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Was sind Leerverkäufe?

Isacc Bah
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Frankfurter Börse
Alles verboten: Seit diesem Mittwoch verbietet die deutsche Finanzaufsicht BaFin ungedeckte Leerverkäufe von Aktien zehn wichtiger deutscher Finanzinstitute, zudem ebensolche Transaktionen mit Aktien und Staatsanleihen aus Ländern der Eurozone. Aber was sind Leerverkäufe eigentlich genau? Kurz gesagt: Bei Leerverkäufen handelt der Verkäufer mit Finanzprodukten, die er eigentlich gar nicht besitzt. Und versucht, von fallenden Kursen zu profitieren. Was der Unterschied zwischen gedeckten und nackten Leerverkäufen ist, und was die BaFin im Detail angeordnet hat, könnt ihr hier nachlesen.

Das Verbot ungedeckter Leerverkäufe – im Englischen auch als “Naked Short Selling” bezeichnet – ist nicht neu. Schon im September 2008, auf dem Höhepunkt der Bankenkrise,  untersagte die BaFin Leerverkäufe im Falle führender deutscher Finanzunternehmen wie der Deutschen Bank, der Postbank, der Münchener Rückversicherung oder der Allianz. Dieses Mal betrifft das Verbot neben Banken und Versicherungen auch den derartigen Handel von Staatsanleihen und darauf bezogener Kreditausfallversicherungen.

Um das Verbotspaket abzurunden, wird der Handel mit Kreditausfallversicherungen (CDS), die sich auf Staatsanleihen aus Euro-Mitgliedstaaten beziehen, gleich mituntersagt.

Leerverkäufe: Verkaufen, ja – Besitzen, nein

Bei Leerverkäufen jeglicher Art handelt der Verkäufer mit Finanzmarktsprodukten wie Aktien oder anderen Wertpapieren, die er eigentlich nicht besitzt. Geht es um einen gedeckten Leerverkauf, hat sich der Verkäufer das Produkt geliehen, das heißt er entrichtet an den Besitzer eine Gebühr und verpflichtet sich, die Wertpapiere innerhalb eines festgelegten Zeitraums zurückzuführen. Dafür ist der Leerverkäufer für diesen Zeitraum juristischer Eigentümer des geliehenen Wertpapiers. Diese Art von Transaktionen werden an den Finanzmärkten der Welt häufig praktiziert. Sie sind zwar legal, jedoch nicht unumstritten.

Ungedeckte Leerverkäufe folgen demselben Muster – allerdings mit dem nicht ganz so feinen Unterschied, dass der Verkäufer die Wertpapiere, mit denen er handelt, nicht einmal zur Leihe besitzt – also eigentlich gar nichts zum Handeln anzubieten hat. Eigentlich…

Leerverkäufe – nackt oder gedeckt – haben zum Ziel, von Preisrückgängen bei den gehandelten Wertpapieren zu profitieren. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob der Leerverkäufer sich diese geliehen hat, oder nur vorgibt, welche zu besitzen. Er verkauft seine Ware zum aktuellen Marktpreis und setzt auf schnell sinkende Kurse. Spekuliert er richtig, kann er die Papiere innerhalb weniger Tage zu einem günstigeren Preis wiedererwerben. Beim gedeckten Leerverkauf erhält der Verleiher seine Wertpapiere anschließend zurück – beim ungedeckten Leerverkauf  bekommt der Käufer letztendlich doch noch die Wertpapiere, die er bezahlt hat. Der Leerverkäufer kassiert in beiden Fällen die Differenz zwischen seinem Verkaufspreis und dem aufgrund der fallenden Kurse niedrigeren Einkaufspreis der Wertpapiere.

Aus nichts viel machen

Leerverkäufe nutzen zeitliche Lücken in der Geschäftsabwicklung. Da eine unmittelbare Lieferpflicht für Aktien nicht besteht, kommt es immer wieder zu Verzögerungen zwischen dem Kauf und Erhalt von Finanzmarktsprodukten. In Deutschland liegt der Lieferschluss zwei Geschäftstage nach dem Geschäftsabschluss. Im Euroraum gilt laut ISMA-Rahmenvertrag eine Frist von drei Geschäftstagen.

Zwar gibt es Regelungen zur Zwangsvollziehung von Finanztransaktionen, diese greifen jedoch frühestens nach zwei Geschäftstagen Verzug, und bis zur tatsächlichen Zwangsregulierung vergehen mindestens acht Tage  – in Börsenzeiträumen ausgedrückt eine Ewigkeit. Und für “Nackte Leerverkäufer” bleibt mehr als genug Zeit, aus dem Geschäft mit dem Nichts mit beachtlichen Gewinnen hervorzugehen – illegalen Gewinnen wohlgemerkt, denn diese Praxis ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Staaten verboten oder zumindest stark eingeschränkt.

Ob die Verbote etwas bringen, weiß unter Umständen nicht einmal Frau Merkel. Dass sie irgendwie richtig sein müssen, erklärt kaum jemand schöner als Bruno Jonas (ab Minute 2:10).

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