MMO Rollenspiele im Test: Eve Online -- ein Insider berichtet. Teil 2

Ulli Kunz

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Im ersten Teil unserer neuen Serie über die Innenansicht verschiedener MMO Rollenspiele ging es um die Grundzüge des Science-Fiction-Spektakels Eve Online. Die Fortsetzung stellt die interstellare Politik und die Vielfalt der Spezialisierungen dieses epischen MMORPGs in den Mittelpunkt. Außerdem: Eve-Online-Tipps für Einsteiger.

4. Karriere: Pilot, Produktion, Pirat

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Die Schiffe in EVE Online bestechen oft durch ein einzigartiges Design.

Wie jedes andere MMO besitzt auch Eve Online ein Berufe-System, das hier aber nur über die Skills des jeweiligen Charakters definiert ist.

Will man Ballern, also PVP (Player vs. Player) betreiben und/oder Missionen fliegen, konzentriert man sich skilltechnisch in diese Richtung. Allerdings ist es auch möglich, in Eve Berufen nachzugehen, ohne dass man jemals in die Zwangslage kommt, sich irgendwo durchzukämpfen.

So kann man beispielsweise in die Produktion gehen. Die dafür nötigen Skills vorausgesetzt können dann aus Erzen, die selber abgebaut, eingekauft oder von befreundeten Miner-Piloten zur Verfügung gestellt wurden, Munition, Schiffe oder sonstige Module für Raumstationen etc. hergestellt und dann verkauft werden.

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Wehe, wenn die Munition im Kampf ausgeht.

Das Tolle daran: Es gibt eigentlich nichts, was nicht gebraucht wird, denn es gibt keine typischen Güter für Anfänger oder Fortgeschrittene.

Oder man konzentriert sich auf das Minern. Man fliegt dazu in Asteroidengürtel und zerlegt dort die Steine in ihre Bestandteile. Dauert zwar ewig und ist für Ungeduldige langweiliger als ein TV-Nachmittag auf Pro7, ist aber erstaunlich profitabel.

Alternativ „baut” man sich einen Charakter aus mehreren Berufen zusammen oder gleich allen und stellt sich damit breit auf. Man wird zu nichts gezwungen, zu nichts gedrängt und wird so, dank eines universellen oder gar spezialisierten Karriereplans in jeder Corp herzlich Willkommen sein.

Selbst eine Karriere als Pirat steht dem geneigten Spieler offen. Schiffen auflauern, angreifen und entweder Lösegeld fordern oder den Gegner in handlichen Schrott verwandeln, die Ladung mopsen und  dann so schnell wie möglich das Weite suchen.

5. Echte Politik

Erinnert sich jemand an die Meldungen vor einiger Zeit, als irgendeine World-of-Warcraft-Gilde auf irgendeinem europäischen Server als allererste einen Boss legte oder eine Instanz durchspielte? Oder als eine Pro-Gilde sich auflöste und deren Ex-Mitglieder dann zu einer anderen wechselten?

Nun, zumindest war das so wichtig, dass Seiten wie Buffed.de oder cursed.com davon berichteten. Nur was interessiert das einen deutschen Spieler auf einem RPG-Server, ob auf einem anderen Server ein Sack Reis umfällt? Gar nicht, denn es gibt keine direkten oder indirekten Auswirkungen für ihn.

Bei Eve, wo sich alles auf einem Server abspielt, kann die Auflösung einer erfolgreichen Corp zu mehr führen als einem mäßig interessiertem Schulterzucken aus der Spielergemeinde.

Nun begab es sich, dass vor einiger Zeit sich einer der Verantwortlichen einer recht mächtigen Allianz, die eine beträchtliche militärische Macht besaß und mehrere Dutzend Sonnensysteme ihr Eigen nannte, als Verräter entpuppte. Er verschob einen nicht gerade unerheblichen Teil der Schiffe seiner Allianz zu einer feindlich gesinnten Allianz und löste durch einen Mausklick seine alte Allianz auf. Ein Beben durchfuhr die Welt von Eve Online, denn plötzlich gab es einen der Machtblöcke nicht mehr und die übrig gebliebene Großmacht versuchte, die Situation ausnutzend, mit unzähligen Schiffen massiven Raumgewinn zu machen.

