Locationgate: Schadensersatz im Osten, Visualisierung im Westen

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Erinnert sich noch jemand an Locationgate? Das Drama um vom iPhone 4 gespeicherte Trackingdaten sorgte im April für einiges Aufsehen, nicht zuletzt durch zahlreiche Ungenauigkeiten, die sich in die Berichterstattung geschlichen haben. In Südkorea hat der Vorgang nun ein rechtliches Nachspiel. Hierzulande nimmt man das ganze etwas spielerischer.

Apple zahlt Schadensersatz an Südkoreaner

Locationgate war keine “typisch deutsche” Diskussion, sondern sorgte weltweit für Schlagzeilen. Auch in Südkorea waren viele Nutzer erbost darüber, dass das iPhone die Standorte nahe liegender WLAN-Stationen in einer Datenbank speicherte und diese teils unverschlüsselt nach Hause funkte. 29 von 3 Millionen Nutzern reichten eine Sammelklage in Seoul ein und verlangten Schadensersatz. Wohl ohne Widerspruch einzulegen, hat Apple Ende Juni dem ersten Kläger eine Million Won (etwa 664 Euro) überwiesen. Der Anwalt warf Apple die Verletzung seiner Privatsphäre vor und bekam Recht. Die Frage ist nun nicht nur, ob die anderen eine ähnliche Summe erhalten, sondern ob nicht nun zufällig auch vielen anderen Nutzern auffällt, dass auch ihre Privatsphäre verletzt wurde. Manchmal brechen sich derartige Traumata ja erst spät Bahn.

Crowdflow visualisiert Bewegungsdaten

Die Betreiber von crowdflow.net dachten sich hingegen wohl: Wenn es die Daten schon gibt, kann man sie auch etwas aufhübschen. Dabei haben sie natürlich nicht die iPhones der Nutzer geknackt und sich die Daten einfach anggeignet. Sie bitten vielmehr auf ihrer Seite um Spenden. Nutzer werden aufgerufen, ihre nackten consolidated.db-Dateien, die ohne persönliche Informationen versehen sind, hochzuladen und zur Verfügung zu stellen. In einer Schritt-für-Schritt-Erklärung wird gezeigt, wie es geht und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Daten im Rahmen einer OpenDateCommons-Lizenz verwendet werden, sie also auch für andere Projekte zur Verfügung gestellt werden.

Die nun veröffentlichen Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen. Unter dem Motto Fireflies HD werden die Daten von 880 vorwiegend deutscher iPhones vom April diesen Jahres visuell dargestellt. Tatsächlich hat der Anblick etwas von Glühwürmchen, die durch die Nacht streifen.

Der am Projekt beteiligte Michael Kreil erklärt in den Kommentaren, warum die Daten manchmal etwas verschwommen wirken: Da nicht der Standpunkt des iPhones selbst gespeichert wurde, sondern bloß der eines naheliegenden WLAN-Punktes, gibt es viele Standortlücken. Um diese zu füllen, wurden die iPhones in diesen Zeiträumen virtuell in alle Richtungen gleichzeitig geschickt, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h. Dadurch entsteht ein leicht verschwommener Streuungseffekt. Der Effekt tritt verstärkt in der Nacht auf, da sich hier die iPhones nicht bewegen und somit keine Daten sammeln.

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