Samsung Galaxy Tab 7 Test: Eine Woche mit dem iPad-Herausforderer

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Samsung Galaxy Tab
In den nächsten beiden Monaten werden die Hersteller von Motorola über Toshiba, LG, Asus bis Lenovo und Acer mit ihren Android-Tablets Apples iPad angreifen. Bevor es soweit ist, werfen wir nach dem Viewpad-7-Test vor einigen Wochen noch einmal einen Blick auf den ersten echten ernst zu nehmenden Herausforderer, das Galaxy Tab von Samsung. Im Oktober 2010 hat Samsung das Tab in die Läden gebracht und damit einen Standard für Android-Tablets geschaffen. Bis jetzt gilt das Galaxy Tab neben dem iPad als das Referenzbrett dieser Geräteklasse. Grund genug, das Galaxy Tab eine Woche lang ausgiebig zu testen, bevor die ganzen Klone hier aufschlagen.

Hardware: Aufbau des Samsung Galaxy Tab

Samsung Galaxy Tab Rückseite
Packt man das Galaxy Tab aus, sieht man zunächst nur die schwarze edel-glänzende Frontseite, unten befinden sich die vier Bedientasten für Android, die in der neuen 3.0-Version Honeycomb bereits softwareseitig im Homescreen untergebracht wurden. Von links nach rechts sind das die Buttons für „Einstellungen“, „Home“, „Zurück“ und „Suchen“. Am oberen Rand ist nur der SAMSUNG-Schriftzug zu sehen. Dreht man das Galaxy Tab herum ist die weiße Rückseite zu sehen, die ebenfalls einen sehr edlen Eindruck macht. Oben sind das Objektiv der Backkamera und der kleine LED-Blitz zu sehen. An der rechten Seite des Galaxy Tab befinden sich die beiden Slots für die SIM- und die microSD-Karte sowie die Tasten für Lautstärke und ganz oben der Ein-/Aus-Schalter. Zum Laden und für die Datensynchronisierung wird das Galaxy Tab über den leider proprietären USB-Anschluss unten ans Kabel gehängt, zum Laden allein kann der USB-Stecker am anderen Ende auch in einen Adapter für Steckdosen gehängt werden. Der 3,5 mm Klinkenanschluss für Kopfhörer oder Headset befindet sich am oberen Rand. Insgesamt macht das Galaxy Tab einen wirklich hochwertigen Eindruck. Es ruckeln keine Teile, nirgendwo steht etwas über, alles macht einen stabilen und festen Eindruck. In der Hand fühlen sich die 375 Gramm des Tabs angenehm schwer an, ohne beschwerlich zu werden. Das liegt auch daran, dass der 7 Zoll große Mobilrechner hochkant genau in meine Hand passt. Hält man das Tab hingegen horizontal, muss man mit zwei Händen zupacken, da sonst das Übergewicht an der Seite zu groß wird, um noch komfortabel zu sein.

Der erste Start: Tipps für einen gelungenen Einstieg

Samsung Galaxy Tab Zubehör
Beim ersten Start muss man wie immer bei Android seinen Google-Account angeben (bzw. einen neuen einrichten, falls noch nicht vorhanden). Anschließend kann man in den Einstellungen das eigene WLAN-Netzwerk einstellen und kann unter Displayeinstellungen den LCD nach eigenen Bedürfnissen konfigurieren. Ein hellerer Bildschirm kann Weiß besser darstellen und ist bei Tageslicht besser zu sehen, dafür ist der Akku aber auch schneller leer. Es empfiehlt sich daher vor allem, wenn man die größtmögliche Helligkeit eingestellt hat, den Energiesparmodus nicht zu deaktivieren. Dieser passt die LCD-Helligkeit dem Akkustand an. Außerdem sollte man die Horizontale Kalibrierung durchführen. Dafür wird das Galaxy Tab einfach auf den Tisch gelegt, und die Horizontale Kalibrierung gestartet. Wer auch Apps installieren möchte, die nicht aus Googles Marketplace stammen, muss auch noch unter Anwendungen „Unbekannte Quellen“ aktivieren. Danach kann es dann aber losgehen.