In die Realwelt übertragen hieße das, dass ein Mitglied der Nato die Atlantikflotte unter den Befehl der Russen stellt, die Nato auflöst und dann zu den Russen überläuft. Man kann sich vorstellen, dass dies eine Zeit des Krieges bedeutete – was Händler und Produzenten freute, da Krieg Einnahmen verheißt.

Oder aber eine von Spielern geführte Bank, bei der etliche Spieler, Corps und Allianzen ihr sauer verdientes Geld anlegten, meldete zuerst die Veruntreuung von mehreren Hundert Milliarden ISK und kurze Zeit später plötzlich weitere Verluste in Höhe von 12 Trillionen ISK (!), was bei etlichen „Kleinanlegern” zu Panikattacken führte. Da klingt eine Meldung wie “Gilde Bla legt Mopsbacke auf Server Blubb” tatsächlich wie die News um fallende Reissäcke in China.

6. Tipps für Anfänger

Eve Online ist nicht sonderlich einsteigerfreundlich, zugegeben. Eher wird man trotz eines recht guten Tutorials ins kalte Wasser geworfen und letztlich sich selbst überlassen. Sucht euch eine gute Corp, die ausbildet und Anfängern oft gern mit Rat, Tat und nicht selten auch finanziell unter die Arme hilft. Wer rasche Erfolge sucht, wird bei Eve enttäuscht, denn vor dem Erfolg hat der Designer zum Glück das Skillen gesetzt. Ein Spieler, der 20 Stunden am Tag spielt, hat skilltechnisch keine Vorteile gegenüber einem Spieler, der nur auf 2 Stunden Spielzeit pro Woche kommt. Das führt dazu, dass der Personenkreis jüngerer Spieler, die ihren Hormonüberschuss meist durch infantiles Verhalten kompensieren wollen, in Eve Online eher seltener zu finden ist.

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Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg, oft auch in englisch. Es gibt aber zahlreiche deutschsprachige Corps, die sich über Neuzugänge freuen.

Das bedeutet nicht, dass zwischen den Spielern – abgesehen von Kämpfen – alles fair abläuft. Mehr als genügend Kapselpiloten werden jede Gelegenheit nutzen, ihre Mitspieler übers Ohr zu hauen oder schlicht aus dem Schiff zu pusten. Wieso sie das tun? Weil solch ein Verhalten von den Designern zum erwünschten Spielprinzip gehört. Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Was wäre der Wilde Westen ohne die Revolverhelden, Zugräuber, verlausten Kartenspieler und Trickbetrüger? Eine staubige Teletubby-Vision mit Pferden.

Zwar gibt es Regeln und eine Art Gesetz, aber fast jede Regel lässt sich durch Tricksereien aushebeln. So sind Attacken auf Spieler in den Hochsicherheitssystem beispielsweise verboten und werden dergestalt geahndet, dass der angreifende Pilot von Polizeikräften aus dem Schiff geschossen wird. Andererseits erhält man Abschussrechte, wenn man bestohlen wird. Was also macht der pfiffige Pirat? Wirft irgendwo einen Container mit Munition oder dergleichen ab, fliegt ein Stück weg und aktiviert ggf. die Tarnung seines Schiffs.

Sollte nun jemand den Container plündern, erhält der Bestohlene für einige Zeit das Recht, den Dieb abzuschiessen… und darauf kann man sich verlassen, das tun sie.

Eve Online – mein Fazit

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Wo bin ich? Wo will ich hin? Und vor allem: Ist es hier sicher?

Im Laufe der Zeit hat sich Eve Online zu meinem Lieblings-MMO entwickelt. Allerdings war das ein schleichender Prozess, denn meine ersten Versuche waren eher ernüchternd: Zu viele Möglichkeiten, zu viel Freiheiten, zu großes Weltall und wieso nimmt mich niemand an die Hand und führt mich durch das Spiel? Mittlerweile sind diese Aspekte aber die Gründe, wieso ich EVE Online so genial finde. Ich kann tun was ich will, alles lernen, und wenn es mir irgendwo zu öde wird, reise ich ein paar Systeme weiter. Und da alle Spieler auf einem Server unterwegs sind, habe ich tatsächlich das Gefühl, in einer „lebendigen” Welt zu spielen. Gut, für Anfänger ist Eve immer noch ein Brocken – aber wer sich durchbeißt, wird viel Spaß haben.

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