Panasonic Lumix DMC-G3: Test der neuen Systemkamera

Holger Blessenohl

Auf dem Digitalkamera-Markt geschieht gerade eine kleine Revolution. Die zwischen den Kompaktkameras und Spiegelreflexkameras angesiedelten Systemkameras ohne Spiegelsystem erobern immer mehr Marktanteile. Das Konzept ist auch wirklich attraktiv: Statt wie früher die Bridgekameras so groß wie Spiegelreflexkameras, dabei aber wegen der fehlenden Möglichkeit des Objektivwechsels so unflexibel wie Kompaktkameras, hat die neue Mittelklasse der Digitalkameras wechselbare Objektive, ist aber nur noch minimal größer als eine Kompaktknipse.

Systemkameras ohne Spiegel

Lumix G3 Body
Derzeit sind fünf Anbieter mit solchen Systemen auf dem Markt. Bei der Einführung der neuen Kameras haben Panasonic und Olympus eng zusammen gearbeitet, um den Micro-Four-Thirds-Sensor zu entwickeln, Alternativsysteme sind Sonys NEX-, Samsungs NX-Kameras und die Ricoh GXR. Panasonic ist dabei mit der Lumix-G2 ein echter Hit gelungen. Von daher hätte man vermuten können, dass der Nachfolger G3 nur kleine Änderungen bekommt, um nichts zu riskieren. Panasonic hat nicht den einfachen Weg beschritten, sondern die neue G3 mit einer ganzen Reihe Änderungen neu aufgestellt. Dabei ist eine so neue Kamera herausgekommen, dass die Vorgängerin G2 erstmal weiter lieferbar bleibt. Wir konnten die neue Lumix-G3 zwei Tage lang in Augenschein nehmen.

G3 vs. G2: Kleiner und leichter

Lumix G3 Left Side
Ganz neu ist zum Beispiel bereits der Kamerabody. Das stabile Aluminium-Gehäuse ist um ganze 25% kleiner geworden als beim Vorgänger. Die Panasonic Lumix DMC-G3 darf sich aus diesem Grund derzeit als „kleinste und leichteste Systemkamera mit Sucher“ bezeichnen. Das liegt allerdings auch daran, dass bislang nur Samsungs NX-Kameras noch von Haus aus mit einem Sucher ausgestattet werden, alle anderen Systeme hingegen nur über das Display gesteuert werden können, wie fast alle Kompaktkameras auch. Zudem muss man bei Gewicht und Größe natürlich das Objektiv hinzurechnen, und das kann je nach Auswahl dann schnell den Hauptteil der Kamera ausmachen.

Akku und Griffwulst

Lumix G3 Top
Außerdem hat die Verkleinerung neben den positiven Effekten bei Größe und Gewicht auch einige negative Auswirkungen. So wurde der 1250 mAh starke Akku der G2 durch einen nun nur noch 1025 mAh starken, kleineren Akku ersetzt. Das machte sich im Praxistest durchaus bemerkbar, da ich innerhalb eines Tages zweimal den Akku wechseln musste. Dabei hatte ich die Kamera allerdings auch permanent eingeschaltet und fast immer auch das Display. Bei normaler Nutzung werden sich wohl deutlich längere Akkulaufzeiten ergeben. Außerdem dürften DSLR-Umsteiger mit dem schmaleren Griff Probleme haben, der bei der G2 noch deutlich ausgeprägter war. Beim „Zupacken“ muss man auch etwas umsichtig sein, damit man nicht aus Versehen Tasten drückt, die man gar nicht drücken wollte.

Verbesserter Autofokus

Lumix G3 Back
Besonders stolz ist Panasonic auf das vollständig überarbeitete Fokussystem. Der Autofokus reagiert nun deutlich schneller mit nur noch 0,1 Sekunden, dabei kann der User zwischen verschiedenen Messfeldern wählen. Zur Auswahl stehen: Gesichtserkennung, 1 Feld-Messung, 23-Feld-Messung, AF-Tracking und Punkt-AF. Das AF-Tracking kennt man bereits aus anderen Kameras. Dabei wird ein sich bewegendes Motiv vom Autofokus verfolgt und die Brennweite immer wieder angepasst. Eine ganz neue Entwicklung ist der Punkt-AF, der von den Panasonic-Produktmanagern entsprechend stolz präsentiert wurde. Generell kann man bei den neueren Panasonic-Kameras mit Touchscreen scharf stellen, indem man mit dem Finger auf die Stelle drückt , die im späteren Foto scharf sein soll. Panasonic nennt das Touch AF. Etwa umgewöhnungsbedürftig ist allerdings das resistive Display der G3. Ist man die kapazitiven Touch-Displays moderner Smartphones gewohnt, versucht man immer wieder erfolglos Scrollbalken durch zartes Wischen zu verschieben, statt beherzt mit dem Fingernagel auf das Display zu drücken.

