Ökostrom-Anbieter im Überblick: Online kostenlos wechseln und umweltfreundlich Strom beziehen

M. Göbel

Spätestens seit Fukushima sprechen alle über die Energiewende: Woher soll in Zukunft die Energie kommen? Atomausstieg ja oder nein? Wie kann Atomstrom ersetzt werden? Die Regierung schaut vor allem auf die großen Stromkonzerne, doch in deren Schatten haben sich eine Reihe von Stromlieferanten gegründet, die voll auf Ökostrom setzen. Wir stellen die wichtigsten davon vor – das Wechseln zum Ökostrom ist ganz einfach – und auch nicht unbedingt teurer.

1998 wurde in Deutschland der Strommarkt liberalisiert – das bedeutet, dass die Verbraucher seitdem wählen können, bei welchem Unternehmen sie ihren Strom erwerben. Eigentlich war das vor allem gedacht, um mehr Wettbewerb unter den Lieferanten zu erzeugen, aber die Ökostrom-Branche hat sich seitdem enorm entwickelt. Denn: Umweltschutz war noch nie so einfach – und gleichzeitig effektiv. Denn einige der Ökostrom-Anbieter setzen Teile ihres Gewinnes ein, um weitere Anlagen zu bauen. Wir stellen die wichtigsten Anbieter vor: die ältesten sind Naturstrom, die Elektrizitätswerke Schönau, Lichtblick und Greenpeace Energy, die sich gleich 1998 gründeten.

So wechselt man den Stromanbieter:

Einfach unseren Links folgen, die Nummer des eigenen Stromzählers parat haben (steht drauf oder auf den Abrechnungen des bisherigen Stromanbieters). Alles eintragen, und um den Rest (Abmeldung, Wechsel…) kümmert sich dann der Ökostrom-Anbieter.

Naturstrom

Gründete sich am 16. April 1998 als erster deutscher Ökostrom-Anbieter in Düsseldorf, dahinter stehen die Naturschutz- und Erneuerbare-Energie-Verbänden Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), Bundesverband WindEnergie, Eurosolar, Fachverband Biogas und andere. Das klare Ziel: den Ausbau der erneuerbaren Energien stärken. Das passiert automatisch durch den Verbrauch, denn je nach Tarif zwischen 1,25 und 2,5 Cent/kWh brutto gehen in den Bau neuer Anlagen zur Stromerzeugung – bisher wurde 170 gebaut, darunter 33 Windenergieanlagen, 5 Wasserkraftanlagen, 16 Biomasseanlagen und 116 Photovoltaikanlagen. Naturstrom bietet auch Biogas an. Der Strom kam 2010 zu 72% aus Wasserkraft, zu 28% aus Windenergie.

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Ökostrom von Naturstrom beziehen
Der erste deutsche Ökostrom-Anbieter

Greenpeace Energy

Greenpeace Energy ist eine Tochter der Umweltschutzorganisation Greenpeace, aber gleichzeitig auch eine Genossenschaft mit 18.000 Mitgliedern (die auch Kunden sind). Gemeinsam mit dem hundertprozentigen Tochterunternehmen Planet energy GmbH betreibt Greenpeace Energy einige Kraftwerke zur Stromerzeugen, weitere sind im Bau oder in Planung. Greenpeace Energy hat sich verpflichtet, die pro Jahr an eigene Kunden abgesetzte Strommenge spätestens nach fünf Jahren aus in dieser Zeit neu gebauten Kraftwerken zu beziehen, also ist der Kraftwerksbau und -betrieb ein wichtiges Standbein der Geschäftstätigkeit. Der Strom kam 2010 zu 99% aus Wasserkraft, zu 1% aus Windenergie.

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Ökostrom von Greenpeace Energy beziehen
Umweltschutz bei den Aktivisten

Elektrizitätswerke Schönau (EWS)

Die EWS sind aus der Anti-Atom-Bewegung hervorgegangen, werden oft auch als “Stromrebellen aus dem Schwarzwald” bezeichnet. Denn das bürgergetragene Unternehmen betreibt bereits seit 1997 das elektrische Ortsnetz der Stadt Schönau im Schwarzwald mit 1.600 Kunden, und es fühlte sich von Anfang drei Maximen verpflichtet: atomstromlos, klimafreundlich und bürgereigen. Durch einen im Stromtarif enthaltenen Förderbeitrag für ökologische Stromerzeugungsanlagen sind bisher mehr als 1.450 Solarenergie-, Kraft-Wärme-Kopplungs-, Wasserkraft- und Biogasanlagen in Bürgerhand entstanden. 2010 kam der Strom zu 95,9% aus Wasserkraft, zu 4,1% aus Gas-Kraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung.

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Ökostrom der EWS beziehen
Die Stromrebellen

Lichtblick

Lichtblick hat über 500.000 Kunden (Stand: vor Fukushima) und ist damit der größte deutsche Ökostrom-Anbieter. Seit Oktober 2008 beliefert LichtBlick den Deutschen Bundestag mit Abgeordnetenbüros, im September 2009 kündigte LichtBlick an, mit der Installation von 100.000 vernetzten und gesteuerten Mini-Blockheizkraftwerken – sogenannte Zuhausekraftwerke – in die dezentrale Stromerzeugung einzusteigen.


Beliefert auch den Bundestag

Weitere

Grundsätzlich abgeraten wird allgemein von den Ökostrom-Tarifen der großen Anbieter. Die kosten im Vergleich etwas mehr als der normale Strom, der Energie-Mix verändert sich aber nicht – so dass im “normalen” Strom einfach weniger Öko enthalten ist, die Anbieter aber mehr Geld in der Tasche haben. Also lieber einen der vier verlässlichen Ökostrom-Anbieter oben nehmen!

Bild: Windkraft-Anlage bei Mainz-Hechtsheim von Christoph Aron (cc)

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