DLink Boxee Box – Geniale Media Box mit Macken

DLink Boxee Box - Zauberwürfel oder Blender
Streaming Clients oder Media Center sind im Wohnzimmer immer noch selten. Apple hat seinen Apple TV selbst als Hobby degradiert und andere Hersteller schaffen es momentan auch nicht, Otto Normalverbraucher von der Notwendigkeit einer Media Box im Wohnzimmer zu überzeugen. Die Software-Entwickler Boxee nehmen nun zusammen mit DLink einen erneuten Anlauf, um das Wohnzimmer zu erobern.

Blicken wir erstmal in die Vergangenheit. Im Januar 2010 auf der CES kündigte das Software-Team Boxee an, eine Hardwarefassung ihres erfolgreichen Media Centers auf den Markt zu bringen. Es vergingen mehrere Monate, ein Plattformwechsel von Nvidia Tegra auf Intel Atom, und zahlreiche Verschiebungen, bis nun kurz vor Weihnachten endlich das Gerät auf den Markt kam. Herausgekommen ist dabei ein Box in eigenwilliger Form, die aufregend wie auch manchmal nervend ist.

Stylisch und extravagant

Optisch kann erkennt der Kenner die Box schon von weiten. Dieser Würfel, dem man ungefähr ein Drittel weggeschnitten hat. Da muss man man Dlink und dem Boxee Team gratulieren. Ihnen ist mit der Boxeee Box ein wahrer Eycatcher gelungen, den man nicht im Regal verstecken muss.

Die Fernbedienung ist auch Sahnestück. Irgendwie erinnert sie einen aber sehr stark an die Apple-Fernbedienung und man wird den Eindruck nicht los, dass auch hier versucht wird, Apple etwas nachzuahmen. Dreht man die Fernbedienung um, dann erwartet einen ein ungewohntes Bild, da auf der Rückseite eine QWERTY-Tastatur in Miniformat entgegen blitzt. Klasse! Aber nur auf den ersten Blick! Es lässt sich zwar angenehm auf der Tastatur tippen, aber auch nur für Menschen, deren Finger nicht zu grob ausfallen. Dann nervt auch noch, dass man die ALT-Taste gedrückt halten muss, wenn man eine Ziffernkolonne eingeben will. Und wenn man im abgedunkelten Raum sitzt – einige Menschen, so wie ich, mögen es nun mal, in etwas schummriger Umgebung ihre Filme zu genießen – dann wünscht man sich eine beleuchtete Tastatur.

Anschliessen und genießen

So hätte ich es gerne gehabt. Leider brachte mich das Gerät schon nach dem ersten Anschalten in Rage. Meine Gerätschaften schmeckten der Boxee Box wohl nicht. Ok, der altertümliche Plasma konnte nicht mit der Box, das hätte ich mir denken können, dass aber ein moderner etwas über ein Jahr alter Monitor nicht per HDMI auf DVI ein Signal erhielt, war mir ein Rätsel. Zur Rettung von Boxee und Dlink muss man schon zugeben, dass sie nicht alle Fernseher und Monitore auf Kompatibilität testen können. Aber es ist trotzdem ärgerlich.

Nachdem ich mir also einen neuen Monitor mit HDMI-Eingang besorgte, begrüßte mich die Boxee Box auch freundlich mit einer nett gemachten Startsequenz und einem Login-Bildschirm. Hier muss erst einmal die Verbindung zum eigenen Netzwerk hergestellt werden. Bei mir lief dieses ohne Probleme über den Wizard, so dass ich nicht manuell sämtliche Einstellungen vornehmen musste. Zum Abschluss muss man noch einen Account erstellen, dieser ist notwendig, da es sonst 1. nicht weiter geht und man 2. nur so andere Dienste über Boxee.tv, wie Facebook, Twitter, Google Buzz und in Zukunft auch VOD Dienste wie Netflix und VUDU auf der Box betrachten kann.

Übersichtlich: Die Oberfläche

Schnell findet man sich auf der Oberfläche zurecht. Es zwar alles in englischer Sprache, eine Lokalisierung der Software soll später folgen, aber Begriffe wie z.B. „Friends“ und „Movies“ sollte man verstehen. Unter dem ersten Menüpunkt “Friends“ können die Videos von Twitter und Facebook angezeigt werden. Dazu muss man die jeweiligen Accounts auf Boxee.tv verknüpfen. Wenn dies geschehen ist, werden einfach alle Videos, die vor kurzem von Freunden und Bekannten veröffentlicht wurden, in einer langen Liste angezeigt.

Eine weitere sehr nette Funktion nennt sich “Watch Later“. Hier kann man sich Filme und Serien markieren, die man angefangen hat und später weiter schauen möchte. Es ist auch machbar, dass man sich Webvideos auf seinem Notebook markiert, um diese später auf der Boxee Box zu schauen.

Der nächste Menüeintrag nennt sich “Shows“. Hier werden TV-Shows angezeigt, die es im Web gibt, oder aber man kann hier auch Serien ablegen, die im lokalen Netzwerk oder auf einer externen Festplatte liegen. Leider funktionierten die beiden letzten Optionen nicht wirklich. Auch nach mehrmaligem Hinzufügen erkennt die Boxee Box keine meiner Serien im Netzwerk oder auf der Festplatte.

