HP TouchPad: Erstes Tablet mit webOS - Frontalangriff aufs iPad

Holger Blessenohl

HP Touchpad Header
Darauf hatten Tablet-Fans seit der CES gewartet, als HP-CEO Todd Bradley in einem Interview schon mal ein paar vorsichtige Andeutungen machte, dass HP am 9. Februar eine Bombe platzen lassen wolle. Keine Frage, bislang ist der Markt für Tablet-Betriebssysteme recht überschaubar. Apples iOS und Googles Android teilen sich die Marktanteile. Da kann etwas mehr Konkurrenz bestimmt nicht schaden. Gestern hat HP das Bömbchen wie erwartet platzen lassen.

Vergleich HP Touchpad vs. iPad

HP Touchpad
Es ist ein TouchPad. Und eines kann man HP ganz sicher nicht vorwerfen: Mangelnden Mut. Während Samsung mit dem Galaxy Tab und Dell mit dem Streak durch andere Displaygrößen bislang eher versuchten, die von Apple noch nicht besetzten Nischen zu bedienen, ist HPs TouchPad nichts weniger als ein Frontalangriff auf den Platzhirschen Apple iPad. HPs Marschbefehl für das TouchPad lautete: Alles wie beim iPad, aber einen Hauch besser. So wird statt Apples 1 GHz Single-Core A4 SOC-Chip ein Qualcomm Snapdragon Dual-Core-Prozessor verbaut, der mit 1,2 GHz getaktet wurde. Statt 256 MB Ram werden dem TouchPad-User üppige 1024 MB zur Verfügung stehen. Statt des Mono-Lautsprechers im iPad wird das TouchPad interne Stereo-Speaker erhalten (wie sinnvoll dies bei einem nur 10 Zoll großen Gerät auch immer sein mag). Außerdem wird das TouchPad natürlich die beim iPad schmerzlich vermisste Frontkamera für Videotelefonie haben.

Die Größe ist bei beiden Geräten ungefähr gleich, allerdings ist das TouchPad mit 740 g minimal schwerer. Auch der Akku ist mit 6.300 mAh nicht ganz so leistungsfähig wie der iPad-Akku. Und GPS gibt es beim TouchPad nur in der 3G-Variante, während das iPad in allen Varianten einen GPS-Sensor mitbringt. Touch- und iPad verfügen über ein 9,7 Zoll großes kapazitives LCD-Touchscreen-Display mit einem Seitenverhältnis von eBook-freundlichen 4:3 und einer Auflösung von 1024 x 768 Pixeln sowie einer Punktdichte von 132 pixel per inch. Bei der Darstellung sollte es also keine Unterschiede geben.

HP Touchpad Side

HP TouchPad: Bedienung und Zubehör

Bei der Bedienung des Tablets gefällt die übersichtliche Anordnung von Anwendungen, die in Stapeln organisiert werden können. In der Bildschirmtastatur kann die Größe der Tasten in vier Stufen angepasst werden, sodass jeder für sich das ideale Verhältnis aus benötigter Tastengröße und verdecktem Bildschirm finden kann. Eine nette Idee hatte HP auch beim Zubehör. Für das Touchpad wird es einen Ständer namens TouchStone geben, der gleichzeitig als kabellose Ladestation dient. Weiter hat HP eine Schutzhülle und eine externe Tastatur als Zubehör angekündigt.

Kann das Touchpad das iPad schlagen?

HP Touchpad Front
Ein Problem für HP könnte noch die „frühe“ Ankündigung des webOS-Tablets werden. Apple dürfte noch in diesem Jahr den Nachfolger iPad 2 vorstellen. Dabei könnten die Jungs aus Cupertino mit verbesserter Hardware wieder an den Nachbarn von HP vorbeiziehen. So atemberaubend überlegen ist das Touchpad dem iPad den technischen Daten nach jedenfalls nicht. Zudem hat HP noch gar nichts zu den Preisen gesagt, möglicherweise ein Trumpf, den man nicht zu früh ausspielen möchte. Allerdings hat HP schon mal angedeutet, dass man wohl unterhalb der 800 US-Dollar bleiben wolle, die Motorola für das vielbeachtete Xoom haben möchte. Etwas Geduld müssen webOS-Fans auch noch aufbringen. Erst im Sommer will HP das TouchPad ausliefern, bis dahin dürfte es schon längst ein halbes bis ganzes Dutzend Android-Tablets im 10 Zoll-Segment und das iPad2 noch dazu geben.

Wie gut ist der webOS App Store?

HP Touchpad Back
Fraglich ist darüber hinaus, inwieweit HPs App Store für webOS wirklich konkurrenzfähig zu den großen Konkurrenten Apple und Android sein wird. Sicher, die bloße Zahl verfügbarer Apps täuscht etwas, da man zumindest für die gängigsten Anwendungen auch in kleineren App Stores meist mehr Apps findet als man installieren kann und möchte. Den webOS App Store gibt es bereits seit 2009, als das Palm Pre startete, bis jetzt ist das Angebot aber noch recht überschaubar, zudem sind die vorhandenen Apps noch nicht für das größere Display angepasst. Durchsetzen können wird sich HP mit webOS sicherlich nur, wenn es gelingt, die wichtigen App-Entwickler bis zum Sommer von der Plattform zu überzeugen, denn die Verfügbarkeit von Zusatzsoftware wird immer stärker auch zum (mit-)entscheidenden Kauf-Argument bestimmter Geräte. Zumindest Rovios Angry Birds gibt es aber schon für webOS.

Ausblick: webOS für den PC

Am mangelnden Selbstbewusstsein von HP wird webOS ganz sicher nicht scheitern. Ganz zum Schluss der Präsentation hat sich HP noch zur Zukunft des Betriebssystems für Mobilgeräte geäußert. Demnach soll es nicht nur eine Tablet-Version geben, sondern auch ein webOS für Notebooks und PCs. Da ist dann doch noch eine kleine Bombe geplatzt mit der vorher wirklich niemand gerechnet hatte.

Hier ein ausführliches Hands-On-Video zum HP TouchPad:

Und hier gibt es die komplette Präsentation vollständig zu sehen (Länge: 1:49:40):

Via Computerbase Via heise.de

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