iShareGossip.com offline: Hacker fordern Selbstanzeige

Der Internetuntergrund muss den nächsten Schlag verkraften. Nach dem Aus für kino.to hat es nun die Lästerplattform iShareGossip.com erwischt. Diesmal ging die Übernahme der Seite jedoch nicht von der Justiz aus, sondern von einer Gruppe Hacker, die zumindest vordergründig ein hehres Ziel verfolgt.

Wer versucht, die Seite iShareGossip.com zu öffnen, kriegt derzeit unter der Überschrift Hacks And Kisses folgendes zu lesen:

Vernimm derweil, Geschöpf der Nacht,
die Mär von Zeiten unter Lichte.
Denn wer allein im Dunklen wacht,
dem scheint wohl fremd, was ich berichte.

Mails, Zugangsdaten, Namen. Kennen wir.

Admins, Organisatoren, Moderatoren, meldet euch innerhalb einer Woche bei der Polizei oder wir
machen alle Daten öffentlich. Dann können sich die Opfer gleich persönlich bedanken kommen.

Sonst noch was? Mail an: 23@hush.com
Over and out. – 23timesPi

Während das Gedicht noch Raum für Interpretationen lässt (immerhin richtet sich die Seite an Schüler), ist der Rest der Forderung klar: Die sich stets im Hintergrund haltenden Betreiber der Plattform sollen sich selbst der Polizei stellen, ansonsten würde die Gruppe 23timesPI (heute mal nicht Lulsac) durchaus Selbstjustiz begrüßen und dies mit der Veröffentlichung privater Daten befördern. Neben der Übernahme der Domain liegen allerdings keine Beweise vor, diese wirklich zu besitzen.

Inzwischen haben sich auch die Betreiber der Seite gemeldet und schreiben:

Leider wurde unsere Domain iShareGossip.com gestohlen, der Server und iShareGossip.net ist davon allerdings nicht betroffen. Bis wir näheres in Erfahrung bringen können, bleibt iShareGossip offline. User haben definitv nichts zu befürchten, da wir keine IP Adressen speichern. Weitere Informationen in Kürze.

Die Nutzer werden in Sicherheit gewogen, über die Angabe von 23timesPi, über die Daten der Betreiber zu verfügen, wird sich jedoch ausgeschwiegen. Nach wie vor unklar ist, ob die Seite tatsächlich gehackt wurde, oder lediglich die Domain übernommen wurde, da sich hier beide Parteien widersprechen.

Bei iShareGossip handelt es sich um eine Plattform, auf der jeder, zumindest laut Betreiber, anonym “lästern” kann. Das moralisch fragwürdige Angebot erfreute sich bei einer bestimmten Klientel von Jugendlichen durchaus einiger Beliebtheit, da für jede Schule und gar jede Klasse eigene Untergruppen errichtet werden konnten. Nach einigen Zwischenfällen wurde die Seite im März auf den Index gesetzt, was lediglich heisst, dass sie von Suchmaschinen nicht mehr ausgegeben wird.

Zuletzt geriet iShareGossip Ende Mai in die Schlagzeilen, als das Team der Sat.1-Sendung Akte 2011 einen vermeintlichen Betreiber der Seite ausfindig machte. Dieser entpuppte sich schon kurz darauf als Trittbrettfahrer, woraufhin die Redaktion schnell zurückruderte. Ob die jüngste Aktion dazu beiträgt, die Betreiber der Seite zu demaskieren, wird sich zeigen. Und auch wenn sich die Polizei tatsächlich seit längerem bemüht, die Betreiber ausfindig zu machen, ist nach wie vor unklar, ob jurisitsch überhaupt etwas gegen sie vorliegt.

Bild: two young girls laughing behind another girls back von studiostoer (cc)

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