Kopf in den Wolken - Daten in der Cloud

Marco Kratzenberg

Ich bin normalerweise ein Mensch, der einen Fehler nur einmal macht. OK, von Frauen mal abgesehen... Und dann mache ich manche Fehler doch nochmal, wenn sich die Bequemlichkeit einschleicht. Also um ehrlich zu sein, mache ich Fehler so lange, bis sich eine praktikable Möglichkeit findet, sie zu vermeiden.

Ein gutes Beispiel dafür sind Backups. Früher habe ich meine Daten auf Disketten gesichert. Als es immer mehr wurde und die Daten immer wichtiger, habe ich mir einen “DAT-Streamer” gekauft. Die waren damals teurer als ein Gebrauchtwagen. Und man musste immer dran denken, genügend dieser Sicherungsbänder vorrätig zu haben, die Sicherungen wirklich zu machen und die Bänder ordentlich zu sortieren. Ist ja genau mein Ding!

Es kam, wie es kommen musste. Beim nächsten Festplattenschaden fand ich die wichtigsten Daten nicht und musste die letzten Kapitel eines Buches nochmal neu schreiben. Mist!

Das kann mir jetzt definitiv nicht mehr passieren. Ich bin in der Cloud! Mit meinem Herzen und mit meinen Daten.

Bei jedem Backup lautet ja die erste Frage “Wohin soll ich das ganze Zeug sichern?” Auf derselben Festplatte ist Quatsch, weil es deren eventuellen Schaden ja vorzusorgen gilt. Externe Festplatten will kaum jemand dafür kaufen. DVDs wären eine gute Idee, doch was vor allem fehlt, ist Disziplin.

Dropbox, SugarSync, Box, Google Drive und Co – Kostenlose Clouddienste für jeden

Meine Lösung für das Backup-Dilemma sind Clouddienste. Anbieter wie Dropbox oder Google bieten jedem kostenlosen Speicherplatz auf ihren Rechnern. Mal nur 2 Gigabyte, mal sogar 15 Gigabyte. Doch all das würde mir ja auch nicht helfen, gäbe es nicht diese wundervollen, kleinen Cloud-Synchronisations-Programme.

Für so ziemlich jeden Cloud-Dienst gibt es mittlerweile eigene Programme, welche ausgewählte Verzeichnisse rund um die Uhr überwachen. Sobald es dort etwas Neues gibt, wird es umgehend auf die Server des Anbieters geschoben. Auf diese Weise geht keine Rechnung, keine Diplomarbeit, kein Bild mehr verloren. Außerdem vergesse ich nie wieder ein Backup. Meine Festplatte kann ruhig kaputtgehen. Auf dem Cloudserver werden meine Daten gleich mehrfach gesichert. Ich komme auch jederzeit und von überall her an meine Sachen – schließlich liegen sie im Internet.

Zugegeben, wenn ich diese Dienste mit richtig großen Datenmengen nutzen würde, dann würde mich das auch einiges an Geld kosten. Aber die Basisdienste der Anbieter sind kostenlos und dafür bekommt man schon einiges an Speicherplatz.

Dropbox: kostenlos 2 GB zum Start – mit Ausbaumöglichkeit

Marktführer Dropbox schenkt mir bei der Anmeldung einen lebenslang kostenlosen Cloudspeicher mit 2 Gigabyte Platz. Durch verschiedene Aktionen, wie das Weiterempfehlen an Freunde, habe ich den mittlerweile auf 3,4 Gigabyte aufgeblasen. All meine Urlaubsfotos kann ich da nicht hochladen, aber mit all meinen beruflichen Dokumenten, meinen Tools, wichtigen Zugangsdaten etc. sind gerade mal 19,7 % des Platzes belegt. Da habe ich noch viel Zeit. Bräuchte ich mehr Platz, dann würden die Pakete bei 9,99 Dollar / Monat anfangen. Aber ich komme mit dem Angebot erst mal aus.

Cloud Dropbox Software | winload.de

Für mich besser als jede herkömmliche Backup-Software: Dropbox passt auf, dass mir nie wieder Daten verlorengehen

Eines der schönsten Features bei Dropbox ist zweifelsohne die Versionsverwaltung. Alle Versionen von Dateien werden bis zu 30 Tage lang aufbewahrt und können im Internet abgerufen werden. Das rettet mich also sogar dann, wenn ein Virus meine Arbeit zerstörte und das Backupprogramm die zerstörte Datei zu Dropbox geschoben hat! Das Synchronisationsprogramm Dropbox ist auch sehr anständig. Einmal installiert, kann man es getrost vergessen. Es erledigt seine Arbeit im Hintergrund zuverlässig und hat mich noch nie enttäuscht.

