WeTab Rev. 2.0 im Test: Eine Woche mit dem Tablet der etwas anderen Art

Shu On Kwok

Android OS und Apples iOS dominieren den Tablet-Markt. Der eine mehr und der andere weniger. Es gibt aber auch andere Tablets, die in Betracht bezogen werden sollten. Das WeTab zum Beispiel kann jüngst mit der Preissenkung auf rund 250 € bei einigen Online-Händlern die eine oder andere Überlegung wert sein. Wir haben das etwas andere Tablet mit Intel-Technologie angeschaut und getestet.

Man muss ganz ehrlich sein, als das WeTab 2010 angekündigt wurde, da habe auch ich auf das Tablet „Made in Germany“ geschielt. Leider war zum damaligen Zeitpunkt die Software noch nicht so ausgereift, dass man das Gerät hätte bedenkenlos empfehlen können. Damals wurden einfach zu viele Features versprochen, die bis zum Erscheinen des Produktes nicht verfügbar waren. Nun sind ein paar Monate ins Land gegangen, und das Betriebssystem des WeTab, was im Grunde ein MeeGo- System ist, konnte reifen.

Mit dem WeTab Revision 2.0 ist nun anscheinend ein verbessertes System am Markt erhältlich, das bei zahlreichen Online Shops nun zum Kampfpreis angeboten wird. Von ehemals 449 für die 16 GB WLAN Model und 569 Euro für das 32 GB, WLAN und UMTS Model, ist nun der Preis auf
bzw.
gefallen. Neben dem Preis haben die 4ttitoo-Entwickler nun auch noch den Quellcode des Betriebssystems und auch das BIOS freigegeben. Diese beiden Faktoren machen das WeTab zu einem hervorragenden Tablet für Entwickler. Aber nun genug vom wenn und aber, das WeTab soll unter Beweis stellen, was es kann, wenn es mal kein Programmierer oder Entwickler in den Händen hält.

WeTab-Hardware – Netbook-Technik im Tablet-Gehäuse

Das WeTab, egal ob Revision 1 oder Revision 2.0, kommt mit Intels Atom-Technik. Damit gilt das WeTab unter den Tablets als Exot. Auch die Abmessungen machen es zu einem Außenseiter, denn anstatt eines maximal 10,1 Zoll großen Displays kann das WeTab mit 11 Zoll auftrumpfen. Die eingesetzte Atom-Technik sorgt aber leider auch für den ersten Kritikpunkt, denn Intels Netbook-Prozessor benötigt unter Last einen aktiven Lüfter. In einem Großraumbüro fällt der Lüfter nicht so sehr auf, aber wenn man das WeTab zu Hause im Wohnzimmer zum Surfen und als Entertainment-Gerät verwendet, dann ist das Geräusch schon etwas auffällig und nervig.

Die für ein Tablet gewaltigen Abmessungen haben auch einen Nachteil, denn das Gerät für längere Zeit in beiden oder gar nur mit einer Hand halten, ist kein Vergnügen. Im Testzeitraum hatte ich das WeTab meist auf dem Tisch oder auf den Beinen abgelegt.

Der erste Start

Nun aber soll es losgehen. WeTab einschalten und loslegen. Anders als bei zahlreichen anderen Tablets befindet sich der Anschaltknopf nicht auf einer der Seiten des Gerätes, sondern auf der Rückseite. Das hHochfahren ist relativ zügig vollzogen und das WeTab begrüßt einen mit einem für MeeGo-Frischlinge ungewohnten Desktop der anderen Art. Den Großteil des Bildschirms nimmt ein Desktop ein, auf dem schon zahlreiche Apps abgelegt sind. Links davon gibt es noch eine zusätzliche Leiste, auf der man wichtige Funktionen erreichen kann. Eines davon ist eine Scrollbar, mit der man den Desktop hoch und runterscrollen kann. Das ist besonders Klasse, weil man dann das Gerät mit beiden Händen halten kann und mit dem rechten Daumen schnell über den Desktop scrollen kann.

Surfen macht auf dem WeTab spass, da das Display eine Auflösung von 1366 × 768 häufiges Scrollen auf gehaltvollen Webseiten bleibt einem damit erspart. Natürlich ist auch die Flash-Unterstützung beim WeTab gegeben, aber das ist mittlerweile bei der Flut an Android Tablets, auch nicht mehr wirkliche ein Alleinstellungsmerkmal.

Auffällig beim WeTab ist das Display, das im Vergleich zu anderen Tablets sehr stark vom Blickwinkel abhängig ist. Rein subjektiv hat man das Gefühl, man darf das Tablet überhaupt nicht zur Seite neigen, sondern muss starr davor sitzen, um überhaupt etwas zu erkennen. Auch die maximale Helligkeit ist subjektiv gesehen geringer als bei Tablets anderer Hersteller.

