Flattr: Nutzer müssen nicht mehr einzahlen, um mitzumachen

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Der Micropayment-Dienst Flattr ändert eine seiner wesentlichsten Geschäftspraktiken: Nutzer müssen künftig kein Geld mehr einzahlen, um auch Auszahlungen zu erhalten. Davon erhofft man sich eine weitere Verbreitung des Dienstes.

Wirklich erklären muss man das Prinzip von Flattr nicht mehr, oder? Wer tatsächlich noch nicht weiss, was es mit Flattr auf sich hat und wie der Dienst bislang funktionierte, dem sei an dieser Stelle unser Interview mit den Micropayment-Revolutionären oder auch unser Erklär-Artikel zur Einführung unseres eigenen Flattr-Buttons ans Herz gelegt. Zwar hat sich seit dem einiges getan. So kann man mittlerweile auch größere Summen spenden oder gar offline flattrn. Doch die einschneidenste Änderung im System Flattr seit Bestehen wurde erst heute verkündet.

In einem Eintrag auf dem Flattr-Blog kündigt Mitbegründer Linus Olsson an, dass es ab Sonntag, dem 1. Mai, nicht mehr nötig sein wird, selbst Geld einzuzahlen, um Mitglied bei Flattr zu sein. Bislang musste man monatlich mindestens 2 Euro abdrücken, mit denen andere Artikel entlohnt werden, um selbst Zahlungen erhalten zu können. Blieben die Gebühren aus, so wurden die eigenen Buttons deaktiviert. Dadurch musste sich das schwedische Unternehmen den Vorwurf gefallen lassen, ein geschlossenes System zu kreieren, bei dem das Geld im besten Fall im Kreis fließt – im schlimmsten Fall von unten nach oben in Richtung einer kleinen Flattr-Elite.

Darüber hinaus hat dieser Zahlzwang wohl auch viele potentielle Flattr’er abgeschreckt, die vielleicht zahlen würden, aber einem noch jungen Start-up den Vertrauensvorschuss in Form von Geld nicht geben wollen. So blieb die ganz große Verbreitung des Dienstes trotz einiger prominenter Nutzer wie der taz (die mittlerweile jedoch ein eigenes System anbietet) aus.

Von der Lossagung des “Erst-geben-dann-nehmen”-Prinzips erhoffen sich die Schweden also, dass möglichst viele Seitenbetreiber nun einen Flattr-Button in ihren Auftritt einbinden, da er nun völlig kostenlos ist. Die wachsene Verbreitung könnte so zu einer steigenden Akzeptanz und damit zu mehr zahlenden Kunden verhelfen.

Der Schritt ist sicherlich gewagt, wird von der Netzgemeinde aber derzeit wohlwollend und als längst überfällig aufgenommen.

Bild: Flattr this artist von inuse pictures (cc)

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