Test: Eine Woche mit dem HTC 7 Pro - Top oder Flop?

Shu On Kwok
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Wer sich ein heutzutage ein Smartphone kauft, sollte auch einen genauen Blick auf das installierte Betriebssystem werfen. Neben den beiden Giganten Apples iOS und Googles Android OS gibt es noch webOS, Symbian und Microsofts Windows Phone 7. Letzteres Betriebssystem hat es momentan extrem schwer sich am Markt zu etablieren. HTC versucht mit dem 7 Pro nun auch die Vielschreiber und Geschäftskunden wieder zurückzugewinnen. Ich konnte die mobile Schreibmaschine ein paar Wochen lang testen und kam zum Schluss: Hardware = Top, Software = Naja.

Wer hätte noch Anfang des 21. Jahrhunderts gedacht, dass die High Tech Computer Corporation, kurz HTC, sich zu einem der größten Smartphone Hersteller am weltweiten Markt aufschwingen würde. Binnen 14 Jahren hat HTC es geschafft von einem OEM Hersteller zu einem namhaften Hersteller zu entwickeln: HTC wird mittlerweile in einem Atemzug mit Nokia, Sony Ericsson oder gar Samsung, Motorola oder LG genannt. Traditionell hat HTC schon immer ein Faible für Microsofts mobile Betriebssysteme gehabt, so ist es nicht verwunderlich, dass man auch Geräte mit Windows Phone 7 produziert.

Der erste Eindruck

Als alter Nokia Communicator Nutzer habe ich mich gefreut, das HTC 7 Pro testen zu dürfen. Mittlerweile hat man sich sicher an Bildschirmtastaturen gewöhnt hat und kann damit auch schon relativ schnell tippen. Dennoch gibt eine physische Tastatur ein besseres Gefühl und mehr Kontrolle beim Schreiben von langen Texten. Das HTC 7 Pro macht optisch und auch in der Hand einen sehr hochwertigen Eindruck. Das Gewicht ist mit 183 Gramm zwar hoch, aber mich hat es nicht gestört, da die Form des Smartphones angenehm war, auch bei längeren Gesprächen.

Jetzt will ich die Tastatur aber endlich ausprobieren. Bei meinem alten Communicator klappte man das Smartphone wie ein Brötchen auf und legte so Tastatur und ein innenliegendes Display frei. Beim HTC 7 Pro schiebt man das große Display nach oben weg und legt so die Tastatur frei. Die Mechanik macht auch hier einen sehr soliden Eindruck, es ist nur ein minimales Spiel drin und das Display rastet mit einem satten Klack in einer leicht gekippten Postion über der Tastatur ein. Qualitativ macht also das HTC 7 Pro einen sehr guten Eindruck, auch wenn das hohe Gewicht bei einigen Nutzern als nicht zumutbar gelten dürfte.

Die Bedienung

Auch wenn das HTC 7 Pro eine Tastatur hat, so ist Microsofts Windows Phone 7 Betriebssystem hauptsächlich auf die Touch-Bedienung ausgelegt. Das 3,6 Zoll große Display stellt 480 × 800 Pixel dar und wirkt sehr angenehm. Für eine ruckelfreie Darstellung sorgt intern ein Qualcomm 1 GHz Single-Core-Prozessor, dem 576 MByte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Nach dem ersten Anschalten und Einrichten von Windows Phone 7 begrüßen einem die zahlreiche Live Tiles auf der ersten Ebene. Eigentlich sollten auf den Live Tiles immer aktuelle Meldungen und Inhalte angezeigt werden, aber leider unterstützen noch zu wenige Anwendungen diese Funktion. Aus diesem Grunde sehen die meisten Live Tiles nur wie große quadratische App Icons aus.  Anwendungen sind erst auf der zweiten Ebene zu finden. Dort landen alle aus dem Marketplace gekauften Programme als allererstes. Wer die Programme auf die erste Ebene holen will, muss das selber vornehmen.

Was mich persönlich gestört hat, ist, dass Windows Phone 7 keinen zentralen Email-Posteingang hat. Jedes Postfach wird separat behandelt. Das nimmt aus meiner Sicht einfach zu viel Platz weg und führt schnell zu Scroll-Orgien. Scrollen muss man eh viel beim Windows Phone 7. Je länger ich das HTC 7 Pro testete, desto mehr Apps habe ich herunter geladen und das führt zu langem Scrollen.

Wer gerne viele und auch noch lange Texte schreibt, der dürfte sich über die vollwertige QWERTZ-Tastatur freuen. Wie schon eingangs erwähnt, macht die Tastatur einen sehr guten Eindruck. Diverse Sonderzeichen sind nur durch das Drücken der FN-Taste erreichbar. Aber das ist schnell zu erlernen. Im großen und ganzen ist aber die Tastatur sehr gut durchdacht und das Schreiben macht auf der Tastatur sehr viel Spaß.