WeTab App Store = Adobe Air

Auf einem Tablet geht nichts mehr ohne Apps. Apple hat es vorgemacht, Google hat es auch umgesetzt und die anderen Hersteller haben auch erkannt, dass ohne Content in Form von Apps nichts mehr geht. Beim WeTab sind die Apps Adobe-Air-Anwendungen, die man sich von der Adobe-Air-Webseite installieren kann. 4tiitoo hat dazu auch schon freundlicherweise einen Shortcut auf dem Desktop abgelegt.

Neben dem Adobe Air Marketplace gibt es noch den WeTab Market. Die Anzahl der Apps ist hier verschwindend gering, aber hier gibt es auch eine App, die sich Android (Beta) nennt. Bei dieser App handelt es sich um eine virtuelle Android-Umgebung, über die man Zugriff auf den Marketplace von Googles Android Plattform hat. Dadurch erweitert sich das Angebot von Apps natürlich um ein Vielfaches, wenn man diese Gratis-App installiert hat. Ok, es läuft kein Android 3.0 in der virtuellen Maschine, sondern „nur“ 2.1. Auch gibt es in der virtuellen Maschine seltsame Verhaltensweisen: z.B. Angry Bird Rio ließ sich nicht installieren. Theoretisch sollten in der virtuellen Maschine sämtliche Android-Apps laufen, müssen es aber nicht, denn schließlich ist es eine virtuelle Maschine.

USB-Host: Videos abspielen von USB-Laufwerken

Ein weiterer Bonus beim WeTab sind die zwei USB-Anschlüsse, an die man entsprechende Laufwerke hängen kann. Genug Strom für moderne 2,5 Zoll UBS-Festplatten liefern die USB-Host Anschlüsse beim WeTab auch noch. Klasse ist auch, dass das WeTab Fime in HD komplett ruckelfrei abspielt. Sogar .mkv Dateien werden abgespielt. Leider trübt das Multimedia-Vergnügen das schwache Display. Die extreme horizontale Blickwinkelabhägigkeit ist auf die Dauer bei einem schweren Gerät wie dem WeTab nervig und strengt einfach an.

So schön die Multimedia-Fertigkeit des WeTab ist, so bescheiden ist seine Adobe-Flash-Performance. YouTube-Videos mit bis zu 360p spielt das Tablet noch ruckelfrei ab, aber darüber wird es unerträglich. Weiter getrübt wird das Multimedia-Vergnügen durch den schwachen Akku, (hält nicht länger als 3 Stunden bei exzessivem Videokonsum) und der Lüfter, welcher schwer am arbeiten ist und für ein permanentes Hintergrundrauschen sorgt.

Fazit:

Soll man es nun lieben, weil nach den zahlreichen Kritiken, dem nicht ausgereiften System und der bescheidenen Haptik das WeTab einen doch mit zahlreichen coolen Ideen überrascht hat? Oder soll man sich in den Chorus der eher zurückhaltenden Meinungen einreihen, wegen all der Macken, die das WeTab aufweist? Es ist schwer objektiv zu bleiben, die einen finden die Ansätze beim WeTab grandios, auch weil 4tiitoo es mittlerweile auch zulässt, dass andere Betriebssysteme per USB-Laufwerk gebootet werden können. Die anderen wollen doch lieber ein unkompliziertes System mit weniger Macken und besserer Haptik als das WeTab. Im Endeffekt muss man sagen: Das WeTab ist etwas für Bastler und experimentierfreudige Zeitgenossen, denen die Haptik egal ist, über das schwache Display hinwegsehen, sich an der virtuellen Android-Maschine erfreuen und denen die Scrollleisten auf beiden Seiten gefallen. Wer aber ein Tablet für den täglichen mobilen Alltag sucht, der greift doch besser zu einem Dell Streak 5 oder der 7 Zoll Variante, wartet auf ein Samsung Galaxy Tab 8.9 oder 10.1, oder gar auf einen ASUS Transformer. Preislich liegen alle über dem WeTab, denn dieses gibt es mittlerweile bei Amazon als 16 GB WLAN-Version für

, während das 32 GB WLAN + UMTS Model für
über den Ladentisch geht.

PRO

  • Adobe Flash Unterstützung
  • Mittlerweile können andere Betriebssysteme installiert werden
  • Android 2.1 als virtuelle Maschine gratis
  • Desktop und Seiten Navigation per Seitenleiste
  • USB-Host Anschlüsse
  • Flüssiges abspielen von sehr vielen Multimediadateien (auch HD-Formate)

CONTRA

  • Schwaches Display, dass horizontal sehr Blickwinkel abhängig ist
  • schlechte Verarbeitung
  • Flash-Videos nur bis 360p ruckelfrei
  • Nicht lüfterlos
  • Kurze Akkulaufzeit

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