Nintendo 3DS Test: Die ersten 3D-Games angespielt

Holger Blessenohl
4

Nintendo 3DS
Nintendos DS ist das mit Abstand erfolgreichste Handheld. Dennoch sind die Gaming-Pads in den letzten Jahren durch die ebenfalls spielegeeigneten Smartphones unter Druck geraten. Sonys Antwort auf die Herausforderung durch die neuen mobilen Geräte ist das Xperia Play, ein Handheld, das eigentlich ein Smartphone ist. Nintendo antwortet hingegen mit spielerischen Mitteln: Das Nintendo 3DS soll mit 3D-Wiedergabe einfach das bessere und spannendere Gameplay bieten. Wir haben auf der Nintendo 3DS Experience Night schon mal ein paar 3D-Games angetestet.

Autostereoskopisches Display und Touchscreen

Nintendo 3DS 3D-Technik
Der Nintendo 3DS soll unsere Spielegewohnheiten ähnlich stark ändern, wie der Nintendo DS dies bei seiner Veröffentlichung 2004 getan hat. Dafür wird es ein 3,5“ großes 3D-Display geben, auf dem das Spiel gezeigt wird. Das untere Pad wird hingegen ein nur 3“ großes Touchscreen-Display bekommen. Der Touchscreen kann wahlweise mit fettigen Fingern oder einem mitgelieferten Touchpen bedient werden. Nintendo setzt beim 3D-Display das stereoskopische 3D-Verfahren ein, bei dem durch zwei übereinanderliegende Glasplatten beiden Augen leicht verschobene Bilder zugespielt werden. Auf dem Foto rechts sind die beiden nebeneinanderliegenden Bilder gut zu erkennen.

Der Vorteil: 3D ohne Brille

Der große Vorteil des stereoskopischen 3D liegt darin, dass im Gegensatz zum bekannteren anaglyphischen Verfahren keine (rot-grüne) Brille benötigt wird. Der Nachteil, wenn man es so sieht, liegt darin, dass sich der dreidimensionale Raum nicht vor dem Bildschirm aufbaut, die Figuren also gerade nicht aus dem Display herauszukommen scheinen, sondern hinter dem Display in einer kleinen „3D-Box“ zu sehen sind. Wegen des autostereoskopischen Verfahrens hat das Display auch die ungewöhnliche Auflösung von 800 x 240 Bildpunkten. Dabei werden jeweils 400 Pixel dem rechten und 400 dem linken Auge zugeordnet. Wem das 3D-Spielen zu viel wird oder wer nur einen schwächeren Effekt möchte, kann die 3D-Stärke mit einem seitlichen Schieberegler stufenlos verstellen. In unserem Kurztest zeigte sich, dass das gut funktioniert. Als notwendig habe ich es aber nicht empfunden, obwohl ich sonst eher empfindlich auf 3D-Bilder reagiere.

Schiebepad statt Steuerkreuz

Neben dem 3D-Gamen ohne Brille hat Nintendo noch eine zweite Revolution geplant, diese allerdings nur halb durchgeführt. Das Steuerkreuz, seit vielen Jahren das Nintendo-Erkennungszeichen schlechthin, wird (beinahe) abgeschafft. Statt der Bedienung über das Kreuz kann der Avatar im Nintendo 3DS nun über ein Schiebepad gelenkt werden. Ganz ausbauen mochte Nintendo sein Wahrzeichen aber nicht. So befindet sich jetzt das klassische Steuerkreuz direkt unterhalb des neuen Schiebepads. Der Zocker kann dann selbst zwischen der gewohnten Variante und dem neuen, wesentlich genauer und sensibler reagierenden Pad entscheiden.

Integrierte 3D-Kamera

Nintendo 3DS Touchpen
Entscheidende Änderungen gibt es auch bei den Kameras. Neben der Innenkamera werden gleich zwei Außenkameras eingebaut. Diese dienen dazu 3D-Fotos zu schießen. Auf der hinteren Seite befinden sich rechts und links für beide Kamaras zwei Auslösetasten, die in einigen Games auch als Bedientasten dienen. Mit den Auslösetasten kann man entweder getrennt voneinander rechts oder links ein normales 2D-Foto schießen oder ein 3D-Bild, indem man beide Tasten gleichzeitig drückt. Leider war die Fotofunktion auf den Vorführgeräten noch nicht aktiviert, so dass wir nicht verraten können, wie gut das funktioniert.

Neue Features

Neben den beiden Außenkameras gibt es auch eine Innenkamera. Diese kann bspw. dazu verwendet werden, ein Foto von sich selbst zu schießen und sich selbst in ein Spiel zu integrieren, wie mir eine Nintendo-Mitarbeiterin verraten hat. Bislang ist dieses Feature allerdings nur in der 3D-Version von Sims 3 enthalten, andere Publisher werden die Möglichkeit aber bestimmt auch bald aufgreifen. Die beiden Außenkameras können umgekehrt mit dem neuen Augmented Reality-Feature mittels AR-Karten dazu genutzt werden, ein Foto der Umgebung als Game-Umgebung zu nutzen. Auch hier müssen allerdings erst die Publisher noch mitziehen und die neuen Möglichkeiten, die das Handheld bietet, im Gameplay nutzen.