Windows Phone 7 liebt Hochformat

Bei einem reinen Touchscreen Smartphone würde mich die Aussage gar nicht stören. Aber bei einem Smartphone mit seitlicher QWERTZ-Tastatur ist das tödlich. Wenn man die Tastatur verwendet, dann erwartet man, dass der Bildschirm sich entsprechend ausrichtet. Beim Email Client, Browser und ein paar anderen Anwendungen funktioniert es auch, aber leider ist es nicht konsequent durchgeführt worden. Es liegt die Vermutung nahe, dass Microsoft ein Gerät wie das HTC 7 Pro gar nicht vorgesehen hatte. Man kann jetzt nur hoffen, dass mit dem bald erscheinenden Copy & Paste Update, allerspätestens mit dem im Spätsommer erscheinenden „Mango“ Update, diese „Fehlstellungen“ korrigiert werden.

Marketplace: Viel Auswahl, aber teuer und zickig

Stetig füllt sich der Marketplace von Microsoft. Der Großteil der Apps ist aber kostenpflichtig. Zum Glück darf man sich vor dem Kauf eine Testversion, die entweder zeitlich oder in der Funktion beschränkt ist, herunterladen und ausprobieren. Für einen ersten Vorgeschmack auf die Vollversion reicht das vollkommen aus. Wenn man sich für die Vollversion entschieden hat, dann sollte man nicht erschrecken, denn die Preise im Microsoft Marketplace sind gepfeffert und liegen meistens über denen von Android Marketplace und dem Apple App Store. Außerdem kam es sehr häufig zu kryptischen Fehlermeldungen, meistens kam der bekannte Fehlercode “c00cee2b” bei mir vor. Dieser Fehler ist bekannt und kommt vor, wenn man mehrere Updates gleichzeitig ausführen will. Die Lösung für diesen Fehlercode ist es alle Updates einzeln auszuführen. Auch hier merkt man leider, dass Microsoft mit Windows Phone 7 noch in den Kinderschuhen steckt und noch diverse Löcher zu stopfen hat.

Die Zukunft: Mehr Gaming

Microsoft hat auf dem Mobile World Congress im Februar schon ein Ausblick auf die Zukunft von Windows Phone 7 gegeben. Diese Zukunft sieht vor allem für Gamer sehr rosig aus, da Smartphones mit Windows Phone 7 Betriebssystem in ferner, (oder doch naher Zukunft), aktiv an Xbox 360 Spielen teilnehmen können. Wie man künftig mit seinem Windows Phone 7 mitspielen kann, wird in diesem Video gezeigt:

Fazit: Hardware: Top – Software: Naja

Meine restlichen Eindrücke decken sich zum Größtenteils mit denen von Holger in seinem Test mit dem LG E900 Optimus 7. Generell muss man sagen, dass hardwareseitig die Hersteller einen guten Job machen. Es liegt nur noch an Microsoft den Feinschliff an Windows Phone 7 vorzunehmen. Copy & Paste ist wichtig, im Falle des HTC 7 Pro sollte Microsoft auch systemweit horizontale Darstellung ermöglichen, damit der Nutzer eines HTC 7 Pros nicht irgendwann eine Nackenstarre bekommt oder gar das Smartphone aus dem Fenster wirft. Im Moment sollte man es sich also genau überlegen, ob man sich ein Windows Phone 7 Smartphone holt.

Leider gibt es für das HTC 7 Pro nicht so ein Angebot wie beim LG E900 Optimus 7 auf Amazon. Beim Online-Versandhaus Amazon kostet das HTC 7 Pro

. Falls ihr ein Smartphone mit QWERTZ-Tastatur im Stile des HTC 7 Pro sucht, aber Euch kein Windows Phone 7 Betriebssystem antuen wollt, dann gibt es von HTC noch das Desire Z mit Android 2.2. Dieses Gerät kostet bei Amazon dann nur
.

PROs & CONs des HTC 7 Pro:


PRO

  • sehr gute Verarbeitung
  • sehr gute QWERTZ-Tastatur
  • ungewöhnliches Menü
  • rosige Zukunft für Xbox 360 Zocker, durch geplante und stärke Verknüpfung mit Xbox 360 Konsole

CONTRA

  • Browser kann noch nicht Flash und HTML5
  • noch kein Copy & Paste
  • kein systemweites Querformat für die Anzeige
  • ungewöhnliches Menü (für die diejenigen, die sich nicht auf etwas Neues umstellen können)
  • Betriebssystem noch mit einigen Macken

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