den 3,5 mm Klinkenanschluss meine PC-Lautsprecher an. Das Eingangssignal ist aber zu schwach und ich muss die Lautsprecher sehr laut stellen, um das Radio überhaupt hören zu können. Hier müsste noch ein Verstärker zwischengeschaltet werden.

Gaming mit dem Dell Streak

Auch einige kostenlose Games mit besserer Grafik werden von mir angespielt, Air Control Lite, Penguin Flying und die derzeit unvermeidlichen Angry Birds. Alle Games lassen sich gut spielen und werden auf dem 5 Zoll Display gut dargestellt. Allerdings werden hier auch die Beschränkungen des Streak klar. Die Spiele sind deshalb so übersichtlich, weil sie als reine Handy-Games mit einem einzigen Screen auskommen. Tablet-Games, wie sie jetzt vermehrt kommen werden und die das größere Display für Split-Screens nutzen werden, dürften auf dem Streak zu klein dargestellt werden.

Das Dell Streak als eBook-Reader

Dell Streak
Wer von sich selbst behauptet, ein kleines Tablet gebaut zu haben, sollte natürlich auch die Fähigkeiten eines E-Book-Readers mitbringen. Das ist beim Dell erst einmal nicht der Fall, aber dank Android ist Aldiko schnell installiert. Dennoch bin ich nicht recht glücklich beim Lesen geworden. Selbst bei höchster Helligkeit war mir der Schwarz-Weiß-Kontrast nicht konturiert genug. Auch meinte ich ein leichtes Flackern sehen zu können. Der Fairness halber muss ich aber hinzufügen, dass meine Kollegen, denen ich die Aldiko-App gezeigt habe, meine Einwände nicht nachvollziehen konnten. Dafür wurde ein leichter Gelbstich des Displays bemängelt. Dennoch: Die meisten User scheinen keine Probleme mit dem Lesen von E-Books auf dem Streak zu haben. Etwas verwirrend fanden einige aber, dass innerhalb der Aldiko-App das Vergrößern der Schriftgröße durch das übliche Pinch-to-Zoom nicht möglich ist. Stattdessen muss über „Einstellungen-Text“ die „Schriftart“ vergrößert werden.

Der Bürotest: Office-Dateien und Swype

Mit Quickoffice steht zudem eine kleine Office-Suite zur Verfügung, mit der Microsoft Office-Dateien geöffnet und bearbeitet werden können, die selber aber keine Icons für die Bearbeitung zur Verfügung stellt. Eigene Dateien neu zu erstellen, ist entsprechend mühsam und dürfte in der Praxis kaum je gemacht werden – schon allein wegen der rein virtuellen Tastatur. Diese ist mit Swype allerdings durchaus angenehm zu bedienen. Swype heißt eine Eingabehilfe für die Tastatur, bei der man mit den Fingern über die Buchstaben huscht, ohne den Touchscreen loszulassen. Anhand der Richtungswechsel erkennt Swype im Idealfall das Wort und fügt dieses automatisch ein. Erkennt Swype das Wort nicht genau, bietet es mehrere Alternativen an. Das klappt allerdings erst, nachdem ich die Sprache auf Deutsch umgestellt habe und dann auch nur bei Wörtern, die in Swypes Wörterbuch stehen. Dieses Wörterbuch wächst dann in der Praxis recht schnell, da Swype sich jedes Wort merkt, das ich nach erfolglosem Swypen Buchstabe für Buchstabe eingebe. Beim nächsten Mal erkennt Swype das Wort dann sofort.

Fotografieren und Fotobearbeitung

Hegels Grab
Besonders gut gefallen hat mir am Streak die Back-Kamera. Obwohl die Fotos nur mit 5 Megapixeln aufgelöst werden, ist die Bildqualität für ein Mobilgerät erstaunlich gut. Hier macht sich jetzt auch zum ersten Mal das größere Display wirklich positiv bemerkbar. Es macht richtig Spaß, die Bilder mit der kostenlosen Photoshop-App nachzubearbeiten oder mit dem ebenfalls kostenlosen FX Capture Effekte zu erzeugen. Das Ergebnis lässt sich auf 5 Zoll gut anschauen und bewerten. Ein Beispielbild, das wir mit dem Dell Streak geschossen haben, habe ich (unbearbeitet) beigefügt. Als Motiv diente mir das Grab von Georg Wilhelm Hegel.

