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flattr.com: Interview mit den Mikrospenden-Revolutionären

Frank Ritter
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flattr Logo
flattr ist ein neuer Dienst im Netz, der sich anschickt, die Welt der kostenlosen Inhalte im Netz zu revolutionieren. flattr, dessen Name aus den Worten “Flatrate” und “to flatter” (schmeicheln) zusammengesetzt ist, basiert auf der Idee, dass man seine Anerkennung für kostenlosen Inhalt im Netz wie Musik, Blogeinträge, Fotos und so weiter, auch in Form von Mikrozahlungen zeigen kann. Note: We published this interview in english, too.

flattr wurde von Peter Sunde mitbegründet, einem der Masterminds hinter der Torrentseite “The Pirate Bay”. Die Idee in Kurzform: Wer bei flattr angemeldet ist, muss einen monatlichen Obulus von mindestens 2 € einzahlen. Dafür kann er bei Inhalten, die ihm gefallen (auf Seiten, die den flattr-Button integriert haben), auf den “flattr”-Button klicken. Am Ende eines Monats wird der eingezahlte Betrag auf alle “Inhaber” der angeklickten flattr-Buttons zu gleichen Teilen ausgeschüttet. Auf diese Weise kann man seine Wertschätzung ausdrücken und Ersteller von kostenlosen Inhalten erhalten die Chance, mit ihren Werken tatsächlich Geld zu verdienen. Dieses Video präsentiert die Idee von flattr kurz und knackig. Derzeit befindet sich flattr im Betatest, für den man sich auf der Startseite bewerben kann.

Wir sprachen mit Linus Olsson, Mitbegründer von flattr über die zugrunde liegenden Ideale, das Geschäftsmodell des Webdienstes, mögliche Kooperationen und Integrationen.

flattr-team

Das flattr-Team: Gechillt die Welt verändern

Linus Olsson im Interview: „Wir denken, dass flattr der größte Umbruch der letzten Jahre für das Internet ist“

LoadBlog: Welches Menschenbild oder welche Philosophie liegt flattr zugrunde?

Olsson: Um ehrlich zu sein: Wir hoffen, flattr wird die Welt verändern. Wir hoffen, flattr wird fundamental Einfluss auf die Art und Weise haben, wie Menschen über das Spenden von Geld über das Netz denken. Wir sind der Hoffnung, dass die Menschen anfangen, Geld auf die gleiche Weise zu geben wie Wissen. Wir hoffen, dass flattr der letzte und fehlende Baustein zu einer abgerundeten Internet-Ökonomie wird und Nutzer anfangen, andere Nutzer dafür zu “bezahlen”, was sie tun. Unserer Meinung nach sind Internet-User nicht unwillig, für Inhalte im Netz zu bezahlen, solange dies nach ihren eigenen Vorstellungen geschieht und nicht den Vorgaben großer Konzerne. Wir hoffen (und denken), dass flattr der größte Umbruch der letzten Jahre für das Internet ist. Wir machen flattr aus dem Glauben heraus, dass die Menschen diesen Dienst brauchen und er die Zustände zum Besseren ändern kann. Wissen sollte frei/kostenlos sein aber jedermann sollte auch, wenn er es möchte, über eine einfache Möglichkeit verfügen, etwas dafür zu geben.

LoadBlog: Wie denkt Ihr über Mitbewerber mit ähnlichen Konzepten wie Kachingle oder PayMeCredit? In welcher Hinsicht ist euer Konzept anders oder gar besser?

Olsson: flattr wurde ohne das Wissen um einen dieser Dienste entwickelt, also ist unser Ansatz vermutlich anders. flattr basiert auf demselben Kernkonzept wie die verschiedenen kursierenden “Like”-Buttons, etwa von Digg, Tweetmeme, Facebook oder Reddit. Die Menschern wissen, wie diese funktionieren und mögen sie. Außerdem behandeln wir alle User gleich. Es gibt keine unterschiedlichen Konten für Publisher und Konsumenten. Jeder ist beides – wenn er es möchte.

LoadBlog: Was passiert mit den Gebühren, die ein Nutzer einzahlt, wenn er einen ganzen Monat nicht “flattrt”?

Olsson: Die Gebühren kommen wohltätigen Zwecken zugute.

LoadBLog: Mal eine hypothetische Frage: Angenommen, Twitter würde mit euch kooperieren und die Möglichkeit zum flattrn einzelner Tweets integrieren – wie geht ihr mit dem Dilemma um, dass ein Tweet, möglicherweise erdacht in fünf Sekunden, in Bezug auf flattrs denselben “Wert” wie ein Musikstück oder Video hat, dass Tage oder Wochen zur Fertigstellung verschlungen hatte?

Olsson: Es bleibt ganz dem Nutzer überlassen, ob ihm der Tweet das wert ist. Wir haben ein System erschaffen, dass den geringstmöglichen Aufwand erfordert. Ein Klick und fertig. Klicks unterschiedlich zu gewichten, hätte das System zu komplex gemacht. Falls die Nutzer aber andere Funktionen erfordern, werden wir diese zukünftig einbauen.

LoadBlog: Steht eigentlich schon eine Finanzierung für flattr? Denkt ihr darüber nach, Werbung einzubauen oder wie soll sich flattr mittelfristig finanzieren?

Olsson: Wir haben Startkapital von einigen Investoren erhalten, die wir in Kürze vorstellen. Wir werden keine Anzeigen schalten, das flattr-System soll sich aber bereits in kürzester Zeit selbst finanzieren.

LoadBlog: Wie geht ihr eigentlich mit Peters Prominenz um? Verwendet Ihr seine Bekanntheit aktiv, um die Idee von flattr zu verbreiten oder vermeidet ihr das Thema zugunsten der Idee, die im Vordergrund stehen soll?

Olsson: Wir machen Gebrauch von ihr, denn Peters Ideale und die Ideale von flattr gehen Hand in Hand.

LoadBlog: Facebook hat jüngst ordentlich Staub aufgewirbelt mit der Einführung des globalen “Gefällt mir”-Buttons. Hat dessen Idee etwas gemein mit flattr? Wo liegt der Unterschied. Würdet ihr auch eine Facebook-Anwendung zum flattrn basteln, die in der Lage ist, Facebook-Likes in flattrs zu konvertieren?

Olsson: Wie so oft haben verschiedene Internetdienste Gemeinsamkeiten. Es gibt bereits Systeme, die gerade entwickelt werden (nicht von uns), um eine Integration dieser Art möglich zu machen. Unser Plan ist, alles zu verwenden und zu implementieren, was die Leute animiert, flattr öfter zu benutzen. Keiner weiß, was die Zukunft bringt, aber wir schließen nichts aus, wie schließen ein.

LoadBlog: Kannst Du unseren Lesern einen kurzen Einblick in eure Roadmap geben? Wann plant ihr, flattr der kompletten Öffentlichkeit freizugeben? Wird es andere Sprachversionen als die Englische geben? Existieren konkrete Pläne für Kooperationen, etwa mit Jamendo oder Mininova?

Olsson: Der Hauptplan ist derzeit, alles für den öffentlichen Release fertig zu stellen. Danach werden wir uns mit zusätzlichen Features, Bezahloptionen, Programmschnittstellen (APIs) und Partnern beschäftigen. Was wir genau planen und in welcher Reihenfolge bleibt geheim. Du weißt ja, wie das läuft.

LoadBlog: Linus, wir danken für das Gespräch!

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