Lesen auf dem Galaxy Tab: eBook-Reader und Internet

Samsung Galaxy Tab eBook-Reader
Mit 7 Zoll hat das Galaxy Tab genau die richtige eBook-Reader-Größe. Also installiere ich mir die eBook-Reader-App Aldiko und teste mein Lesevergnügen. Ich habe inzwischen einige Tablets und auch ein den Sony eBook-Reader testen können, und ich muss sagen, in dieser Reihe macht das Galaxy Tab keine schlechte Figur. Von allen Tablets lässt es sich am besten lesen, was einerseits am richtigen Format lag, andererseits aber auch daran, dass das Display des Galaxy Tab nicht ganz so schlimm spiegelt wie bei der Konkurrenz (iPad inbegriffen). Das Schriftbild ist für ein LCD-Display erstaunlich ruhig, aber nicht überall „messerscharf“ wie ein E-Ink-Display. Dafür ist das Galaxy Tab etwas heller und damit kontrastreicher als der Sony Reader – zumindest bei voller Helligkeit.

Galaxy Tab Newspaper
Vielleicht sind eBooks aber auch einfach das falsche Medium für ein Tablet. Schließlich bieten Tablets mit ihrem Farbdisplay auch die Möglichkeit Zeitungen und Magazine zu lesen. Samsung hat dafür sogar eine eigene App namens Reader Hub installiert. Dort kann man unter News bei Press Display zig Zeitungen aus aller Welt abonnieren. Ich habe mir eine 7-tägige Testversion des Alt-Neuöttinger Anzeigers runtergeladen. Bzw. versucht, denn nach etwa einem Drittel brach der Download ab. Das genügte aber schon, um zu sehen, was einen erwartet, denn dieses Drittel war die vollständige Vorschau. Da die vergrößerten Seiten nicht runtergeladen werden konnten, war das Zoomen in die Seiten nicht möglich, es entsprach aber im Grunde einfach einer vollständig eingescannten Zeitung. Dasselbe passierte mir dann auch beim Viechtaler Bayernwald-Boten. Auch von diesem konnten nur 34 Seiten Vorschau runtergeladen werden, dann brach der Download ab. Das hinderte Press Display allerdings nicht, beide angefangenen Downloads als vollständig zu zählen und mein Testguthaben entsprechend zu reduzieren. Kein Problem, so will ich eine Zeitung ganz sicher nicht auf einem Tablet präsentiert bekommen.

Galaxy Tab Browser
Bleibt ja immer noch das Internet. Hier habe ich die Gelegenheit genutzt, um den gerade frisch erschienenen Opera Mobile 11 Browser zu installieren. Der ist einiges komfortabler als der bordeigene Browser und kann noch schneller gemacht werden, indem man in den Einstellungen den Opera Turbo aktiviert. Dann werden die Webseiten über die Opera-Server umgeleitet und dort für schnelleren Download komprimiert. Opera Mobile bietet einen schnellen Seitenaufbau und HTML5-Unterstützung. Opera Mobile 11 nutzt dieselbe Engine wie die große Desktop-Version, ist aber für die Verwendung auf Tablets optimiert.

Musik hören und Videos schauen: Der MP3- und Videoplayer

Galaxy Tab Kopfhörer
Ganz ehrlich, für einen MP3-Player finde ich ein 7 Zoll-Gerät einfach zu groß. Darauf verzichten kann vermutlich dennoch kein Tablet-Hersteller. Mag es sinnvoll oder sinnlos sein, in jedem Fall sollte es, wenn man es schon anbietet, auch gut sein. Beim Klang hatte ich bei Verwendung meiner eigenen Kopfhörer keine Probleme, allerdings wäre ein Equalizer wünschenswert. Auch sonst sind die Funktionen ziemlich rudimentär. Bei meinem Smartphone stört mich das nicht sehr, aber auf einem Tablet hätte ich gerne mehr Komfort. Sortieren kann man die Songs nach Interpreten, Album oder Genre. Außerdem kann man über „Einstellungen-Neue Wiedergabeliste“ persönliche Wiedergabelisten erstellen. Kostenlose Alternativ-Musikplayer wie Winamp oder Songbird sind etwas netter gemacht, bringen aber keine wirkliche Besserung (von Shoutcast und kostenlosen Songs bei Winamp mal abgesehen). Wer partout auf dem Tablet Musik hören möchte, kann sich aber für rund 3,50 € Poweramp (4,99 USD) installieren. Der bringt dann auch einen Equalizer mit, nebst allerlei weiteren Komfortfunktionen.