Doppelt hält besser – SugarSync bietet beim Einstieg 5 GB

Nennt mich misstrauisch, aber wenn ich den Platz ohnehin kostenlos bekomme und die Programme so nett klein sind, warum soll ich dann nicht doppelt sichern? Bei mir läuft als zusätzlich noch SugarSync. Das Programm funktioniert ähnlich wie Dropbox. Die Webseite ebenfalls. Beide bieten mir auch eine Smartphone-App. Nur schenkt mir SugarSync gleich 5 Gigabyte Speicherplatz. Auch hier gibt es eine Versionsverwaltung. Die erstreckt sich allerdings nicht über 30 Tage, sondern über die letzten 5 Versionen. Besonders gut gefällt mir hier, dass ich beliebige Ordner in die Überwachung aufnehmen kann.

Cloud SugarSync Dateimanager | winload.de

Der SugarSync-Dateimanager läuft im Hintergrund und erlaubt mir die Sicherung der Daten und den schnellen Zugriff darauf

Musik in der Cloud – Google Play

Ich könnte ja hier jetzt noch erzählen, dass Google, Microsoft und einige andere dasselbe bieten. Und ich könnte ausführen, dass es letztendlich vom Platzbedarf und den persönlichen Vorlieben abhängt, für welchen Anbieter man sich entscheidet. Aber ich nutze den Platz auf dieser Seite lieber, um meine neue, große Liebe vorzustellen – Google Play.

Gloud Google Play Music | winload.de

Die Musik-Cloud Google Play ist für mich die größte Innovation seit der Erfindung von Brot in Scheiben

Das ist kostenloser Onlineplatz für Musikstücke, der sich nicht nach Megabyte berechnet, sondern nach Anzahl der Stücke. Bis zu 20.000 Musikstücke darf ich in mein Konto hochladen und über die Webseite kann ich die Musik dann jederzeit abrufen. Abrufen bedeutet in diesem Fall aber nicht, dass ich sie nur einfach wieder downloaden kann. Klar, das auch... Abrufen bedeutet, dass die Webseite mir meine Musik ähnlich wie iTunes anzeigt und ich sie direkt abspielen kann. Ich kann Playlisten erstellen und mich stunden- und tagelang mit Musik bedudeln lassen.

Das alles ist kostenlos und die Webseite erreiche ich mit jedem Rechner, Tablet oder Smartphone mit Internetverbindung. Ich öffne den Browser, wähle meine Playlist und schon startet das Hintergrundkonzert – egal wo ich bin. Wenn ich mal wieder irgendwo einen Rechner einrichten soll, dann kann ich wenigstens meine Lieblingsmusik hören.

Gleichzeitig ist das eine Sicherung meiner Musikbibliothek, denn ich kann die Dateien jederzeit wieder downloaden, wenn etwa meine Festplatte sich verabschiedet hat. Also  im Grunde so etwas wie die oben beschriebenen Clouddienste – nur auf Musik spezialisiert. Und damit alles schön aktuell bleibt, gibt's den Musik Manager. Mit diesem Programm werden alle Musikdateien aus überwachten Verzeichnissen automatisch in die Cloud geschoben.

Und was habe ich jetzt davon?

Im Jahre 2011 ging meine Hauptfestplatte kaputt. Bis auf ein paar alte Sicherungen war vieles weg. Einiges erbettelte ich mir von Leuten, denen ich die Sachen per Email geschickt hatte. Unter anderem meinen ganzen alten Steuerkram. Ich besorgte mir eine neue Festplatte, installierte alles neu und beschäftigte mich mit den Clouddiensten.

Januar 2013: Abends fing der Monitor an zu zittern. Ich untersuchte Kabel. Ich testete einen anderen Monitor. Ich verdächtigte wieder mal die Festplatte. Irgendwann brach alles zusammen und Windows bootete immer wieder 5 Minuten lang bis zu einem schwarzen Bildschirm und fing von vorne an.

Verzweiflung machte sich breit. Ich bastelte. Ich versuchte. Restaurierte den Bootsektor. Ich googelte und versuchte alles Mögliche – inklusive einer Linux-CD. Als alles nichts half, griff ich zum Äußersten – und installierte Windows neu. Mir war klar, dass jede Menge Daten weg sein würden. Trotzdem blieb alles schwarz.

Am nächsten Morgen hatte ich eine Eingebung und testete eine andere Grafikkarte. Und siehe da – alles lief wieder. Und jetzt kommt’s! Ich installierte zuerst meine üblichen Tools und Programme neu und dann sofort Dropbox. Etwa eine Stunde später hatte meine frische Windowsinstallation den Urzustand wieder und all meine wichtigen Dokumente waren da. Ich konnte am letzten Artikel dort weiterarbeiten, wo der Rechner zusammengebrochen war.

Eins ist sicher – ich war auf Wolke 7 und werde mich da nie weder vertreiben lassen!

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