Die Stärke des Streak: Navigation mit Google Maps

Den echten Clou des Dell Streak erkenne ich aber erst am letzten Tag meines Wochentests. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen eher negativen Gesamteindruck. Das änderte sich aber schlagartig, als ich die von Haus aus vorinstallierte Navigationsfunktion des Dell Streak austeste. Diese ist zwar nichts anderes als die Navigation von Google Maps, die ich per Update noch um Sprachausgabe erweitere, die Implementierung überzeugt aber auf ganzer Linie. Scheitert mein erster Versuch noch, den Zielort „Potsdamer Platz“ per Swype einzugeben, so erkennt Google Maps meine gesprochene Eingabe sofort aufs Wort und berechnet mir umgehend die korrekte Route. Dann gibt mir eine klar und deutlich zu verstehende Frauenstimme Anweisungen, wie ich zu fahren habe. Auf dem 5 Zoll Display ist eine 3D-Ansicht meiner Strecke zu sehen. Ich folge Googles Empfehlungen zunächst, nehme dann aber als Fahrradfahrer eine Abkürzung. Die Navi-Stimme macht mich nur einmal auf meinen Fehler aufmerksam, dann wird die neue Route (korrekt) berechnet.

Dell Streak mit Facebook und Twitter
Vom Potsdamer Platz aus will ich nach Hause. Auch diesmal erkennt Google auf Anhieb meine gesprochene Adresse (nicht jedoch die geswypte) und gibt mir die schnellste Route aus. Da diese über die Autobahn führt, gehe ich in die Einstellungen und lasse mir eine Strecke ohne Autobahnen vorschlagen. Auch hier gibt es schnell ein korrektes Ergebnis. Ich folge zunächst der vorgeschlagenen Navigation und schlage mich dann mit dem Rad querfeldein durch den Berliner Tiergarten. Die Navigation bricht solange ab, bis ich wieder eine reguläre Straße erreiche und führt mich nun hausnummerngenau bis zu meiner Wohnung. Ob die Navigation noch genauso gut funktioniert, wenn es keinen UMTS-Empfang gibt, kann ich hier in Berlin leider nicht testen. Theoretisch sollte es aber kein Problem mehr darstellen, seit Google Maps 5.0 auf Vektorgrafiken umgestellt hat. Und ich habe jetzt auch verstanden, warum Dell als Zubehör neben einer Docking Station auch ein Car Kit für das Dell Streak anbietet.

Fazit: Das Dell Streak ist ein Multimedia-Navi

Die Frage, ob das Dell Streak 5“ ein Smartphone oder ein Tablet sei, führt in die Irre, weil es keins von beidem ist. Das Dell Streak ist – so das Ergebnis meiner Woche mit dem Streak – in erster Linie ein großartiges Navi. Im Auto kann das Dell mit dem 5 Zoll Display wirklich punkten, das Display ist groß und übersichtlich genug, um mit den normalen Navis mitzuhalten. Sicher, Navigationssysteme gibt es schon für deutlich weniger Geld, und eine Funktion wie der Staumelder fehlt natürlich. Aber welches Navi bietet schon so üppige Multimedia-Qualitäten, und mit welchem Navi kann man darüber hinaus auch noch fotografieren und telefonieren. Im Auto stört die seltsame Zwischengröße des Streak beim Telefonieren auch nicht weiter, da man beim Fahren ohnehin via Headset oder Freisprechen telefonieren muss. Wer wissen will, wie gut Google inzwischen Navigation beherrscht, sollte dem Streak eine Chance geben. Einschränkend muss ich aber ergänzen, dass ich das Streak nur in der City von Berlin testen konnte. Auf dem Lande könnte es spätestens dann Probleme geben, wenn es keine UMTS-Verbindung mehr gibt und man die Route (und damit auch die Karten) nicht vorher schon gespeichert hat. Ob eine GPRS- bzw. EDGE-Verbindung zum Ergänzen von Kartenmaterial aus Google Maps auch noch reicht, müsste ein weiterer Test zeigen.

    Pro: Google Maps-Navigation, scharfes Display, Swype, Kamera
    Contra: Schlechter Klang beim Telefonieren, Schmutzanziehend, proprietärer Ladekabel-Anschluss

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