Google digitalisiert Foto-Archiv von Yad Vashem: fast 140.000 Bilder online

Heute ist der internationale Holocaust-Gedenktag. Aus diesem Anlass hat die israelische Gedenkstätte Yad Vashem in Zusammenarbeit mit der Suchmaschine Google fast 140.000 digitalisierte Fotos online zugänglich gemacht. Die Bilder sind in verschiedene Sammlungen zusammengefasst, sie lassen sich nach Schlagworten durchsuchen und in höherer Auflösung aufrufen.

Die Bilder sind größtenteils private Aufnahmen, die der Gedenkstätte Yad Vashem vermacht wurden. Sie zeigen jüdisches Leben: in Europa vor dem Krieg, den Alltag, auch Familienfeste und andere Veranstaltungen – manche sind auch von nach dem Krieg aus Europa und Israel. Es sind auch Fotos dabei, die von den deutschen Tätern aufgenommen wurden: KZ-Häftlinge, Szenen aus den Ghettos, SS-Männer und deutsche Soldaten.

Im Augenblick sind 138.327 Fotos online. Rund ein Drittel davon ist in 356 Kollektionen zusammengefasst, 90.410 Fotos sind einzeln aufgeführt – das ist natürlich eine zunächst erschlagende Menge, viel zu viel, um sich durchzuklicken. Die Erfassung der Bilder ähnelt dem Konzept, das Google auch bei seiner Suchmaschine verfolgt: Möglichst viel durchsuchbaren Content bereitstellen, eine systematische Erschließung ist deswegen nicht notwendig. Das bedeutet: Die Fotos sind bis auf die Einteilung in die 356 Kollektionen nicht weiter geordnet, weder chronologisch noch geographisch noch thematisch. Zwar werden auf jeder Seite drei weitere Fotos zum Weiterklicken angezeigt, diese sind jedoch offensichtlich zufällig ausgewählt. Diese fehlende inhaltliche Erschließung ist für zufällige Besucher ein Manko, wer aber genau weiß, was er sucht, wird sich über die schiere Masse an durchsuchbaren Fotos freuen.

Die Veröffentlichung der Bilder soll nur der Anfang einer weitergehenden Kooperation von Google und Yad Vashem sein. Für die Digitalisierung der Fotos hat Google eine optische Zeichenerkennungstechnologie (OCR) eingesetzt. “Wir sehen die Digitalisierung als eine große Chance, wichtige Materialien auszutauschen und zu verbreiten, die in Archiven aufbewahrt werden”, sagte Yossi Matias, Direktor von Googles Forschungs- und Entwicklungszentrum in Israel.

Die Sammlung ist durchgehend mit Kommentarfunktionen ausgestattet, auf der die User eigene Gedanken und Geschichten miteinander teilen sollen. “Es ist Teil unserer Vision, das Wissen und die Information von Yad Vashem mit moderner Technologie zu verbinden und so auch den jungen Menschen zugänglich zu machen”, sagte Avner Shalev, Vorsitzender von Yad Vashem. Dass die Kommentarfelder auch für antisemitische Parolen genutzt werden könnten, müsse man dabei in Kauf nehmen.

Vor zwei Jahren hat die 1953 gegründete Gedenkstätte Yad Vashem bereits einen eigenen Youtube-Kanal eingerichtet.

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