Nintendo 3DS im Test: Müsste 3D nicht irgendwie noch mehr können?

Peer Göbel
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nintendo 3ds
Die erste Handheld-Spielkonsole mit 3D-Bildschirm, das Nintendo 3DS, ist nun auch in Deutschland erhältlich. Lohnt sich der Kauf? Wie real ist der 3D-Effekt? Wie ist das Spielgefühl? Wir hatten das Gerät einige Tage im Test und geben Antworten – das Ergebnis schwankt zwischen absoluter Begeisterung und Enttäuschung.

Die Erwartungen waren hoch. Ein neues Gaming-Zeitalter könnte anbrechen, der erste Blick in die 3D-Welt. Nach der ersten Begeisterung und einigen Tagen mit dem Nintendo 3DS stellt sich jedoch Ernüchterung ein. Müsste 3D nicht neue Spiel-Möglichkeiten eröffnen? Müsste das Spielgefühl nicht noch neuer sein? Aber nochmal von Anfang an.

Nintendo 3DS: 3D ohne Shutterbrille

Die dritte Dimension ist seit Jahren als nächster Technik-Schritt in aller Munde. Die Filmindustrie hat wieder einen Grund, die Zuschauer ins Kino zu locken, Fernseher, Handys, Tablets und Laptops versprechen ein neues Erlebnis und eine neue Hardware-Grundausstattung für alle, zu jedem sportlichen Großereignis laufen Gerüchte zu 3D-Liveübertragungen heiß. Während 3D-TV-Geräte und -Kino noch mit klobigen Brillen arbeiten, gehört das Nintendo 3DS zu den ersten Geräten am Markt, in das man einfach so hineinblicken kann und eine räumliche Wirkung erhält.

Und das macht in den ersten Momenten wirklich eine Begeisterung aus. Das Testgerät liegt gut in der Hand, wirkt dank der Metallverkleidung recht wertig (auch wenn das Türkis etwas gewöhnungsbedürftig ist), und mit großen Augen schiebt man am 3D-Regler, um die optimale Einstellung zu finden. Der obere Bildschirm ist 3D, der untere ein Touchscreen, das mit Stift oder Fingernägeln bedient werden kann. Neben dem Nintendo-Markenzeichen, dem Steuerkreuz, gibt es nun auch einen Analog-Controller darüber.

Unser Hardware-Experte Shu hat für die Kollegen von Giga.de ein Unboxing-Video gemacht und zeigt, was so alles mitgeliefert wird:

Die technischen Fakten hatten wir bereits in unserem Nintendo-3DS-Vorbericht ausführlich besprochen, zentral sind die Abwärtskompatibilität zu alten DS-Spielen und die Doppelkamera, die 3D-Bilder aufnehmen kann. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, wie das 3D-Erlebnis bei den Spielen ist.

Auf 2D-Fotos etwas verzerrt: Der 3D-Bildschirm.
Wie 3D ist er wirklich?

Und das ist durchwachsen. Die Menüs und die mitgelieferte Software bieten schon eine Räumlichkeit, die sich allerdings meist auf mehrere 2D-Ebenen beschränkt. Zudem stellen sich die integrierten Programme, vom Soundstudio über die Mii-Konsole bis zum Kartenspiel mehr als Technik-Demo heraus, als wirklich über längere Zeit zu fesseln. Das eingebaute Augmented-Reality-Game “Face Raiders” deutet schon andere Möglichkeiten an. Mit der Innen- oder der (doppelten) Außenkamera kann man ein Gesicht aufnehmen, das einen dann im Spiel mit lustigen Helmen und Grimassen durch den Raum fliegend attackiert. Im Spielhintergrund ist der Raum zu sehen, in dem man sich gerade befindet, und man muss sich real um die eigene Achse drehen, um die Angreifer auszumachen und abzuschießen. Das ist schon beeindruckend und bietet zumindest den Spaß, die Kollegen im Büro zu jagen.

Zum Test hatten wir zwei weitere Spiele vorliegen: Bei Super Street Fighter IV 3D Edition fliegen einem die Gegner und Special Effects um die Ohren. Das bietet einen fetzigen Augenschmaus, spielt sich aber letztlich im Spiel auch nur auf einer Rechts-Links-Ebene ab. Da versprach Pilotwings: Resort schon ein umfassenderes 3D-Erlebnis. Mit Flugzeug oder Raketenrucksack fliegt man durch verschiedene Missionen, um Ballons zum Zerplatzen zu bringen oder durch gewisse Ziele hindurchzufliegen. Hier schwebt man zwar frei durch die Sports-Resort-Inselwelt, aber vollkommen schlüssig erscheint das 3D-Handling nicht. Fokussiert man auf die Spielfigur, entgehen einem die Ziele, und der Raum erscheint seltsam leer. Gerade hier hätte man eine Paradedisziplin für einen 3D-Bildschirm erwartet, aber das Spielgefühl ist nicht groß anders als bei einem 2D-3D-Game.

pilotwings

Insgesamt setzt sich der Gedanke durch, dass 3D zwar eine nette Spielerei ist, die Umsetzungen aber nicht über herkömmliche Spiele hinausgehen. Müsste 3D nicht irgendwie noch mehr können? Echte Augmented Reality, die den Raum dahinter vermessen kann, den Spieler in das Geschehen bringt, der Einbezug der 3D-Darstellung auf dem Bildschirm ins Spielprinzip selbst, verborgene Winkel und Atmosphären? Hier bleibt das Nintendo 3DS bisher die Antworten schuldig.

Lohnt sich der Kauf?

Wer sich allein an der technischen Neuheit 3D-Bildschirm erfreut, für den ist das Nintendo 3DS ein Wunderding. Wer allerdings ein neues Spielgefühl oder neue -Prinzipien erwartet, der wird von der bisherigen Spieleauswahl enttäuscht: Größtenteils aufgehübschte Portierungen, drei Versionen von nintendogs, keine Games, die das Potential wirklich ausnutzen. Zudem sind 250 Euro (bzw. 222 Euro zum 3DS-Start) ein ordentlicher Batzen, wenn man für knapp über der Hälfte schon im Nicht-3D-Segment fündig wird – mit demselben Spielspaß. Das Nintendo 3DS bleibt jedenfalls eine tolle Spielerei: Wer wie ich von der 3D-Idee begeistert ist, kann sich das Ding natürlich auch jetzt schon zulegen und die kommende Spieleentwicklung im Auge behalten.


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