Terraria Test: Viel mehr als nur Minecraft 2D

Tobias Heidemann

Dreist kommt weiter. Indie-Entwickler Re-Logic hat sich einfach das erfolgreiche “Minecraft”-Prinzip gemopst (das im übrigen gerade in der Version 1.7.2 erschienen ist) und es in die zweite Dimension programmiert. Herausgekommen ist dabei sehr viel mehr als ein Klon des Massenphänomens. Die Welt von „Terraria“ ist motivierend und magisch. Wir stellen euch unsere neue Sandkastenliebe vor.

Terraria Test: Viel mehr als nur Minecraft 2D

„Create World“ heißt es im minimalistischen Startfenster von „Terraria“. Das wirkt wenig einladend. Außerdem ist es schon spät; aber ich habe mir nun mal fest vorgenommen, wenigstens einen kurzen Blick in das kleine Spiel mit dem großen Vorbild zu werfen. Also führe ich meinen Mauszeiger etwas mürrisch über das veraltete Textfeld und klicke.

Es ist ein kleiner Klick für mich – ein riesiger für die Spielerwelt von „Terraria“. In wenigen Sekunden werden unzählige Wälder, tiefe Kerker, verborgene Schatztruhen, glitzernde Erze, fiese Monster und fliegende Inseln generiert. Per Zufall versteht sich. Keine Welt gleicht hier der anderen. Der „GIGA-Man“ – so habe ich mein digitales Alter-Ego genannt – steht mitten drin, in dieser fremden Welt. Erschaffen wurde der hässliche Pixel-Winzling im Charakter-Editor von „Terraria“. Mehr als ein paar rudimentäre Farbeinstellungen gibt dieser allerdings nicht her. Grafik und Präsentation gehören schon mal nicht zu den Stärken des zweidimensionalen “Minecraft”-Klons. Muss ja auch nicht, schließlich ist auch „Terrarias“ großer Bruder nicht gerade ein Inbegriff von High-End-Optik.

Die Stärken von „Minecraft“ liegen woanders. Im Erschaffen, Erkunden und Ausprobieren – im vorsichtigen Aneignen der Umgebung. „Terraria“ transportiert diese suchterzeugenden Eigenschaften einfach direkt in die zweite Dimension. Schon wenige Minuten nach der Ankunft des GIGA-Man in der Spielwelt, ist es um mich geschehen. Die grünen Schleimwesen, die mich in der Wildnis von „Terraria“ immer wieder angreifen, mögen für mein Holzschwert noch keine besonders große Gefahr darstellen – doch irgendetwas sagt mir, dass ich es nachts mit ganz anderen Kalibern zu tun haben werde.

Also benimmt sich der GIGA-Man erst einmal wie die Axt im Walde und hackt im Takt der meditativen Melodie von „Terraria“ auf ahnungslose Laubwälder ein. Der komische Guide-NPC, der mir die ganze Zeit seltsam ferngesteuert hinterherläuft, wird erst mal ignoriert. Seine umständlich formulierten Sprechblasen-Tipps verwirren den GIGA-Man nur. Ich folge einfach meinem Instinkt und der sagt: Haus bauen!

Die ersten Schritte des

Die ersten Schritte des “GIGA-Man” in der bedrohlich-schönen Welt von “Terraria”

Über die ESC-Taste lande ich im Inventar des GIGA-Man. Viel hat der Knabe noch nicht dabei: Ein bisschen Dreck, etwas Schleim von dem erlegten Ungeziefer und jede Menge Holz. Eine unauffällige Leiste unter dem Inventar will mir wohl deuten, dass hier Handwerksoptionen darauf warten, benutzt zu werden. Besonders zugänglich ist das allerdings nicht. Vielleicht hätte man sich doch intensiver mit den Tipps des NPCs beschäftigen sollen. Ein paar Überlegungen später ist es dann doch vollbracht. Der GIGA-Man verfügt nun über eine Werkbank, mit deren Hilfe er über 100 Gegenstände herstellen kann. Alles was es nun braucht, sind die richtigen Rohstoffe. Bessere Waffen, neue Werkzeuge, Tränke, Ziegelsteine, Uhren, Möbel, Schmelzöfen – die Produktionsmöglichkeiten sind Legion.

