Wir wollen sie alle zurück: Guttenberg, Elvis, Bismarck und den Dodo

M. Göbel
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Die Guttenberg-Plagiats-Affäre hat nicht nur das Phänomen fast überquellender Pro-Guttenberg-Facebook-Gruppen nach sich gezogen (“Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg” und “Wir wollen Guttenberg zurück”), sondern auch eine Gründungswelle von Satire-Gruppen ausgelöst. Die Mitglieder wollen alles mögliche zurück: Bismarck, Kaiser Wilhelm, den Buchdrucker Gutenberg, Elvis und den Dodo. Wir stellen die schönsten Plagiate der Originalgruppe vor.

“Wir wollen Guttenberg zurück” (522.665 Mitglieder)

Erstmal das Original: “Wir wollen Guttenberg zurück“. Am Dienstag Vormittag ist Karl-Theodor zu Guttenberg zurückgetreten, nicht mal zwei Tage später hatte die Gruppe mehr als 500.000 Mitglieder. Das ist Rekord und hat sogar die Gruppe “Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg” überholt. Auch wenn es Zweifel gibt, dass da alles mit rechten Dingen zugeht – die Frage ist, ob man in so kurzer Zeit so viele Profile faken könnte. Es scheint auch so zu sein, dass durch den Medienhype viele Leute das erste Mal bei Facebook angemeldet haben, nur um dieser Gruppe beitreten zu können. Mittlerweile posten Guttenberg-Befürworter und -Gegner auf der Startseite um die Wette – im Sekundentakt gibt’s Beschimpfungen und Demo-Termine.

“Wir wollen Gutenberg zurück” (863 Mitglieder)

Achtung, nicht verwechseln! Zwar hielt sich lange das Gerücht, dass man “Guttenberg” so ausspricht wie den Namen des Buchdruck-Erfinders “Gutenberg”, aber hier geht es nicht um Karl-Theoder (usw.), sondern um Johannes (der eigentlich “Gensfleisch” hieß). Er entwickelte um 1450 den Druck mit beweglichen Lettern und erleichterte damit das Kopieren von Büchern. Im Info-Text heißt es: “Er war nie Verteidigungsminister, aber er hat im weitesten Sinne das erfunden, was auch Verteidigungsminister gern machen: vervielfältigen. Deutschland braucht mehr Menschen wie ihn, die tolle Sachen erfinden. Sachen, die die Welt verändern. Und zwar mit eigenen Ideen.” Motto: “Wir wollen, dass ein BuchD-ruck durch Deutschland geht.”

“Wir wollen Bismarck zurück” (3.797 Mitglieder)

Bismarck hat zwar nichts groß erfunden, höchstens vielleicht das deutsche Reich unter dem preußischen König, führte dafür einige Kriege, wenn auch nicht in Afghanistan. Aber auch er wurde aus seinem Amt entfernt, trotz großer Verdienste (Reichsgründung, wie gesagt, inklusive darauf folgender Stabilitätspolitik), danach schmollte er auf seinem Gut Friedrichsruh, aß Hering (nicht verbürgt) und erwartete immer wieder, zur Rettung des Reichs zurückgerufen zu werden. Doch Wilhelm II., der damals ungefähr das war, was heute Angela Merkel ist, rief nicht.

“Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben” (609 Mitglieder)

Kaiser Wilhelm, der hier wiederkommen soll, ist nicht der obige Bismarck-Wilhelm, das war der Zweite. Hier ist der erste Wilhelm gemeint, “der mit dem Bart”, der die Leitung seines Reiches Bismarck anvertraute und als Dank Kaiser werden durfte. “Vergesst Gutti”, heißt es auf der Seite, “Der Wilhelm sah wenigstens mal gut aus! Außerdem ist es egal, ob er seinen Kaisertitel in Frankreich oder sonstwo bekommen hat. Wir haben doch alle Dreck am Stecken.”

“Wir wollen den Dodo zurück” (1.218 Mitglieder)

Der Dodo (auch Dronte, Doudo oder Dudu genannt) war ein flugunfähiger Vogel, der auf Mauritius und La Réunion lebte. Er lebte von vergorenen Früchten, nistete auf dem Boden und hatte keine natürlichen Feinde, bis europäische Seeleute kamen und den zutraulichen Vogel im 17. Jahrhundert ausrotteten. „Es ist ungerecht, dass der Dodo ausgerottet wurde. Die ganzen anderen Vögel haben doch auch Dreck am Bürzel!“, heißt es in der Gruppe. Wer würde da nicht zustimmen?

Weitere Gruppen dieser Art: “Wir wollen Elvis zurück” (647 Mitglieder), “Wir wollen Graf Zahl zurück” (118 Mitglieder), “Wir wollen Dr. Edmund Stoiber zurück” (28 Mitglieder).

Bild: Facebook-Ausriss “Wir wollen Guttenberg zurück”

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