Studie: Jeder dritte Deutsche hat schnelles Internet - international bleibt Deutschland Entwicklungsland

Philipp Süßmann

Eine Studie zeigt: Das Internet in Deutschland wird immer flotter, jeder dritte deutsche Haushalt verfügt mittlerweile über einen High-Speed-Internetanschluss. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland allerdings deutlich zurück.

Höher, schneller, weiter

Deutschland lechzt nach High-Speed-Internet, und es geht tatsächlich voran: Der Verband BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) hat, basierend auf Untersuchungen der deutschen Bundesnetzagentur, einen Bericht über den Stand der Internet-Verbreitung veröffentlicht. Und da hat sich einiges getan:  2010 hatte bereits jeder dritte deutsche Haushalt einen Anschluss mit einer Downloadgeschwindigkeit von über 10 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Gerade einmal ein Jahr zuvor war es erst jeder vierte. Über 40 Prozent der deutschen Haushalte haben hohe Bandbreiten von mindestens 50 Mbits/s zur Verfügung. Doch dass man theoretisch so einen Anschluss zur Verfügung hat, heißt noch lange nicht, dass man ihn nutzt. Denn das tun tatsächlich die wenigsten, gerade einmal ein Prozent dieser Haushalte nutzt diese Anschlüsse. Und das, obwohl die schnelle Netznutzung mittlerweile auch preislich erschwinglich geworden ist.

Gesamt sieht die Netzsituation in Deutschland so aus: Jeder achte Haushalt verfügt über einen Anschluss zwischen 144Kbit/s und 2Mbit/s. Mit einem Anteil von 45 Prozent am meisten verbreitet sind Zugänge mit Geschwindigkeiten zwischen 2 und 10 Mbit/s. Downloadraten zwischen 10 und 30 Mbit/s nutzt jeder vierte Haushalt, Turbo-Internet zwischen 30 und 100 Mbit/s nutzen gerade einmal 5 Prozent.

Trotz hoher Kosten noch viel Raum nach Oben

Umsonst ist der Netzausbau natürlich nicht: Fast 4 Milliarden Euro wurden 2010 in den Ausbau der deutschen Netze investiert, das muss allerdings laut Schätzungen der BITKOM in den nächsten Jahren noch mehr werden. Weitere 30 bis 40 Milliarden wären notwendig, um den Aufbau der schnellen Netze sicherzustellen. „Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist die flächendeckende Verfügbarkeit von superschnellen Internetverbindungen unverzichtbar“, meint BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. Nicht nur, damit

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wir alle künftig noch ein bisschen schneller surfen können, sondern weil wichtige Zukunftsprojekte, wie etwa intelligente Strom- und Verkehrsnetze, auf ein leistungsfähiges Breitbandnetz angewiesen sind. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2014 sollen für 75 Prozent der deutschen Haushalte Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s zur Verfügung stehen, das zumindest besagt  die sogenannte Breitbandstrategie der Bundesregierung.

Das klingt ehrgeizig, ist aber wohl auch nötig, denn im internationalen Vergleich hinkt Deutschland laut einer OECD-Studie hinterher. Die durchschnittliche maximale Bandbreite liegt in Deutschland bei 17 Mbit/s, der OECD-Durchschnitt liegt mit 37 Mbit/s deutlich höher. Deutschland liegt damit gerade einmal im hinteren Mittelfeld, Korea oder Skandinavien sind uns weit voraus. Für ein Hochtechnologie-Land wie Deutschland nicht gerade ein schmeichelhaftes Ergebnis. Und weiterhin gibt es bei uns viele ländliche Regionen, in denen man von High-Speed Internet nur träumen kann. Also muss das Motto auch weiterhin heißen: Schaffe schaffe, Netzle baue!

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Bild: Internetkabel von dkpto (cc)

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