Musik aufnehmen mit dem iPhone - ein Vierspur-Erfahrungsbericht

M. Göbel

“Tu es!” – so lautet eine der wichtigsten Regeln beim Musikmachen. Also nicht ewig warten, dass man das richtige Equipment hat, sei es Instrument oder die Technik dazu, sondern: einfach machen. Trotzdem kann es nicht schaden, da eine gute App zur Hand zu haben: Zum Beispiel die kostenlose Version von “GigBaby!”, die das Smartphone in ein Aufnahmegerät mit vier Spuren verwandelt. Damit lassen sich schon hübsche Klänge basteln. Wir haben es ausprobiert.

Die App “GigBabyFree” landet eher zufällig auf meinem iPhone, als ich eine der vielen Artikel über die besten kostenlosen iPhone-Apps durchackere und dabei auf mein Telefon ziehe, was mir irgendwie nützlich scheint. Dann fällt sie mir eines Abends doch wieder ins Auge, und ich denke, ok, dann mal los. Und es geht wirklich fix!

Zack, ist der Song im Kasten

Ich rufe die App auf, im ersten Bildschirm “Tempo” kann man den Takt festlegen: entweder selbst auf das “Tap”-Feld klopfen, das wird dann übernommen, oder per Schieberegler festlegen. Also einfach mal was drauflosgetappst, per “Start” lässt sich der Takt nochmal überprüfen. Okay, weiter?

Das zweite Fenster “Session” ist dann das eigentliche Vierspurgerät: Es gibt vier verschiedene Tracks, immer einen kann man auf “Rec” stellen, dann auf Record drücken, und das Gerät spielt den eingestellten Rhythmus sowie die bereits eingespielten Instrumente (Kopfhörer ist also sinnvoll), das interne Mikro nimmt auf. Also die alte Schrammelgitarre gegriffen, eingespielt, eine Spur nach der anderen – das ist kinderleicht. Zack, ist der Song im Kasten!

Die Qualität der Aufnahmen ist übrigens okay – ein Grundrauschen ist natürlich dabei, aber das iPhone ist ja kein Studio-Mikrophon. Aber GigBabyFree hat eine eingebaute Automatic Latency Compensation. Die stellt sicher, dass die eingespielten Töne nicht zu sehr vom Rhythmus abweichen. Nicht ganz ehrlich, aber sehr praktisch!

Im dritten Fenster ist die Setlist der gemachten Songs – bei GigBabyFree sind es vier, denen man Namen geben kann. Mit dem Play-Zeichen kann man schnell mal in die Songs reinhören, per “Share” lassen sich die einzelnen Spuren auf den Rechner übertragen. Da wirds etwas kompliziert, mehr dazu unten.

Im vierten Fenster unter “Rhyhtms” kann man voreingestellte Rhythmen auswählen – sechzig (60!) verschiedene sind es, von Blues über Country zu HipHop, Jazz, Rock, Samba, Walzer, eine sehr breite Auswahl. Fast zu breit, denn die meisten davon nerven mehr, als dass sie für einen guten Hintergrundbeat taugen würden. Nur bei SouthernRock und CountryRock finde ich okaye Drumsets – aber das ist ja Geschmackssache.

Song fertig – und dann?

So lässt sich recht schnell ein kleiner Song zusammenstellen – und auf dem Smartphone lässt sich das ganze auch sehr schön anschauen und vorspielen. Wenn man den Song aber herunterladen will, wird es kompliziert. Denn für die Übertragung braucht man ein Extra-Programm, das man sich auf der Website des Herstellers runterladen muss. Und dann hat man zwar die einzelnen Tracks auf dem Rechner, nicht allerdings den Gesamtklang der vier Spuren, und auch nicht den Rhythmus, der dem ganzen ja oft die so wichtige Struktur verleiht. Man braucht also noch mindestens zwei weitere Programme: eines, um die Spuren zusammenzuführen (z.B. Audacity) und eines für das Drumset – wofür es auch Gratis-Apps gibt.

Fazit also:  Wenn es an die Details geht, lässt GigBabyFree nach einem tollen Start stark nach, sowohl in der kostenlosen wie auch in der Kaufversion. Bis zur eigenen Musik auf MySpace oder SoundCloud braucht es noch ein paar Schritte, und wer ein ganzes Album mit dem iPhone/iPad aufnehmen möchte wie z.B. die Gorillaz, braucht ein paar mehr Apps. Aber für den Anfang ist GigBabyFree eine sehr schöne Spielerei – die ersten Aufnahmen sind so schnell im Kasten.


ein einfaches 4-Spur-Gerät für das iPhone

Wer auch an seinem Rechner mal kostenlose Aufnahme-Programme austesten will, wir haben hier drei Gratis-Sequencer für PC verglichen.

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