StreetPass, SpotPass und ein Mii-Maker

Daneben hat Nintendo eine Reihe zusätzliche Features in den Nintendo 3DS gepackt, die zum Teil aber auch schon von den Nintendo DS der letzten Generationen bekannt sind. So ermöglicht StreetPass den direkten Datenaustausch zwischen zwei Nintendos. Das kann der Austausch von Mii-Bildern und Punkteständen sein, man kann aber auch als Streetfighter gegeneinander antreten. Ist StreetPass aktiviert, verbinden sich erreichbare Nintendo 3DS‘ automatisch, die Funktion kann von weniger kommunikativen Gamern auch deaktiviert werden. SpotPass ermöglicht Surfen im Internet über WLAN-Hotspots. Über SpotPass werden zudem – sogar im Stand-by – automatisch Spiele-Updates und neue kostenlose Inhalte runtergeladen. Neu ist auch der Mii-Maker, mit dem man aus Fotos auf schnelle und einfache Weise Mii-Avatare erstellt.

3D-Spieletest: Rabbids, Lego Star Wars III und Resident Evil

Nach einer etwa einstündigen Einführung in das 3D-Sehen und den Nintendo 3DS durften wir dann Nintendos neues Spielzeug selber ausprobieren (auf dem Bild zu sehen ist die befreundete Funload.de-Redaktion beim Nintendo 3DS-Test). Die 13 zum Start erhältlichen Games waren auf verschiedenen Nintendo 3DS’ vorinstalliert. Ich konnte das 3D-Handheld ausführlich mit den 3D-Versionen von Rabbids – Travel in Time und Lego Star Wars III The Clone Wars testen sowie einem kurzen Trial aus Resident Evil – The Merceneries. Der 3D-Effekt ist tatsächlich verblüffend gut, die Gegenstände sind scharf, deutlich, vor allem aber wirklich räumlich zu sehen, Bewegungen laufen völlig flüssig auch im dreidimensionalen Raum ab. Dafür muss man sich auch nicht auf den Effekt konzentrieren, die 3D-Sicht entsteht vollkommen automatisch und lässt sich nur über den Schieberegler rechts abschwächen oder beenden. Meine Avatare reagieren schnell auf jede Bewegung des neuen Schiebepads, auch die weiteren Bedientasten funktionieren bereits auf leichten Druck einwandfrei. Den unteren Touchscreen bediene ich problemlos mit den Fingern.

Handling des Nintendo 3DS

Insgesamt fühlt sich der Nintendo 3DS in der Hand gut an, kühl und massiv, mit 235 g ist der N3DS trotz 3D-Display nicht wesentlich schwerer geworden, als der NDS immer schon war. Die Verarbeitung macht einen hochwertigen Eindruck, nichts klappert oder wackelt. Wer die Spiele lieber in 2D zocken möchte, kann dies über den Schieberegler auch im laufenden Spiel jederzeit ändern. Nicht testen konnte ich leider den Bewegungs- und Beschleunigungssensor des Nintendo 3DS, da die von mir getesteten Games das Feature noch nicht integriert hatten. Gerade hier ergeben sich für Spieleentwickler aber natürlich insbesondere in Kombination mit dem 3D-Modus enorme Potentiale für spannende Spielideen.

Abwärtskompatibilität von DS-Spielen

Nintendo 3DS Gaming
Nintendo möchte möglichst viele DS-Fans ins 3D-Zeitalter mitnehmen. Daher verspricht der Hersteller weitgehende Abwärtskompatibilität der für die DS-Familie in der Vergangenheit entwickelten Spiele. Einschränkend ist allerdings nur von einem Großteil der alten Spiele die Rede, die auch auf dem 3DS lauffähig sein sollen. Außerdem wird es auf dem 3DS eine Datenverwaltung geben, mit der bereits erworbene Spiele zwischen dem 3DS und den anderen DS-Varianten ausgetauscht werden können.

Marktstart und Preis

Ab 25. März wird der Nintendo 3DS in Deutschland zu haben sein, zum Marktstart werden mindestens 13 3D-fähige Spiele und weitere ohne 3D-Ansicht verfügbar sein. Einen festen Preis hat Nintendo selbst noch nicht genannt, man kann die Handheld-Konsole aber schon für 249,- € . Als Farbvarianten wird es den Nintendo 3DS in Kosmos-Schwarz oder Aqua-Blau geben.

Hier noch ein Hands-on-Video von Dead or Alive Dimensions:

Einen ausführlichen Event-Bericht der Nintendo 3DS Experience Night hat unsere Schwesterredaktion von Funload.de geschrieben (die Jungs waren ganz schön hibbelig gestern).

Neue Artikel von GIGA SOFTWARE

GIGA Marktplatz