Kino.to: Programmierer Bastian P. plädiert auf fast unschuldig

Holger Blessenohl

Seit kino.to vor einigen Monaten den Streamingdienst – nicht ganz freiwillig – eingestellt hat, müssen Filmfans in Deutschland wieder etwas mehr Geld für ihr Hobby ausgeben. Als Entschädigung bietet das Landgericht Leipzig dafür eine filmreife Verurteilung der Hauptakteure der illegalen Download-Plattform. Und das zumindest für die Zuschauer kostenlos.

Was bisher geschah: 2,5 Jahre Haft für einen Webdesigner, der sich um das legendäre kino.to-Feeling gekümmert hat, drei Jahre Haft für einen Administrator, dem zur Last gelegt wurde 23000 „Raubkopien“ auf verschiedene Server gelegt zu haben, ein Jahr und neun Monate zur Bewährung ausgesetzt für einen fleißigen Uploader, der sich für Uploads aktueller Filmtitel bezahlen ließ sowie drei Jahre und fünf Monate Haft für einen File-Hoster, der Server in Russland angemietet hatte.

Seit zwei Tagen geht es nun gegen den ehemaligen Programmierer von kino.to, der zeitweise sogar als Chef der Seite fungierte. Bild hat den studierten Philosophen ohne Abschluss bereits zum Superhirn erklärt, was, wie wir von wissen, meistens Menschen sind, die die ganze Welt vernichten wollen.

“Superhirn” Bastian P. hat bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt. Demnach hat er die oben als Screenshot zu sehende kino.to-Seite von Beginn an als Auftragsarbeit programmiert. Dabei sei er sich aber trotz eines Monatseinkommens von 30000 bis 50000 Euro nie so richtig bewusst gewesen, damit etwas wirklich Verbotenes zu tun, sondern habe sich nur in einer Grauzone geltenden Rechts gewähnt. Sollte dies zutreffen, müsste Bild seine Superhirn-These noch einmal überdenken.

Leider ist nicht überliefert, ob während seiner Aussage die Nase länger wurde. Immerhin hat sein Einkommen während der Tätigkeit einen ähnlich rasanten Anstieg erlebt wie die Zugriffszahlen von zuletzt vier Millionen Nutzern: Den ersten Entwurf hat er angeblich noch für 500 Euro, Cola und Zigaretten entwickelt.

Wir wissen nicht, worauf der Generalstaatsanwalt und Bastian P.s Verteidiger plädieren werden, wir plädieren jedenfalls dafür, dass die Gesellschaft sich zukünftig besser um Akademiker mit nicht linearem Lebenslauf kümmern muss. Wer weiß schon, wie viele abgebrochene Philosophie-Studenten mit Superhirn jetzt noch da draußen hocken, illegale Webseiten programmieren und nicht einmal wissen, was sie da machen.

Via Spiegel Via FTD Via Welt Online und Via Rest deutsche Presselandschaft

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