Street View: Widerspruch einlegen oder Widerspruch zum Widerspruch einlegen?

Frank Ritter
10

street-view-car
Die Diskussion um Google Street View dominiert derzeit die Technologie-Berichterstattung. Die Street View-Verteidiger freuen sich, dass die Technologie bald endlich auch das Herumfahren durch deutsche Großstädte ermöglicht. Datenschützer bemängeln hingegen, dass der Vorab-Einspruch gegen Street View nur in der Ferienzeit möglich wäre. Wir sagen, wie man der Aufnahme des eigenen Hauses bei Street View erreicht werden kann, aber auch — warum man sich das noch einmal überlegen sollte und wie man einem solchen Einspruch mit einem Augenzwinkern widersprechen kann.

Zunächst einmal: Wer widersprechen will, dass sein Haus bei Google Street View auftaucht, kann das ab dem 17. August tun über google.de/streetview tun. Das Einspruchstool ist mindestens 4 Wochen zugänglich. Man kann aber auch schriftlich Widerspruch einlegen. Dazu reicht eine kurze E-Mail an streetview-deutschland@google.com oder ein formloser Brief an

Google Germany GmbH
betr.: Street View
ABC-Straße 19
20354 Hamburg

Wer nicht weiß, was man schreiben soll, die Anwaltskanzlei Ferner hat ein PDF veröffentlicht, das man nur ausdrucken, ausfüllen und abschicken muss.

Kostenloser Download: Google Street View-Widerspruch (PDF)
Ausdrucken, ausfüllen, abschicken

Trotzdem sollte man es sich gut überlegen, gegen Street View zu widersprechen. Denn die derzeit verbreitete Panik wird meiner Meinung nach dem Sachverhalt nicht gerecht. Was ist dran an Street View? Für die einen handelt es sich um einen praktischen Dienst, der die Orientierung in unbekannten Gegenden einer Stadt, die Urlaubsplanung oder die Wohnungssuche erleichtert. Für die anderen ist es das apokalyptische Instrument des Datenkraken Paul Google zum Erlangen auch des letzten Rests von Informationen über jeden Bürger. Politiker, die dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung, zum elektronischen Personalausweis und zum SWIFT-Abkommen zum Ausliefern von Kontodaten mit den USA unkritisch zugestimmt haben, sind plötzlich kredible Datenschützer, die vor dem allumfassenden Datenhunger Googles den warnenden Zeigefinger heben. Unisono wird von Mitgliedern des Bundestags, die gerne mal unliebsame Gesetze zur Fußball-WM durchwinken, kritisiert, dass Google die Einspruchsfrist auf die Ferienzeit legt, was nur sehr begrenzt stimmt, wenn man sich die Ferientermine mal genauer ansieht. Bürger posieren für ein Zeitungsfoto vor ihrem Haus stehend und äußern ihre Bedenken dagegen, dass das Bild ihres Hauses bei Street View öffentlich zugänglich ist. Mitglieder des Bundestags äußern sich bestürzt darüber, dass Google zeige, mit welcher Kleidung sie aus dem Haus gängen.


Größere Kartenansicht
Haus in Street View: Eine Einladung für Einbrecher?

Den Gipfel der Paranoia besteigen jene, die in Street View ein Werkzeug des Terrorismus und marodierender Einbrecherbanden sehen. Solche Dinge gibt es, aber kein Einbrecher und kein Terrorist, der seine Untat plant, wird eine sorgfältige Observierung des beobachteten Objekts durch eine Street View-Recherche ersetzen können. Wer hingegen Angst hat, dass Daten zur eigenen Person mit Informationen zum Wohnmilieu verknüpft werden, dürfte sich wundern, wenn er erführe, was schon längst in mehr oder weniger obskuren Datenbanken gespeichert ist. Man braucht kein Street View, um zu wissen, dass in Berlin-Zehlendorf mehr zu holen ist als Neukölln.

Hier ein Gedankenbeispiel: Was, wenn Google Street View tatsächlich einfach nur ein weiterer cooler Google-Dienst ist, der das Leben erleichtert, Städte aus der Ferne im wörtlichen und übertragenen Sinne erfahrbar macht? Bevor man sein Haus nun durch Google verfremden lässt, sollte man zumindest das in Betracht ziehen.

Deutschlands Social Media-Guru Sascha Lobo hat ganz in diesem Sinne einen Formbrief zum Widerspruch gegen den Widerspruch erstellt. Ob der Gehör finden wird, ist zwar zu bezweifeln. Trotzdem – ein netter Gag und ein Dokument mit guter Argumentation.

Wir vom LoadBlog machen keinen Hehl daraus, dass wir Street View positiv gegenüberstehen. Aber was meint ihr – ist für euch Google Street View ein Eindringen in die Privatsphäre, ein Risiko für den Datenschutz? Lasst ihr euer Haus tilgen? Lasst uns diskutieren – in den Kommentaren.

Foto “Street View Car”: byrion (cc)

Neue Artikel von GIGA SOFTWARE

GIGA Marktplatz