Doch eins nach dem anderen. Der GIGA-Man braucht erst einmal ein Dach über den Kopf, bevor er auf Schatzsuche gehen kann. Kurz vor Einbruch der Nacht ist mein erstes Bauwerk vollendet. Mit meinen Holzvorräten und wenigen Klicks habe ich meiner Spielfigur einen notdürftigen Unterschlupf errichtet. Als die Sonne hinter den Blumenfeldern verschwindet, erfüllt auch schon ein unheimliches Stöhnen den Nachthimmel. Zombies! Und fliegende Dämonen-Augen? Schräg. Aber egal, der GIGA-Man ist sicher.

Schnell kann man in

Schnell kann man in “Terraria” Großes erreichen.

Viele gefährliche Nächte später ist aus meinem hektisch hingeklatschten Flüchtlingslager ein mehrstöckiges Prachthaus geworden, in dem meine komplett eingerichteten Zimmer darauf warten, von einem der zahlreichen NPCs in „Terraria“ bezogen zu werden. Ein alter Mann, eine Krankenschwester und ein Händler sind schon in die WG des GIGA-Man eingezogen. Für die Aufnahme des Waffenhändlers, der Dryade oder des Schneiders erfülle ich wohl noch nicht alle Voraussetzungen. Kein Wunder – schließlich habe ich auch erst einen winzigen Teil der Spielwelt wirklich erkunden können.

In der Blutmond-Nacht sind Monster besonders stark.

In der Blutmond-Nacht sind Monster besonders stark.

Immerhin bin ich auf meinen Spitzhacken-Exkursionen in die Unterwelt schon auf so manche Überraschung gestoßen. Zum Beispiel auf die korrumpierte Zone, einen sehr gefährlichen Ort. Dort warten fliegende Seelenfresser und andere Monster darauf, über den GIGA-Man herzufallen. Diese Zone ist sogar infektiös und greift auf das umliegende Land über, wenn man ihr nicht mit Steinmauern, Reinigungspulvern und Sonnenblumen Einhalt gebietet. Bis zum Kern der Welt „Terraria“ konnte der GIGA-Man aber noch nicht vordringen. Es heißt aber, dass dort unten in den verwinkelten Höhlensystemen sogar kristallene Herzen, die die Lebenserwartung erhöhen und fiese Boss-Gegner darauf warten, entdeckt zu werden. Sogar Raketenschuhe soll es in den unbekannten Untiefen gegen. Ich kann es kaum erwarten, all das zu entdecken.

Fazit

Um die Bosskämpfe und die viele versteckten Geheimnisse muss sich der GIGA-Man leider ein anderes Mal kümmern, denn auch in der richtigen Welt ist die Zeit vergangen. Beim Spielen von „Terraria“ bekommt man davon allerdings nicht viel mit, denn der geistige Bruder von “Minecraft” ist nicht weniger suchterregend als sein erfolgreiches Vorbild. Die Erkundung der riesigen, zufallsgenerierten Spielwelt, das Errichten von gigantischen Bauwerken und der Reiz des Experimentierens verbinden sich mit den neuen Spielelementen zu einem ganz eigenständigen Spielerlebnis. Das Sandbox-Abenteuer „Terraria“ verfügt über einen sehr speziellen Reiz, der uns tief in die riesige Spielwelt hineinzieht. Mit bis zu acht Mitspielern im Multiplayer-Modus macht die Erkundung dieser wundervollen Welt übrigens gleich doppelt so viel Spaß.

So komplex „Terraria“ mit seinen über 100 Handwerksgegenständen auch sein mag – die zweidimensionale Spielwelt stellt gegenüber „Minecraft“ auch eine echte Einschränkung der kreativen Möglichkeiten dar. Auch etwas mehr Gegnervielfalt und eine etwas komfortablere Bedienungsoberfläche hätte „Terraria“ sicher sehr gut zu Gesichte gestanden. Da es sich bei „Terraria“ aber um ein 10€ Indie-Game von geradezu gewaltigem Umfang handelt, bleibt eigentlich nur eins zu sagen: Kaufen!

Derzeit kostet der kleine Indie-Hit 7,49 € bei Steam. Leider gibt es, anders als bei Minecraft, keine Demo.

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Für derzeit 7,49€ bei Steam

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Die kostenlose Minecraft-Demo

Der Text erscheint mit freundlicher Genehmigung von unseren Kollegen bei giga.de.

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