Thor: Der Shakespeare-Superheld - Film-Kritik und Trailer

Philipp Süßmann

Ab diesem Donnerstag schwingt der Thor seinen Hammer in den deutschen Kinos. Aber was in Comics funktioniert, kann in Filmen schnell lächerlich wirken. Wir verraten euch, ob das Filmdebüt des Donnergotts die Eintrittskarte wert ist.

Kann das gutgehen?

Seit 1962 gehört er zu den Heroen des Marvel-Comic-Universums: Thor, der Donnergott, Sohn von Göttervater Odin und Prinz der Götterwelt Asgard. Als Verteidiger der Schwachen und Schutzlosen schwingt er seinen mächtigen Hammer und sorgt mit seinen göttlichen Kräften für Frieden und Ordnung auf der Erde. Über 30 Jahre hat es gedauert, jetzt kommt mit “Thor” der erste Film über den blonden Hünen in die Kinos. Keine einfache Aufgabe, denn was in Comics funktioniert, kann in Filmen schnell lächerlich wirken. Vor allem, wenn ein 2,10m großer, skandinavischer Hüne mit mittelalterlichem Sprachduktus und einem großen Hammer in der Hand durch die Gegend stapft. Überzeugt “Thor” auch Skeptiker oder gerät der Superhelden-Film zur unfreiwilligen Lachnummer?

Ein Wikinger in der Wüste

In “Thor” ist die mystische Götterwelt Asgard ein fremder Planet tief im Weltraum, auf dem die mächtigen Asgardianer unter der Herrschaft von Odin (gespielt von Anthony Hopkins) ein friedfertiges Paradies errichtet haben. Doch Thor, Sohn von Odin und Erbe des Throns von Asgard, gespielt von Newcomer Chris Hemsworth, sieht den Frieden Asgards durch einen alten Feind bedroht. Als er sich über den Befehl seines Vaters hinwegsetzt, den Planeten der Forstriesen angreift und damit beinahe einen galaktischen Krieg anzettelt, trifft ihn die Strafe Odins: Thor wird seiner Kräfte beraubt und auf die Erde verbannt, wo er in der Wüste New-Mexicos prompt vor das Auto der Astrologin Jane (frisch nach dem Oscar: Natalie Portman) läuft. Doch während Thor sich in der Verbannung befindet, schmiedet sein Bruder Loki (Tom Hiddleston) einen tödlichen Plan, um in Asgard die Macht an sich zu reißen. Kann Thor seine göttlichen Kräfte zurückerlangen und Asgard und die Erde vor dem Untergang bewahren?

Starker Held und toller Schurke

Um es kurz zu machen: “Thor” ist nicht die Vollkatastrophe, die viele beim Anblick des Trailers oder vorab veröffentlichten Bilder befürchtet haben. Im Gegenteil, Marvel hat es einmal wieder geschafft, einem weiteren Kulthelden einen würdigen Kinoauftritt zu verpassen. Das liegt vor allen an zwei Elementen: Zum einen an Thor selbst, für den Darsteller Chris Hemsworth genau den richtigen Ton findet. Thema dieses Films ist Thors Wandlung vom arroganten Haudrauf zum selbstlosen Helden und Hemsworth schafft es, diese Wandlung glaubwürdig und nachvollziehbar darzustellen. Als Zuschauer kann man Thor über lange Strecken des Films nicht ausstehen, freut sich fast über seine Verbannung und die damit erteilte Lektion.

Wäre dem Star des Films diese Darstellung nicht gelungen, wäre “Thor” ein Film ohne Spannung und Drama. Aber Newcomer Chris Hemsworth ist nicht nur optisch ein mehr als würdiger Donnergott, er schafft es, dem hammerschwingendem Schreihals eine echte Persönlichkeit zu geben. Eine grandiose Leistung, die beweist, dass Marvel wieder einmal den richtigen Riecher für die Besetzung hatte. Ebenso kann der Gegenspieler des Films begeistern. Der junge Brite Tom Hiddleston gibt mit Loki, dem Gott der List und des Betrugs, einen der schillernsten Schurken ab, die in den letzten Jahren in diesem Genre zu sehen waren. Loki ist nicht einfach nur böse um der Bosheit willen, er hat Ziele und Motivationen, die ihn zu einer fast tragischen Gestalt machen. Besonders im Zusammenspiel mit Schauspiel-Veteran Anthony Hopkins läuft Hiddleston zur Höchstform auf, in manchen Szenen muss man unwillkürlich an Hamlet oder andere Shakespeare-Werke denken. Kein Wunder, denn mit Kenneth Brannagh sitzt ein echter Shakespeare-Experte auf dem Regiestuhl, was man “Thor” auch tatsächlich ansieht.

Trotzdem ist der Film keine steife Kostümparade geworden. Dafür sorgen nicht nur die zahlreichen und spektakulären Actionszenen und die knallbunte Optik der Götterwelt Asgard. Wenn Thor als ungestümer Nordmann durch ein kleines Wüstenkaff in New-Mexiko stapft, hat der Film auch echte Lacher zu bieten. Wermutstropfen gibt es dennoch: Natalie Portman verkommt als Frau der Begierde neben der wuchtigen Götterschlacht zur blassen Nebenfigur, die nichts zu tun hat, außer Thor mit verwundertem Blick und aufgerissenem Mund hinterher zu dackeln. Ihrem Talent wird diese Rolle in keinster Weise gerecht. Und auch andere Nebenfiguren sind so überflüssig, dass man sich fragt, warum sie überhaupt in den Film eingebaut wurden. Den Spaß trübt das allerdings nicht wirklich.

Fazit: Hammertime!

Thor ist Blockbuster-Kino, wie es sein soll: Spektakulär und spaßig, mit Action, die rockt, Gags, die zünden und einem Herz am rechten Fleck. Wenn ihr also noch nicht unter Superhelden-Overkill leidet, dann nichts wie ab ins Kino! Und falls ihr von “Thor” richtig begeistert sein solltet, könnt ihr euch schon auf nächstes Jahr freuen. Denn dann ist Thor zurück und zwar nicht nur er.  An der Seite von Iron Man, Captain America (der uns dieses Jahr ebenfalls noch mit seinem Filmdebüt beglückt) und dem Hulk formiert der Donnergott im Sommer 2012 das legendäre Super-Team “Die Rächer”. Ich freu mich jetzt schon wie ein Schnitzel.

Viel Spaß im Kino und zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Bleibt beim Abspann sitzen, eure Geduld wird belohnt werden!

Neue Artikel von GIGA FILM

GIGA Marktplatz