Lebensmittelklarheit.de: Gerade gestartetes Verbraucherschutzportal schon wieder offline

Holger Blessenohl

Damit hatten wohl selbst die Verantwortlichen nicht gerechnet. Bereits wenige Stunden nach dem Start ist das neue Verbraucherschutzportal lebensmittelklarheit.de nicht mehr erreichbar. Die Server konnten einem Ansturm von bis zu 20000 Anfragen pro Sekunde nicht lange standhalten.

Die Nichterreichbarkeit der Seite dürfte den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (BLL), hinter dem sympathischen Namen verbirgt sich die Lobbyorganisation der Lebensmittelindustrie, wohl nicht lange freuen. Besagt dies doch nur, wie wenig Vertrauen die deutschen Verbraucher in die Mitglieder des BLL und deren Produkte haben. Zumindest der Lobbyverband ist erreichbar und hat zum Start von lebensmittelklarheit.de gleich eine Gegenkampagne gestartet, in der den Verbraucherschützern in einem FAQ gleich im ersten Absatz unterschwellig unsachliche und fachlich falsche Informationen vorgeworfen werden.

Worum es im Portal lebensmittelklarheit.de tatsächlich gehen soll, beschreibt vzbv-Vorstand Gerd Billen so: „Wir wollen Missverständnisse ausräumen, die Kommunikation zwischen Verbrauchern, Wirtschaft und Politik verbessern und potentielle Quellen von Täuschung und Irreführung beseitigen“. Zu diesem Zweck wird es auf lebensmittelklarheit.de die Möglichkeit geben, Produkte mit irreführender Werbung oder Angaben zu melden und – nach einer Prüfung – online zu stellen. Auf diese Weise sollen sich Verbraucher gegenseitig vor Lebensmitteln warnen können, die nicht direkt gegen das Lebensmittelrecht verstoßen, den Verbraucher aber dennoch mit Scheinvorteilen bei der Ernährung in die Irre führen.

Unterstützt wird die neue Verbraucherschutz-Seite vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner, die bereits erste Erfolge des Verbraucherschutzes im EU-weiten Verbot von Klebeschinken und Analogkäse sieht. Dennoch blieben zahlreiche Graubereiche von mangelhaftem Essen, das dennoch nicht verboten werden könne. Genau hier solle die neue Website lebensmittelklarheit.de für Aufklärung sorgen.

Lebensmittelklarheit.de wird von der Verbraucherschutzzentrale Hessen geleitet, bis wann die Serverkapazitäten dem Ansturm entsprechend ausgebaut werden können, ist derzeit noch unklar. Dem BLL dürfte das jedenfalls nicht schmecken.

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