Google+: Blogger rebellieren gegen Klarnamenzwang

Philipp Süßmann
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Lang konnte es ja nicht dauern, jetzt hat das noch junge Google+ seinen ersten Streit mit den Usern. Grund: Google möchte in seinem Netzwerk keine Pseudonyme haben, lediglich “richtige” Namen sollen zugelassen sein. Wer ein Pseudonym benutzt, riskiert die Gefahr, dass sein Profil gelöscht wird. Was treibt die Diskussion um den Klarnamenzwang?

Richtiger Name oder Pseudonym?

Erst blieb es beinahe unbemerkt, jetzt wird es zum Zankapfel: Google möchte in Google+ keine erfundenen oder geliehenen Namen oder Pseudonyme. Jeder soll sich mit seinem richtigen Vor- und Nachnamen anmelden. Konnte das gutgehen? Natürlich nicht.

Alles nahm seinen Anfang, als am vergangenen Wochenende ein deutscher Blogger mit den schönen Pseudonym plomplomplom, seinen (richtigen) Namen auf Google+ in eben dieses Pseudonym änderte und andere Pluser dazu aufrief, das Gleiche zu tun. In seinem Posting vermeldete er: “Ich habe die Schnauze voll von der Gutsherrenart, mit der Google bestimmt, wie wir uns hier nennen dürfen oder nicht.” Das Statement des Bloggers löste eine Diskussion aus, in die sich etliche andere prominente Netz-Stimmen bald einschalteten. So sprang Sascha Lobo Plomplomplom mit einem eigenen Beitrag zur Seite, in dem auch er die Meinung vertrat: “Das Pseudonym ist ein digitales Grundrecht und mehr Wert als Googles Profiling-Wünsche.”

Lobos Post hat mittlerweile mehrere hundert Kommentare, in denen die Einstellung zu Googles Maßnahmen von vielen Seiten aus diskutiert wurde. Geändert hat sich aber eigentlich nichts, jedenfalls bisher. Plomplomploms Profil existiert noch, wurde also von Google nicht gesperrt, was die Vorgehensweise der Googlianer nicht gerade konsequent macht. Manche Pseudonym-Profile wurden gelöscht oder gesperrt, andere nicht. Auch unser Test-Pseudonym-Profil blieb bisher unangetastet, der Blogger Ennomane hatte nicht so viel Glück.

Google, vergraule nicht die Online-Elite!

Was gibt es also zu sagen zum Klarnamenzwang (für mich übrigens schon jetzt ein heißer Kandidat für das Unwort 2011)? Lobos Position zum digitalen Grundrecht des Pseudonyms ist zwar wünschenswert, letztlich aber fiktiv. Es gibt kein digitales Grundrecht, genauso wenig, wie es anderswo eine Pseudonym-Freiheit gibt. Google ist ein privates Unternehmen, das auf seiner Plattform letztlich vorschreiben darf, was es will (im gesetzlichen Rahmen natürlich). Von rechtlicher Seite gibt es da also gar nichts zu rütteln.

Aber damit hat es sich natürlich nicht erledigt, denn wenn Google hier nach dem Motto “Wenn es euch nicht passt, meldet euch halt wieder ab!” verfahren sollte, könnte es den momentan beachtlichen Erfolg von Google+ leicht wieder zunichte machen. Mit der digitalen Elite, den Early Adopters, Heavy Users, den Sascha Lobos dieser Welt darf man es sich nicht versauen, zumindest nicht, wenn man noch am Anfang steht. Vor allem dann nicht, wenn sie Recht haben. Es gibt mittlerweile einige gute Beiträge im Netz, die treffend argumentieren, warum der Zwang zu Klarnamen für einige lästig, für andere sogar gefährlich sein kann. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Google mag vielleicht sogar tatsächlich um Probleme wie Identitätsdiebstahl besorgt sein und deswegen auf den Klarnamenzwang bestehen. Die Pro-Klarnamenargumente wiegen die Contra-Seite einfach nicht auf. Zumindest nicht aus der Perspektive der Nutzer und die sollte auch für Google letztendlich an erster Stelle stehen. Sich hier diktatorisch durchzusetzen, würde ein unschönes Signal setzen. Freu dich doch, Google! Momentan bist du das coolste Kind der Klasse und hast Facebook diesen Rang nach Jahren voller Niederlagen endlich streitig gemacht! Mach das nicht kaputt wegen der Klarnamen, lass den Leuten ihre Pseudonyme!

Was ist eure Meinung? Benutzt ihr Pseudonyme auf sozialen Plattformen? Sollte Google seinen Klarnamenzwang durchsetzen? Oder wandert ihr direkt über in das neue Netzwerk von Anoymous?

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