Mobilfunk Tarifierungsansätze im Wandel der Zeit

Franziska Huebscher

Mitte der Neunziger Jahre gab es in Deutschland gerade einmal etwas mehr als 100 Handytarife. Seit dem hat sich in der Entwicklung der mobilen Telefonie vieles getan. Heute bieten bereits einzelne Unternehmen der Mobilfunk-Branche mehrere Dutzend Tarife an. Ein Mobilfunktarif ist dabei gekennzeichnet durch den Preis (Grundgebühr, Minuten-, SMS Entgelte etc.), die Vertragslaufzeit, die Verfügbarkeit von optionalen Tarifergänzungen sowie weiterer Leistungen. Im Vergleich zu heute waren Handytarife früher teurer, unflexibler, boten keine Internetdienste und keine Freiminuten zum Telefonieren an. Ebenso unterschieden sich die Minutenpreise nach Zeit (Haupt- und Nebenzeit) und je nachdem ob man im eigenen Mobilfunknetz, in andere Handynetze oder ins Festnetz telefonierte. Bei vielen Providern gibt es heute zwar kürzere Mindestlaufzeiten, mit der Möglichkeit einer kurzfristigen Vertragsauflösung fallen aber häufig auch höhere Kosten an.

Aktuell erhältliche Mobilfunktarife unterscheiden sich strukturell von denen der vergangenen Jahre. So werden mittlerweile vor allem Flatrates vermarktet. Bei pauschalen Tarifierungsansätzen können Konsumenten gegen Zahlung einer fixen monatlichen Gebühr Gespräche in das Fest-, das Anbieternetz oder in andere deutsche Mobilfunknetze führen ohne, dass hierfür zusätzliche Verbindungsentgelte anfallen. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zu früher sind die heute, zumindest in allen Mitgliedstaaten der EU, deutlich Verbraucher freundlicheren Roamingkosten. Damit können Kunden im Ausland zu signifikant günstigeren Konditionen Handygespräche führen und angerufen werden sowie SMS verschicken. Zudem sind Verbraucher beim mobilen Internet surfen durch eine Kostenbremse abgesichert. Letztlich sind die Nutzungsprofile und Tarifierungsansätze heute deutlich variabler als früher. Ein erkennbarer Trend besteht zudem in der zunehmenden Substitution klassischer Festnetzanschlüsse durch Mobilfunktarife, welche mittlerweile auch mit aufgeschalteter Festnetznummer erhältlich sind.

Flexibilität als entscheidender Vorteil – Prepaid Telefonie

Die Geschichte der Prepaid Karten begann Mitte der Neunziger Jahre als der Markt für Mobilfunk immer größer wurde. Vor diesem Zeitpunkt wurden lediglich Postpaid-Verträge angeboten, von denen Nutzer mit schlechter Kreditwürdigkeit (Stichpunkt Schufa-Abfrage) ausgeschlossen waren. Wer sich nicht für längere Zeit an einen Anbieter binden wollte, konnte fortan mit einem Prepaid Handy telefonieren und später auch mobil online gehen. Bei Prepaid-Karten können sich Kunden jederzeit für einen neuen Anbieter oder Tarif entscheiden, wenn dieser bessere Konditionen bietet, da der Vertragsinhaber nicht langfristig an einen Tarif gebunden.

In Europa wurde die erste Prepaid-SIM-Karte vom Düsseldorfer Unternehmen Walter Siebel Elektronik angeboten. Starttermin der Siebel Guthabenkarte war April 1996. Später etablierte die Firma Mannesmann Mobilfunk unter dem Namen CallYa ein eigenes Sim-Karten-Angebot. Prepaid Anbieter bieten mitunter günstigere Minutenpreise und SMS Preise als Anbieter mit Vertragstarifen an. Grund hierfür ist der so genannte “no frills“ Ansatz. Gemeint ist hiermit, dass der Provider sich auf die Basisleistungen SMS, Telefonieren und Datentransfer (Internet, WAP usw.) konzentriert und auf Sonderdienste weitgehend verzichtet. Prepaid Anbieter reduzieren damit die Kosten und können den Nutzern günstigere Preise anbieten. Dazu kommt, dass sie in der Regel kein kostenloses oder zumindest subventioniertes Endgerät mitliefern und auch kein eigenes Beratungs-Personal im Fachhandel zur Verfügung steht, sondern die Abwicklung im Self-Service Verfahren über das Internet erfolgt. Ein zusätzlicher Vorteil von Prepaid Angeboten ist die volle Kostenkontrolle. Wenn kein Guthaben mehr auf dem Prepaid-Konto zu Verfügung steht, können auch keine SMS mehr geschrieben und keine Anrufe mehr getätigt werden (sofern keine automatische Aufladung erfolgt). In der Vergangenheit wurden Guthabenkarten vor allem über den stationären Handel (Lebensmittelgeschäfte, Tankstellen oder Fachhandelsgeschäfte) vertrieben. Im digitalen Zeitalter setzen Prepaid-Discounter vermehrt auf internetbasierte Bestell- und Aufladeformen. Der zu zahlende Betrag wird dann vom Konto (Lastschriftverfahren) abgebucht. Einige Anbieter ermöglichen dabei auch Kreditkartenzahlung.

Allnet Flatrates als Alternative für Vieltelefonierer

Vor allem für Verbraucher, die ihr Mobiltelefon ständig benutzen und viel mobil im Internet unterwegs sind bieten sich die in letzter Zeit immer beliebter werdenden Allnet Flatrates an. Mittlerweile bieten Allnet Flat Tarife viel Leistung zu vergleichsweise moderaten Preisen. Bei aktuellen Vertragstarifen können Kunden per Allnet Flat ohne weitere Kosten deutschlandweit in das gesamte deutsche Festnetz und in alle deutsche Mobilfunknetze mobil telefonieren sowie mobil im Internet surfen. Nicht eingeschlossen sind Gespräche zu Sonder- und Servicenummern, Premiumdienste und Roaming. Mit zusätzlicher SMS Flat gibt es bei verschiedenen Anbietern Tarife ab circa 25 Euro. Ohne unbegrenzt enthaltene SMS gibt es alle Netze Flatrates bei diversen Mobilfunk-Discountern zu Preisen ab knapp 20 Euro pro Monat. Zu nennen sind hier unter anderem die Marken Klarmobil, Maxxim, Blau.de, Simyo und Yourfone. Eine tabellarische Übersicht aktueller Tarife gibt es unter anderem auf www.allnet-flat-vergleich.de. Doch nicht alle Kunden schöpfen die Inklusiv-Leistungen des gewählten Tarifs wirklich aus. Lohnenswert wird eine Allnet Flat erst ab einem monatlichen Anrufvolumen von im Schnitt deutlich mehr als 222 Minuten (beim einem Referenz-Minutenpreis von 9 Cent und einer Allnet Flat Grundgebühr von 20 Euro).

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