Ganz anders verhält es sich beim nächsten Menüeintrag „Movies“. Hier glänzt die Boxee Box. Alle Filme, die im Netzwerk und auf einer externen Festplatte liegen, wurden erkannt und dank der IMDB-Abfrage mit einer Kurzbeschreibung und dem Cover dargestellt. Als weiteres Feature kann die Boxee Box auch im laufenden Film über das als “CC“ deklarierte Feld Untertitel einblenden, die aus der Opensubtitles.org-Datenbank bezogen werden. Leider findet man hier in der Datenbank selten deutsche Untertitel, aber englische Texte helfen doch auch schon mal, wenn der Film in französisch läuft, oder?

Der vorletzte Menüpunkt ist “Apps“. Hier werden Videochannels und andere Webdienste dargestellt. Seit Ende Januar ist VUDU als App verfügbar, aber da dieser Dienst, wie viele andere auch, ein Geotracking vornehmen, sind sie für Deutschland nicht erreichbar. Boxee soll aber laut eigenen Aussagen mit VUDU und auch Netflix in Verhandlungen stehen, um die Dienste weltweit verfügbar zu machen. Hier muss also abgewartet werden, ob alles gut geht. Im Grunde kann jeder Apps für die Boxee Box schreiben. Dazu haben die Hersteller eine ausreichende Dokumentation ins Netz gestellt. Da ich kein Programmierer bin, über springe ich einfach mal das Thema hier.

Der letzte Menüpunkt “Files“ war für mich der wohl nützlichste, da wie oben schon beschreiben die TV-Serien nicht erkannt wurden. Über diesen Menüpunkt hatte ich Zugriff auf alle UPnP-fähigen Geräte, oder aber ich hatte auch per Samba Zugriff auf Netzlaufwerke. Hier kann man sich unabhängig von Dateiendung oder Herkunft alles auf den Netzwerk- und lokalen Festplatten in der gewohnten Baum Struktur anschauen. Seltsam ist, dass nur hier Bilder oder Musik abgerufen werden können.

Das letzte Highlight der Boxee Box ist immer allgegenwärtig, der Browser. Sobald die Menütaste gedrückt wird, erscheint ein Suchfeld, und neben der lokalen Suche können hier auch Webadressen eingegeben werden. Beim Browsen funktionieren alle Scripte, und auch Flash und HTML 5 werden erkannt. Youtube-Videos lassen sich somit auch ohne Probleme direkt auf Webseiten abspielen. Trotzdem kann es vorkommen, dass einige Webseiten oder Inhalte einfach nicht dargestellt werden. Auch die Steuerung über die Fernbedienung ist etwas langsam, aber ausreichend. Wer den Bildschirmzeiger noch schneller umher schubsen will, der kann an die Box immer noch eine Maus und eine Tastatur anschliessen.

Fazit

Die Boxee Box will alles können, das habt ihr sicherlich schon aus dem Artikel erfahren, aber lohnt es sich auch, stolze

dafür zu bezahlen? Weder ein klares Ja noch ein klares Nein kann ich euch geben. Die Box hat ihre Stärken, aber auch Schwächen. Was sie hervorragend kann, sind lokale Videos schön mit IMDB-Daten zu verbinden und auch rasant wiederzugeben. Mir ist selten ein Netzwerk-Player unter die Nase gekommen, der so flüssig und ohne Denkpausen per WLAN 1080p-Videos abspielte. Die Apps sind schön gedacht, leider sind sie entweder nicht aus Deutschland nutzbar (z.B.: VUDU, Pandora, MLB) oder nur wenig interessant. Lobenswerte Ausnahme bei den Apps ist die ZDF Mediathek. Der Browser ist nützlich, wenn man etwas Geduld mitbringt, da dieser von den Ladezeiten etwas träge ist.

Kann man also die Boxee Box empfehlen, oder sollte man einen großen Bogen drum machen? Wenn ihr ein Out of the Box perfektes Gerät haben wollt, dann macht einen großen Bogen um die Boxee Box. Die Box hat einfach noch ein paar Macken, die noch ausgemerzt werden müssen. Wenn ihr mit den Macken leben könnt und einen Netzwerkplayer haben wollt, der auch einen HTML5- und Flash-fähigen Browser integriert hat, dann schlagt zu. Der direkte Konkurrent aus dem Hause Google, die Google TV Box, wird ungefähr genauso viel kosten, wenn sie denn mal in Deutschland verkauft wird.

PROs & CONs der DLink Boxee Box:

PRO

  • sehr gute Verarbeitung
  • ausgefallenes Design
  • QWERTY-Tastatur auf der Rückseite der Fernbedienung (alternativ iPhone App)
  • flüssige Darstellung von HD-Inhalten aus dem Netzwerk
  • HTML5- und Flash-fähiger Browser

CONTRA

  • hoher Preis
  • Apps sind hauptsächlich für den amerikanischen User ausgelegt
  • VOD Dienste fehlen noch
  • nerviger Lüfter

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