Sarah’s Inbox: Palins Emails im Google Mail-Design

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Wer sich auch nur ein wenig für US-Politik interessiert, oder einfach gerne die teils absurden Eskapaden des republikanischen Stars Sarah Palin verfolgt, der hat sicher mitbekommen, dass diese ihre gesamte Email-Korrespodenz aus ihrer Amtszeit als Gouverneurin von Alaska offenlegen musste. Dank einer Transparenz-Initiative gibt es die Emails nun in einem voll durchsuchbaren Format, das wie die das Postfach von Google Mail daherkommt.

Als Sarah Palin im Präsidentschaftswahlkampf 2008 als “Running Mate” des republikanischen Kandidaten John McCain präsentiert wurde, hatten die Medien über Nacht einen neuen Liebling: Ein wenig exotisch, gut aussehend, bodenständig (manche würden sagen: einfach), direkt. In der Folgezeit, insbesondere nach dem verlorenen Wahlkampf, forcierte Palin ihren Status als Ikone der erzreaktionären Tea Party-Bewegung und wurde so noch populärer und polarisierender. Derweil holte sie der Ärger ihrer Vergangenheit ein. An ihrer Amtszeit als Gouverneuring von Alaska wurde immer mehr Kritik laut, so gab es zum Beispiel Vorwürfe der Vetternwirtschaft und des Amtmissbrauchs.

Nach einem langen Hin- und Her entschieden die Gerichte daher vor einigen Wochen, dass Sarah Palin die gesamte Email-Korrespodenz, die von ihrem Dienstkonto erstellt wurde, offenlegen musste. Zunächst waren diese nur als Ausdruck in Papierform erhältlich, die kiloschweren Kisten mussten eigenhändig aus Alaska abgeholt werden mussten. Mittlerweile sind jedoch alle Dokumente aus eingescannt worden und liegen digital vor. Und damit lässt sich doch was anstellen, so der Gedanke einiger Transparenz-Aktivisten.

Sarah’s Inbox nennt sich das von der Sunlight Foundation initiierte Projekt, in dem über 14.000 Emails aus ihrer Amtszeit von 2006 bis 2009 präsentiert werden. Das Besondere: Die Seite ist aufgemacht wie ein Email-Konto bei Google Mail, bietet also wie gewohnt einen Posteingang, einen Postausgang, die Threadansicht und eine komfortable Suchfunktion, mit der man sich auf Spurensuche begeben kann. Man kann sogar, wie beim Vorbild, einzelne Emails mit einem Stern favorisieren. Ebenso lassen sich die meistfavorisieren Emails direkt anwählen.

Die Software stand bereits vorher, denn bereits vor einem Jahr veröffentlichte man Elena’s Inbox (wie auch in Palins Fall ist der Apostroph dem englischen Eigennamen geschuldet), der Postkorrespodenz der Richterin Elena Kagan am US-Supreme Court.

Die Hauptarbeit bestand also darin, alle Dokumente zu scannen und zuzuordnen, was eine aufwändige und vor allem teure Arbeit war. Dementsprechend weist die Sunlight Foundation auch darauf hin, dass sehr viele Emails nur schwer lesbar sind. Die Drucke sollen oftmals von minderer Qualität gewesen sein (mit Absicht?), so dass die OCR-Software, die zur Digitialisierung der Schrift notwendig ist, oftmals überfordert war.

Dennoch: Obwohl sich bereits alle großen Medienhäuser auf die Dokumente eingeschossen haben, wurde der ganz große Skandal bislang nicht aufgedeckt. Die Tragweite der von Wikileaks gewohnten Dokumente erreicht dieser Fall ohnehin nicht, jedoch bietet auch Sarah’s Inbox ein optimales Werkzeug, in dem auch die Masse forschen kann. Auf diese Weise kommt vielleicht die ein oder andere Tat ans Tageslicht, die bislang übersehen wurde.

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Sarah’s Inbox
Sarah Palins gesamte Email-Korrespodenz im durchsuchbaren Google Mail-Format

Bild: Gov. Sarah Palin in Dover, NH von sskennel (cc)


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