E-Books kostenlos in Bibliotheken: Eigentlich doch nichts Neues

commander@giga
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Beim Durchgehen meines Feed-Readers war ich heute doch ein wenig erstaunt: So ziemlich alle großen Technews-Seiten haben sich vor Begeisterung schier überschlagen, weil man mit dem Amazon Kindle demnächst E-Books in Bibliotheken ausleihen kann. Damit kommen zumindest vorerst US-Leser in den Genuss von E-Books, ohne tatsächlich Geld dafür bezahlen zu müssen. In Bibliotheken gibt es Gratis-Bücher. So what?

Es ist leider tatsächlich so, dass gerade die Digital Natives die klassischen Bibliotheken gar nicht mehr wirklich wahrnehmen. Die Recherche für Schularbeiten lässt sich auch vom Internet aus bewerkstelligen, und überhaupt sind Bibliotheken doch diese muffigen Gebäude, in denen vergilbte Bücher von noch vergilbteren Angestellten entstaubt werden. Oder? Tatsache ist, dass auch deutsche Bibliotheken mittlerweile im neuen Zeitalter angekommen sind und viele bereits digitale Medien kostenlos anbieten – welche auch von zu Hause aus legal heruntergeladen werden können.

Dass künftig in 11.000 US-Bibliotheken E-Books kostenlos auf Amazons Kindle gespielt werden können, ist für deren Besitzer natürlich erfreulich. Dass die Downloads auch von jeder anderen Kindle App zum Beispiel für iPad oder Android-Tablets abgespielt werden können ist dabei tatsächlich eine erwähnenswerte Neuigkeit. Es ist aber nicht das Wunder, zu dem es gehyped wird. Digitale Medien gehören auch zum Bibliotheksalltag und sind dort gang und gäbe. Leider werden sie mangels Aufklärung noch nicht all zu sehr genutzt. Bibliotheken sind die ungeliebten, da teuren, Stiefkinder jeder Gemeinde. Leider haben diese daher kaum die Mittel, auf ihre Angebote aufmerksam zu machen. Ein Blick lohnt sich jedoch oftmals.

Es wird den Kunden dabei leider auch unnötig schwer gemacht. So gibt es keine zentrale Übersicht von Bibliotheken, die digitale Medien via Download anbieten. Ein potentieller Nutzer muss sich also die Webseite seiner örtlichen Bibliothek raussuchen, welche, so ehrlich darf man sein, oftmals nicht sehr professionell ist (sofern sie überhaupt einen eigenen Auftrtitt hat und nicht in die Gemeinde-Seite eingebunden ist).

Als Beispiel soll hier jetzt einfach mal die Stadtbibliothek Böblingen herhalten. Deren Seite ist ein wenig versteckt im Internetauftritt der Stadt zu finden. Immerhin: Auf das Angebot der OnlinebibliothekBB wird dabei gleich auf der ersten Seite hingewiesen. Aus dieser Bibliothek können sich Mitglieder aus mehreren umliegenden Gemeinden bedienen. Einen ähnlichen Zusammenschluss hat zum Beispiel auch die Stadtbibliothek Ludwigsburg, über deren “Onleihe” Mitglieder aus 9 Bibliotheken im Umkreis Zugriff haben. Demnach sollten auch Bewohner von kleinen Gemeinden hier ruhig einmal nachforschen.

Auch Magazine wie Der Spiegel finden sich oftmals als kostenloses E-Paper in Bibliotheken.

Ist man nun Mitglied einer Bibliothek mit einer angeschlossenen Online-Bibliothek, ist der Rest spielend einfach. Ähnlich wie bei Händlern wie Amazon können hier E-Books, E-Papers oder gar Hörbücher (!) in einen Einkaufswagen gelegt und nach Abschluss gratis heruntergeladen werden. In der Regel wird eine Anleitung gegeben, welche auch eine Liste kompatibler E-Reader enthält. Diese werden immer mehr – mit dem Kindle kommt nun wohl ein weiterer hinzu.

Ganz ohne Wermutstropfen geht es aber leider dann doch nicht: Wie in Bibliotheken üblich, sind die Ausleihzeiten hierbei begrenzt. Diese Begrenzung kann je nach Bibliothek kürzer oder länger dauern, wobei etwa 4 Wochen üblich sind. Die Begrenzung wird mit DRM-Maßnahmen durchgesetzt, durch die die Datei nach der Zeit unbrauchbar wird und gelöscht werden kann. Daher sind auch nicht alle E-Reader kompatibel. Auch gibt es Lizenzbestimmungen, aufgrund derer E-Books nur begrenzt verfügbar sind. Ist ein Titel verliehen, kann die Bibliothek diesen nicht an einen weiteren Kunden freigeben – aus digitaler Sicht natürlich völliger Quatsch, aber es muss laut Verlegerwunsch eben die Situation sein wie bei “echten” Büchern in der Bibliothek.

Trotz dieser Einschränkungen wollte ich nach dem kuriosen Amazon-Hype heute einmal dazu aufrufen, ruhig einmal bei der örtlichen Bibliothek nachzuforschen, welche Angebote es für digitale Medien denn bereits gibt – denn in dem Bereich tut sich auch in Deutschland bereits einiges.

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