Iron Sky – Der neue Trailer der finnischen Science-Fiction-Parodie schickt die Nazis zum Mond

Tobias Heidemann

Nazis in Space? Der Regisseur Timo Vuorensola bereitet eine unheimliche Begegnung der Dritten-Reichs-Art vor. Zusammen mit einer passionierten Online-Community will er das Genre klassischer Science-Fiction persiflieren. Beworben und finanziert wird das bemerkenswerte Projekt mit allerhand Mond-Nazi-Fanartikeln. Überflüssige Geschmacklosigkeit oder triumphale Trash-Hommage? Der neue Teaser verrät mehr.

Die Story: Herrlicher Humbug

Die Geschichte von Iron Sky ist schnell erzählt: Am Ende des zweiten Weltkrieges gelingt Nazi-Wissenschaftlern ein Durchbruch in der Anti-Schwerkraft-Forschung.  Angesicht der bevorstehenden Niederlage gründen sie eine geheime Basis in der antarktischen Küstenregion Neuschwabenland und schicken von dort ihre neuen „Reichs-Flug-Scheiben“ zur „dunklen Seite des Mondes“ um die Militärbasis „Schwarze Sonne“ zu gründen. Ziel der Weltraum-Nazis ist der Bau einer mächtigen Invasionsflotte. Mit ihrer Hilfe soll die gesamte Erde unterworfen werden. Im Jahre 2018 ist es dann soweit.

So mancher Vertreter der Hochkultur wird sich nun angesichts derartiger Abstrusitäten denken: Wer hat sich diesen Quatsch bloß ausgedacht? Das Drehbuch zum Film stammt von der finnischen Science-Fiction- und Fantasy-Autorin Johanna Sinisalo. Die bekam für ihren Roman „Troll: Eine Liebesgeschichte“ im Jahre 2000 den renommiertesten Literaturpreis Finnlands und hat auch sonst keinen Schundfleck auf ihrer Publikationsliste. Und die Schauspieler? Auf der lunaren Astro-Nazi-Basis treiben sich unter anderem Udo Kier, Julia Dietze und Götz Otto herum. Keine allzu schlechte Cast für die vermeintliche Billig-Produktion.

Von den Fans – Für die Fans:

Ist Iron Sky also am Ende doch als ernst zu nehmender Film gemeint? Ganz sicher nicht! Das Werk erklärt sich im Blick auf das Produktionsumfeld. Regisseur Timo Vuorensola und Produzent Samuli Torssonen sind Hauptverantwortliche der „Star Wreck“ Science-Fiction-Parodien. Liebevoll gemachtes Kellerkino, das sich in erster Linie durch einen recht derben Humor, eine hohe Zitatdichte und eine Creative Commons Lizenzierung auszeichnet. Mit „Star Wreck: In the Pirkinning“ gelang der kleinen Studententruppe 2005 jedoch etwas wirklich bemerkenswertes. Der kostenlose Fanfilm – dessen visuelle Effekte beinahe an die Qualität von Hollywood-Produktionen heranreichen – wurde millionenfach heruntergeladen und gilt seither als der populärste finnische Film aller Zeiten. Ermöglicht wurde dies durch die Unterstützung einer sehr engagierten Fanbasis, die über Kommentare, Feedbacks und eigene Ideen unmittelbar am Produktionsprozess teilnahm.

Auch Iron Sky lebt von seinen Fans und setzt das Prinzip des partizipatorischen Filmemachens konsequent fort. Auf der Seite wreckamovie gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die eigenen Ideen in den kreativen Prozess einfließen zu lassen. Auch die Iron Sky Homepage lädt zum Mitmachen ein und bietet zudem zahlreiche Fanartikeln zur finanziellen Unterstützung an. Die Film-Crew gewährt im Gegenzug über Videotagebücher eine kontinuierliche Teilhabe.

Iron Sky mag keine hohe Filmkunst werden – als lebhafter Vertreter einer neuen Generation des Filmemachens verdient er jedoch Aufmerksamkeit. Es wäre dem wilden Machwerk deshalb nur zu wünschen, dass sein eigenartiges Unwesen aus dem toten Winkel des Feuilletons heraustritt. Hier nun der aktuelle Teaser:

Mehr zum Projekt (u.a. auch den ersten Trailer) gibt es auf der Iron Sky-Homepage.

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