Google Labs eingestellt: Was bleibt, was verschwindet?

Holger Blessenohl

Google Calendar, Google StreetView, Google Books bis hin zum neuen Google+, die ehemalige Suchmaschine haut einen Knüller nach dem anderen raus. Wer sich für neue Google-Produkte interessiert, kann sich in den Google Labs austoben, dort werden künftige Entwicklungen mitunter schon Jahre im Voraus einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Beziehungsweise wurden, wie man seit heute sagen muss, denn Google wird sein Testlabor Labs schließen.

Der Schritt kommt nicht völlig überraschend, hatte Larry Page doch bereits letzte Woche in einem Blogeintrag mit „more wood behind fewer arrows“ eine stärkere Priorisierung der Google-Projekte versprochen. Erste Opfer sind Google Health, eine Plattform für Patientendaten, und Google Powermeter, eine Webapp, mit der der private Stromverbrauch kontrolliert werden konnte. Beide Projekte wird Google ebenso einstellen wie Google Wave, das es allerdings Jahre nach der Ankündigung der Einstellung immer noch gibt.

Dass Google die Labs-Plattform nicht mehr als vorrangig betrachtet kann man auch daran erkennen, wie das neue Google+-Network eingeführt wurde, nämlich unter Umgehung des Betastadiums in Google Labs gleich als fertige Website. More wood behind fewer arrows. Während die Bedeutung von Google Labs in den letzten Jahren also etwas gelitten hat, wurden in den Labs früher zahlreiche Google-Projekte groß gezogen. Google Maps, Google Desktop, Google Scholar oder das hier vor einigen Monaten vorgestellte Google Art Project haben hier die ersten Laufversuche gemacht und sind bis heute mit Betafunktionen bei Google Labs präsent.

Zumindest die Beta-Features für wichtige Anwendungen wie Google Mail und Google Calendar werden nun wohl den direkten Entwicklungsabteilungen übergeben. Die zahlreichen Android-Apps könnten im Market einen neuen Platz finden. Sicher muss man auch nicht jedem Projekt, das nun eingestellt wird, nachtrauern. Indic Music Search, eine spezielle Suchmaschine für indische Musik, Fusion Tables “zur Verwaltung großer Sammlungen von cloudbasierten Tabellendaten” oder Task Keel, “ein Tool zum Hinzufügen fehlender diakritischer Zeichen zu Texten in arabischer Sprache”, sind Services, auf die ich zumindest gut verzichten kann. Andere wie Google Mars oder das einstmals vieldiskutierte Google Grippe Trends sind nette Nerd-Spielereien, die jetzt vielleicht mit eingestampft werden.

Für zwei wirklich wichtige Projekte bitte ich Larry Page und das gesamte Google-Management hiermit aber um einen sofortigen Gnadenerlass: Bitte entwickelt Aardvark (“Stellen Sie eine beliebige Frage und Aardvark findet innerhalb weniger Minuten einen Experten für Ihr Anliegen”) und die Earth Engine (“Globale Analyse für globale Probleme”) noch zu Ende. Ich brauche das.

Via PCWorld

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