Als Videoplayer ist das Galaxy Tab für kurze Musik- oder Youtube-Videos gut bis sehr gut geeignet, der Prozessor machte auch bei HD-Content nicht schlapp, das Bild ist satt gefärbt und klar. Filme möchte ich auf einem 7 Zoll großen Display ohnehin nicht sehen. Etwas verwirrend ist darüber hinaus, dass der Lautstärkeregler lauter stellt, wenn man links drückt und rechts leiser wird. Das ist man genau anders herum gewohnt.

Gaming: Spiele für das Galaxy Tab

Galaxy Tab Air Attack
Ich finde 7 Zoll kein wirklich gutes Format für Games. Sicher, es ist wesentlich größer als die Displays von Handhelds oder Smartphones. Und zumindest solange man nur die aufgeblasenen Handyspiele zockt, kann man mit dem größeren Display ja ohnehin nicht viel anfangen. Dennoch wünsche ich mir neue Spiele, die das größere Display ausnutzen und möchte dann eigentlich auch ein 10 Zoll Display haben. Gut, lassen wir meine persönlichen Befindlichkeiten beiseite und sehen wir, wie gut man auf dem Galaxy Tab zocken kann. Ich habe mir meine kostenlosen Favoriten AntSmasher, NinJump, Labyrinth Lite, Stupid Zombies und Angry Birds installiert. Außerdem Air Attack HD, um die Grafik auch mal etwas herauszufordern. Alle Games ließen sich vollkommen flüssig spielen, der Programmstart war bei keinem Spiel ungewöhnlich lang. Vor allem Air Attack HD machte auf dem Galaxy Tab richtig Spaß und hatte mit den 7 Zoll auch sichtbar die Idealgröße gefunden. Die Spieleentwickler können aus der Hardware also gewiss noch mehr herausholen. An die Grenzen stößt das Galaxy Tab mit seinem 1GHz-Prozessor erstmal sicherlich auch noch nicht. Und zumindest die bislang erhältlichen und für Smartphones entwickelten Spiele sehen auf 7 Zoll auch noch besser aus als auf 10 Zoll.

ThinkOffice und Social Hub: Für Büroarbeiten nur bedingt geeignet

Galaxy Tab Kalender
Zum Öffnen und Bearbeiten von Office-Dokumenten ist ThinkFree Office vorinstalliert. Leider können damit nur Microsoft Office-Dateien bearbeitet werden, Open- oder LibreOffice-Dateien sind nicht kompatibel. Zudem ist das Schreiben auf dem Tablet trotz Swype (eine gut funktionierende Worterkennung durch Drüberwischen über die Buchstaben) ziemlich mühselig. Um aber ein paar Wörter auszuwählen und Fett zu machen oder einen Absatz per Copy&Paste in eine Mail zu übertragen, genügt es. Für die Kommunikation gibt es neben Google Mail und der Mail-App für andere Mailkonten auch die von Samsung Social Hub genannte App, in der die Konten von Facebook, Twitter, MySpace und sogar Exchange zusammenlaufen.

Kamera: Guter Sensor mit wenig Auflösung

Hegel, letzte Ruhestätte
Die Kollegen im Büro lachen schon, wenn ich mit einem Tablet auf Fotosafari gehe. Klar, im Grunde fotografiert niemand mit einem Tablet. Schon gar nicht, wenn nur eine 3,2 MP-Kamera verbaut ist, selbst wenn diese von einem LED-Blitz flankiert wird. Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass die Hersteller die Kameras aus den Tablets rauslassen und das Geld lieber für sinnvolle Features nutzen sollten. Mit einem Tablet telefoniert niemand und es fotografiert auch niemand damit. Dennoch – wenn es denn schon eingebaut wird, kann man es gut oder schlecht machen. Und was man gut oder schlecht machen kann, sollte man auch testen. Im Falle des Galaxy Tabs ist es eher gut gemacht. Störend empfand ich nur das Tablet-typische Problem, dass es keinen Auslösebutton gibt. Statt dessen muss zum Auslösen mit dem Finger auf das Display gedrückt werde, wobei man unweigerlich das Display, das ohnehin nur wacklig mit der linken Hand gehalten wird, nach vorne und zur Seite weg drückt. Dafür kann die Bildqualität – unter Berücksichtigung der 3,2 Megapixel und des kurzen Objektivs – durchaus gefallen. Die Innenaufnahmen weisen ein sehr feines Rauschen auf, das ich aber nicht als störend empfinde, die Außenaufnahmen weisen bei guten Fotobedingungen ausreichend Schärfe und korrekte Farben auf. Auch unser Beispielbild von Hegels Grab ist in allen Bildbereichen scharf und gibt die Farben nur einen Hauch zu blass wieder. Samsung hat es wohl richtig gemacht, und statt einer 8 MP-Kamera mit schlechtem Sensor einfach das Beste aus einer 3,2 MP-Kamera herausgeholt. Als Ersatzkamera im äußersten Notfall kann man das Galaxy Tab also durchaus mal nutzen, öfter will man vermutlich eh nicht.

