Myspace: Vorübergehendes Tief oder Tod auf Raten?

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Die Zahlen sprechen Bände: Das ehemals größte soziale Online-Netzwerk myspace unterzieht sich einer radikalen Verschlankungskur und streicht allein im Heimatmarkt USA an die 500 Stellen. Die internationalen Büros bleiben dem Prozess ebenfalls nicht verschont: von den 450 Beschäftigten außerhalb der USA müssen nach Angaben des Unternehmens 300 ihre Sachen packen. Myspace, noch vor zwei Jahren Nummer 1 der sozialen Netzwerke im Internet, reagiert mit diesen Maßnahmen auf die schon seit einigen Monate andauernde Talfahrt. Mittlerweile hat facebook dem einstigen Branchenführer den Rang abgelaufen und verzeichnet mit über 200 Millionen Usern die größte Nutzerzahl. Auch aus andern Richtungen erfährt myspace zunehmende Konkurrenz und sieht sich aufgrund der sinkenden Nachfrage vor einer existenziellen Krise. Die Zugriffszahlen von myspace im Vergleich zu Facebook sind deutlich:

Statistiken Myspace vs. Facebook

Grafiken von netzwertig.com

Noch dazu belastet das Unternehmen aus Beverly Hills die Weltwirtschaftskrise und der daraus resultierende Umsatzrückgang in Sachen Werbeeinnahmen.
Abspringende User bemängeln das unübersichtliche und billig wirkende Layout der Profilseiten (Beispiel 1, Beispiel 2), die Zunahme von zugeschickten Spammails und die Konzentration auf virtuelle Profile statt auf echte Identitäten. Noch erfreut sich die Plattform Beliebtheit bei Musikern und Bands, die über ihren Account gezielt für sich werben und ihre Auftritte promoten. Doch bei den akuten Problemen von myspace stellt sich die Frage, ob man diese Gruppe von Usern auch weiterhin an das Portal binden kann.

Im Bereich der Musikcommunitys holt schließlich die CBS-Tochter last.fm auf. Sollte last.fm die demnächst die eigenen technischen Probleme stemmen (Mehrere Künstler oder Gruppen mit dem gleichen Namen werden derzeit noch unter einem Eintrag angezeigt) und breitere Möglichkeiten für Künstler zur Selbstdarstellung anbieten, könnte das der Todesstoß für myspace sein.

Richten soll es als Geschäftsführer nun Owen Van Natta, seit April im Amt und zuvor als Manager beim Branchenkonkurrenten facebook angestellt. Bleibt die erhoffte Wirkung aus, so liegt nahe, dass der Eigentümer News Corp mit dem Medienunternehmer und Multi-Milliardär Rupert Murdoch das Unternehmen nach nur vier Jahren wieder abstößt.

Der neue Mann an der Spitze zeigt sich natürlich zuversichtlich, was die Zukunft und den Fortbestand des Netzwerkes angeht. Ob es ihm gelingen wird, myspace mithilfe personeller Einschnitte und anderen Restrukturierungsmaßnahmen zurück in die Erfolgsbahn zu bringen ist höchst fraglich, wenn man die Entwicklung der letzten Monate betrachtet.

Dieser Artikel wurde von Claudius Bien verfasst.


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