Neuer Punkt-AF

Lumix G3 Front
Der Punkt-AF geht über den ebenfalls noch recht neuen Touch-AF hinaus, indem er – falls aktiviert – etwa eine Sekunde lang die gedrückte Stelle stark vergrößert. Man kann dann den Fokuspunkt in der Vergrößerung sehr exakt setzen. Es ist so beispielsweise möglich, statt nur auf das Gesicht eines Menschen scharf zu stellen, genau die Nasenspitze oder die Augäpfel auszuwählen. Besonders sinnvoll ist diese Funktion natürlich dann, wenn Gegenstände verschiedener Entfernung dicht beieinander liegen, also zum Beispiel ein Mensch von ein paar Zweigen im Vordergrund leicht verdeckt wird. Mit dem Punkt-AF kann man dann festlegen, dass der Fokus wirklich auf den Menschen im Hintergrund gelegt wird und nicht die Zweige im Vordergrund nachher scharf sind.

Ich empfand den Punkt-AF im Test eine sehr sinnvolle und logische Erweiterung des Autofokus. Lediglich die – theoretisch mögliche – Steuerung über den elektronischen Sucher hat mich nicht überzeugt. Zwar vergrößerte der Punkt-AF den fokussierten Bildausschnitt im Sucher wie im Display, um dann jedoch den Fokuspunkt zu verschieben, musste man diesen über das Steuerkreuz lenken. Wohlgemerkt, während man den Sucher noch am Auge hatte. Das Display des G3 kann man zum Schutz nach innen klappen, dabei wird das LiveView-Bild automatisch in den Sucher gelegt.

Elektronischer Sucher

Lumix G3 Blitz
Die grundsätzliche Entscheidung Panasonics für einen Sucher kann ich nur begrüßen, obwohl ich auch das dreh- und schwenkbare Display im Test sehr überzeugend fand. Mit diesem ergeben sich nun eine ganze Reihe neuer Fotoperspektiven, indem man die Kamera zum Beispiel knapp über den Boden oder hoch über den Kopf hält und dennoch den Bildausschnitt genau kontrollieren kann. Auch Selbstporträts können auf diese Art einfacher gemacht werden, indem man das Display einfach zur Seite klappt und dann um 180° nach vorne dreht. Die Helligkeit des Displays war auch bei strahlendem Sonnenschein ausreichend. Solange die Sonne nicht gerade direkt auf das Display drauf schien, konnte man immer noch genug erkennen, um zumindest den Bildausschnitt auswählen zu können.

Full-HD-Video und Serienbilder

Ansonsten hat Panasonic nach eigener Aussage auch Sensor und Objektiv verbessert. Der Sensor löst jetzt mit 16 Megapixeln statt 12 MP bei der G2 auf, gefilmt werden kann mit Full HD statt vorher 720p, wobei beim integrierten Stereomikrofon ein Windgeräuschfilter zugeschaltet werden kann. Außerdem ist es möglich, gleichzeitig zu filmen und zu fotografieren. Alternativ können auch Serienbilder für Bewegungsstudien geschossen werden, hier sind entweder 4 Bilder/s mit den vollen 16 MP möglich oder Highspeed-Serienbilder mit 20 Bildern/s, die aber nur noch mit 4 MP Auflösung geschossen werden. Die Serienbildfunktion steht nur mit JPEG zur Verfügung.

Lichtempfindlichkeit

Lumix G Objektive
Einen sehr guten Eindruck hat auch der High-ISO-Bereich der Lumix-G3 hinterlassen. Ein nahezu dunkles Badezimmer, in dem ich selbst kaum die Umrisse zu erkennen imstande war, konnte ich bei ISO 6400 ohne Blitz in ein nur schwach abgedunkeltes Badezimmer verwandeln, in dem es noch nicht einmal störendes Rauschen gab. Die Kamera hat also deutlich mehr gesehen als ich. Für Anfänger geeignet macht die G3 die intelligente Automatik, von Panasonic iA genannt. Diese entmündigt den User allerdings erheblich, etwas mehr Freiheiten hat man im neuen iA+ genannten Modus. Auch hier nimmt die Kamera vollautomatisch alle Einstellungen vor, der User kann aber Schärfentiefe, Weißabgleich oder Belichtung auch selbst bestimmen. Daneben gibt es die Programm-Automatik, in der der User das passende Programm wählt, die beiden Halbautomatiken mit manueller Blenden- oder Belichtungseinstellung sowie die vollständige manuelle Bedienung.

Verfügbarkeit und Preise

Ab Juni wird mit der neuen Lumix-G3 Panasonics neues Mainstream-Top-Modell der Systemkamera-Serie Lumix G erscheinen. Das

wird es für 699,- € (UVP) in den Farben Rot, Braun und Schwarz geben. Nur in Schwarz kann man den
für 579,- € oder das
mit zusätzlich noch einem 4-5,6/45-200 mm/OIS-Objektiv für 999,- € (UVP) bekommen. OIS steht bei Panasonic übrigens für den Bildstabilisator, der – falls vorhanden – im Objektiv verbaut wird. Für Profis besser geeignet ist die ebenfalls erst vor kurzem erschienene
.

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