Navigation: Mit Google Maps komfortabel ans Ziel

Galaxy Tab Navigation
Navigation ist dank Google Maps inzwischen eine der großen Stärken von Android. Auf Maps können der eigene Standort ermittelt, Restaurants, Cafés, Läden, Tankstellen, Sehenswürdigkeiten usw. in der Umgebung gefunden und Routen geplant werden. Wer nicht tippen will, kann die Sprachausgabe aktivieren und sein Ziel einfach einsprechen und über StreetView kann man sich sein Ziel auch schon vorher ansehen. Dafür einfach in Google Maps lange an der richtigen Stelle auf die Karte drücken und warten, bis sich das Auswahlmenü öffnet. Dort muss man dann für die StreetView-Ansicht auf das gelbe Männchen ganz rechts klicken. Auch zahlreiche weitere Apps machen sich inzwischen das GPS-Modul der Android-Endgeräte zu nutze. Wie viele und welche davon in einem Tablet Sinn machen, muss sich jeder selbst beantworten. Im Market gibt es jedenfalls endlos lange Auswahl. Mir persönlich ist das Galaxy Tab für ein richtiges Navi jedenfalls zu groß, da fand ich das 2 Zoll kleinere Dell Streak deutlich besser in der Handhabung. Das Galaxy Tab ist vielleicht eher geeignet, um zu Hause in Ruhe eine Route zu suchen. Aber dafür kann man natürlich auch den PC nehmen.

Fazit: Tolles Entertainment-Tablet mit hohem Spaßfaktor

Galaxy Tab Vergleich
Keine Frage, das Galaxy Tab von Samsung mag kein Knaller sein, aber es macht richtig Spaß sich damit aufs Sofa zu setzen und im Internet zu surfen oder Games zu zocken. Auch als Videoplayer für YouTube u.a. macht das Galaxy Tab eine gute Figur, als MP3-Player ziehe ich kleinere Endgeräte vor. Lieber als das 7 Zoll Display wäre mir persönlich ein 10 Zoll Tablet gewesen (als Größenvergleich auf dem Bild rechts neben dem Samsung Galaxy S mit 4 Zoll Display). Das liegt daran, dass ich ein Tablet eher gemütlich zu Hause nutze, sodass Mobilität für mich zweitrangig ist. Andere werden dies anders sehen. Gegen das Samsung Galaxy Tab spricht meiner Meinung nach – sofern man ein 7 Zoll großes Tablet sucht – nur der exorbitant hohe Preis, den Samsung dafür haben will. Der wurde allerdings in den letzten Monaten ordentlich nach unten geschraubt. Während die unverbindliche Preisempfehlung von Samsung nach wie vor bei 599,- € liegt, bekommt man das Galaxy Tab im Online-Handel schon für rund 400 €, also für etwa die Hälfte. So berechnet Amazon für das Galaxy Tab derzeit nur noch 400,79 €, einige Händler aus dem Marketplace machen sogar noch günstigere Angebote. Wer ein kleines, schickes und schnelles Tablet sucht, kann hier bedenkenlos zuschlagen, alle anderen warten auf die neuen 10 und 8,9 Zoll Samsung Galaxy Tablets.

Pro: Design, Verarbeitung, Gaming, eBook-Reader, Kamera, Videoplayer
Contra: Reader Hub, Office-Dateien bearbeiten

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