iPad im Test: Die ersten Apps in Deutschland, Eindrücke, Lego-Raumschiffe

Peer Göbel
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ipad c64
Das neue Apple-Spielzeug. Der erste Computer, den man mit aufs Klo nehmen kann. Die Sofa-Revolution. Plötzlich hatten auch wir es in den Händen: das iPad in der WiFi-Version. In Deutschland erst Ende Mai über die Telekom zu bekommen, kann man zumindest die W-Lan-Version auch jetzt schon hierzulande nutzen. Und auch die ersten iPad-Apps sind im deutschen iTunes erhältlich. Wir haben einen Testlauf mit dem Multimedia-Tablett gemacht.

1. Der erste Eindruck: iPhone in groß

Das iPad ist tatsächlich kleiner als erwartet, kleiner als eine A4-Seite. Das Design sorgte für erste Begeisterungsstürme hier vor Ort und löste einen spontan-kindlichen “will-haben”-Effekt aus. Das Gerät lief bei uns in der Redaktion von Hand zu Hand, ein magisches Design, auf dem jede Webseite sehr edel aussieht. Bei der

ersten Nutzung wirkt es wirklich wie ein iPhone in groß: Dieselbe Oberfläche mit nur einem Knopf, die Touchscreensteuerung, keine Flash-Unterstützung, keine Anschlüsse bis auf Kopfhörer und das Apple-USB-Kabel. Wer sich mit dem iPhone auskennt, kommt auch intuitiv mit dem iPad zurecht. Allerdings ist das neue Sofa-Tablett im Vergleich rasend schnell – von Videos auf Surfen und zu Apps wechseln macht einen sehr sehr flüssigen Eindruck. Das spiegelnde Display zeigt dagegen alle Fingerabdrücke – und das Gerät hatte schnell den liebevollen Namen “FatPad” weg.

2. Die ersten iPad-Apps

Vom (amerikanischen) iPad aus kann man noch nicht auf den AppStore zugreifen (“…in Ihrem Land nicht unterstützt”), aber wer am Rechner bei iTunes Deutschland nach “iPad” sucht, bekommt schon rund 200 iPad-Apps angezeigt, kann sie runterladen und mit dem Tablet-Rechner synchronisieren. Wir haben mal das Klavier, den Marvel-Comic-Reader und das Chopper-Game ausprobiert.

ipad klavier
Das Klavier klingt nicht übel und wurde auch schon von Lang Lang bei einer Zugabe eingesetzt. Der Marvel-Reader liefert nach Anmeldung auf der Website eine gute Menge auch kostenloser Comics, die “intelligent” am Bildschirm gelesen werden können:
ipad marvel comic reader
Die Panels werden einzeln ausgeschnitten gezeigt, auf den Bildschirm hochgerechnet, bei Berührung erscheint das nächste Bild – ein schickes Format. Chopper ist das good old Leute-Retten-mit-Hubschrauber-Spiel, dabei navigiert man mit dem neigenden iPad wie mit einen Steuerknüppel – eine Steuerungsmöglichkeit mit viel Potential.

Beim Synchronisieren des Geräts mit dem Computer werden auch alle iPhone-Apps mit rübergezogen. Diese laufen prinzipiell auch auf dem größeren iPad, liefern dann aber dieselbe Auflösung wie auf dem iPhone, also entweder klein, oder vergrößert ordentlich pixelig. Bis zum iPad-Start in Deutschland, dessen genaues Datum am 10. Mai bekannt gegeben werden soll, sollen aber noch diverse weitere Apps folgen.

3. Tippen

ipad tastatur
Das iPad ist ein abgespeckter Computer, vor allem fürs Surfen und Ansehen von Medien-Inhalten gedacht, aber eben auch mit virtueller Tastatur für Adresseingabe, E-Mail, Textverarbeitung ausgestattet. Das Tippen geht aufgrund größerer Tastenfelder deutlich besser als auf dem iPhone, hakt aber immer noch an der beschränkten Tastatur: Für Zahlen und Sonderzeichen muss man auf die Zweittastatur wechseln, für Umlaute sowieso. Wer sowieso kein Zehnfingersystem benutzt, wird mit ein wenig Übung erstaunlich bequem über die virtuelle Tastatur fliegen.

4. Lesen, Hören und Filme sehen

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Zum Lesen im Bett ist das iPad zu schwer (700 Gramm) – ein Taschenbuch oder eine Zeitschrift ist deutlich gelenkschonender. Das Tablet hält sich eher wie ein Harry Potter als Hardcover. Natürlich ist der Vorteil, tausende Bücher und Zeitschriften in einem Gerät herumzuschleppen – ob das iPad zum Kindle-Killer wird, ist angesichts des Gewichts allerdings fraglich.

Die eingebauten unsichtbaren Lautsprecher sind okay, Hifi-Fans werden sowieso externe Boxen oder Anlagen verwenden. iTunes und Kopfhörer-Eingang entsprechen dem iPhone-Gefühl.

Der erste Eindruck bei Youtube-Videos in HD und bei Filmen ist mehr als gut: Verdammt scharfe Anzeige, und man ist sehr nah dran. Ob man stundenlang das Gerät in der Hand halten will, ist natürlich nochmal eine andere Frage.

5. Das iPad schließt eine Lücke, die es vorher nicht gab

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Das iPad ist ein Gerät, von dem man vorher nicht wusste, dass man es brauchen könnte. Es schließt eine Lücke, die man vorher nicht gesehen hat. Nun kann man auf dem Klo die Lieblingsserie sehen, in der Küche das Kochstudio nebenher laufen lassen, im Krankenhausbett bequem surfen, im Zelt Filme sehen, der Oma das Internet in die Hand drücken. Das iPad reduziert die Idee eines handlichen Internet/Abspiel-Geräts auf das Wesentliche und Style. Es eröffnet eine neue Geräteklasse zwischen Laptop, Smartphone, Fernseher, Spielkonsole, Buch und Stereo-Anlage. Und macht damit die Nutzung von Multimedia (was fast schon antiquiert klingt, hier aber unbedingt passt) so einfach wie noch nie.

Im Vergleich zu echten Rechnern und Laptops stechen natürlich die negativen Aspekte des geschlossenen Apple-Systems sowie das Fehlen von Standard-Anschlüssen und einer Webcam ins Auge. Aber ein kompletter Computer soll das iPad auch gar nicht sein, im Gegenteil sollen gerade Beschränkungen die Nutzung vereinfachen. Apple ruft mal wieder einen spontanen Reflex der Begeisterung hervor – wie für ein neues Spielzeug, das man nicht unbedingt braucht, aber unbedingt haben will. Ein neues Lego-Raumschiff. Aber eins, das unsere Wahrnehmung und Nutzung von Lego insgesamt ändern wird.

Wer noch mehr vom iPad sehen will, findet in unserer Zusammenstellung die essenziellen iPad-Videos bei Youtube.

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