Kino.to: Chefprogrammierer kaufte lieber Original-DVDs

Philipp Süßmann

Das Leben kann manchmal genüsslich ironisch sein: Der Programmierer der berüchtigten Kino.to-Website hat einem Magazin etwas über sein eigenes Konsumverhalten verraten, wenn es um Filme und Raubkopien geht. Das passt angeblich absolut nicht zum Angebot seiner ehemaligen Seite.

Stirb Langsam – Lieber auf DVD

Beim Lesen mancher Neuigkeiten kann man sich ein Schmunzeln nicht vergreifen: Bastian P., der Chefprogrammierer von Kino.to, hatte für den von ihm erbauten Service privat nicht viel übrig: Während hunderttausende Menschen das Online-Angebot nutzten, um kostenlos und illegal Filme und TV-Serien zu streamen, nutzte Bastian P. für seinen eigenen Filmkonsum lieber die gute alte DVD-Sammlung, wie er jetzt dem “Focus” verriet. Seinem eigenen Qualitätsanspruch wurden die Streams auf Kino.to wohl nicht gerecht, wegen der besseren Qualität greife er lieber auf DVDs zurück. Er liebe Filme wie „Phenomenon“ und „Stirb langsam“, teilte der 29-jährige Hamburger dem Nachrichtenmagazin mit, glücklicherweise habe die Staatsanwaltschaft ihm seine Filmsammlung gelassen. Auch ins Kino sei Bastian P. gerne gegangen, wie er bereits während seiner Verhandlung verraten hatte, aber dafür hätte er, auch hier leichter Ironiealarm, wegen der aufwendigen Arbeit an Kino.to keine Zeit mehr gehabt.
Momentan wartet der Programmierer auf den Antritt der Strafe, zu der ihn das Landgericht Leipzig im April verurteilte. Dieser zufolge muss der 29-jährige wegen massenhafter Verletzung des Urheberrechts für knapp vier Jahre in Haft. Für seine illegalen Dienste rund um Kino.to hatte Bastian P. bis zu 50.000 Euro Lohn im Monat erhalten.

Kameradschaft zu seinen ehemaligen Kollegen scheint Bastian P. auch nicht wirklich zu empfinden: Auf die Nachfolgerseite kinox.to angesprochen, meinte der Programmierer, dass er eine Schließung der Seite begrüßen würde: “Die verdienen Geld, und ich gehe ins Gefängnis.”, so der verbitterte Verurteilte. So kann es gehen als Streaming-Pirat.

Urteil gegen Hauptangeklagten fällt vermutlich diese Woche

Der Prozess um das illegale Streaming-Portal geht derweil in die finale Runde: Der Gründer und Chef der Internetseite, Dirk. B, hatte vergangene Woche vor dem Landgericht Leipzig ein umfassendes Geständnis abgelegt.  Er bedauere die von ihm begangenen Urheberrechtsverletzungen außerordentlich, ließ der 39-Jährige Hauptangeklagte über seinen Anwalt mitteilen.
Kino.to verzeichnete zeitweise bis zu vier Millionen Nutzer am Tag, Dirk B. soll schätzungsweise 6,6 Millionen Euro mit der Seite verdient haben. Geld, das er jetzt natürlich abgeben muss, verbunden mit einer mehrjährigen Haftstrafe.
Das Urteil im Prozess wird für den 14. Juni erwartet.

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