VZ-Netzwerke: Gesteigerte Umsätze, gescheiterte Verkäufe, schwindene Nutzer und ein neues Konzept

Philipp Süßmann
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Bei all dem Tumult um Google+ und dem Konkurrenzkampf mit Facebook hat man beinahe vergessen, dass es ja auch noch ein drittes großes soziales Netzwerk in Deutschland gibt: StudiVZ, MeinVZ, und SchülerVZ – die VZ-Netzwerke. Einst der König der deutschen Social Media, führt die Community mittlerweile beinahe ein Schattendasein. Wie geht es weiter mit den VZ-Netzwerken?

VZ-Netzwerke: Die fetten Jahre sind lange vorbei

Je höher sie steigen, umso tiefer fallen sie. Das StudiVZ ist ein Pionier der sozialen Netzwerke in Deutschland gewesen. Ursprünglich von drei Studenten ins Leben gerufen, hat die Seite einst das Prinzip “Soziales Netzwerk”  für eine Menge Menschen salonfähig gemacht, in einer Zeit, als hierzulande noch keine Sau “Facebook” auch nur kannte. Doch die Pionierarbeit hat sich für das StudiVZ nicht wirklich ausgezahlt. Früher oder später hatten alle mitgekriegt, dass auf Facebook doch mehr los ist als im ollen StudiVZ. Mittlerweile ist die frühere Starplattform fast verwaist.

Trotzdem scheint der Rubel noch zu rollen.  Wie VZ-CEO Clemens Riedl gegenüber dem Magazin Horizont bekanntgab, erzielten die VZ-Netzwerke (SchuelerVZ, StudiVZ, MeinVZ)  im ersten Halbjahr 2011 einen Gewinn “im siebenstelligen Bereich”. Zugleich wurde ein Umsatzplus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt. Das wäre das erste Mal, dass das VZ überhaupt Gewinn macht, der Holtzbrinck-Verlag hatte das Unternehmen 2007 für 85 Millionen Euro gekauft und seitdem nur Verluste eingefahren.
Das klingt erst mal nach einem Grund zur Freude, man fragt sich allerdings schon, woher diese kräftigen Gewinne kommen. Denn den VZ-Netzwerken, um es mal deutlich zu sagen, rennen die Nutzer in Scharen davon. Laut einer IVW-Zählung hatten die VZ-Seiten im Juni 2011 172 Millionen Besuche bei 3,2 Milliarden Seitenaufrufen. Zum Vergleich: Im Vorjahresmonat waren es noch 437 Millionen Besuche bei 11,4 Milliarden Seitenaufrufen. Das ist ein heftiger Absturz, der sich vermutlich weiter so fortsetzen wird.
Das sieht man wohl auch bei Holtzbrinck so, wollte man das VZ-Sorgenkind doch bis vor kurzem noch durch Verkauf loswerden. Aber auch das ist gescheitert, wie gestern das manager magazin meldete: Es habe sich einfach kein Käufer gefunden, der ein ausreichendes Angebot machen wollte.

Letzte Chance Relaunch

Wie geht es weiter mit dem VZ? CEO Riedl kündigte an, dass die Netzwerke kurz vor einem Relaunsch und einer Neuausrichtung stehen, offenbar ist klar, dass man mit der übermächtigen Konkurrenz einfach nicht mehr mithalten kann. Inhaltliche Details wurden allerdings noch nicht verraten. Eine Möglichkeit wäre, sich in Zukunft noch stärker auf die jüngere Zielgruppe zu konzentrieren. Denn auch wenn StudiVZ und MeinVZ den Kampf gegen Facebook & Co längst verloren haben, in der Zielgruppe 10-18 Jahre ist das SchülerVZ das beliebteste Netzwerk Deutschlands.

Bildquelle: Bitkom

Man darf gespannt sein, ob es für die VZ-Netzwerke weiterhin eine Zukunft gibt, oder ob ihre Zeit einfach abgelaufen ist.
Seid ihr noch bei den VZ-Netzwerken angemeldet und aktiv? Was könnte der Seite den Erfolg zurückbringen? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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