Wissenschaftlich bewiesen: Suchmaschinen machen vergesslich

Holger Blessenohl

“Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass...” geht eine beliebte Einleitung für besonders sinnlose wissenschaftliche Erkenntnisse. Und auch in diesem Fall kann ich so beginnen, denn amerikanische Wissenschaftler der Columbia Universität in New York haben herausgefunden, dass Suchmaschinen vergesslich machen (der Titel deutete es ja bereits an). Der erstaunte Webizen fragt sich da natürlich, wie die verfluchten Suchmaschinen das machen?

Wie man sich schon denken kann, sind Internet-Suchmaschinen definitiv nicht in der Lage, Protein-Plaque-Ablagerungen aus Beta-Amyloid-Peptiden in der Hirnmasse zu bilden oder die Entstehung von Acetylcholin in nennenswertem Maße zu beeinflussen. (Wer es sich nicht denken konnte, darf jetzt einmal halb beruhigt durchatmen). Diese beiden überaus erfolgreichen Wege der Verminderung der menschlichen Gedächtnisleistung bleiben weiterhin Alzheimer vorbehalten.

Die fatale Wirkung der Suchmaschinen ist eher eine psychische Fehlleistung, die darin besteht, dass wir Dinge schneller vergessen, wenn wir wissen, wo wir nachschlagen müssen. Man kennt das sicher aus eigener Erfahrung, dass man sich Telefon- oder PIN-Nummern schlechter merken kann, wenn man weiß, dass sie jederzeit griffbereit auf einem Zettel im Portmonee stehen. So betrachtet war die Erfindung der Schrift vielleicht doch eine blöde Idee.

Im Fall der Suchmaschinen kommt nun erschwerend hinzu, dass man ja eh alles jederzeit googeln, bingen oder asken kann. In der an Studenten durchgeführten Untersuchung hätten viele Probanden Suchmaschinen oder Internet-Nachschlagewerke wie Google oder IMDB als eine Art externes Gedächtnis bezeichnet, schreiben unsere Wissenschaftler in ihrer Studie mit dem schönen Titel “Google Effects on Memory: Consequences of having information at our Fingertips”.

Und da zu jeder wissenschaftlichen Untersuchung auch eine Theorie gehört, wurde für das durch Suchmaschinen verursachte Vergesslich-werden der “Google Effect” als neuer wissenschaftlicher Begriff eingeführt. Wer also demnächst einfach nicht mehr darauf kommt, wie dieser nette Schauspieler in dieser schrägen Fernsehserie, deren Name einem gerade entfallen ist, hieß, muss sich nicht länger mit Alzheimer rausreden.

Die Studie ist online im ScienceMag veröffentlicht worden, der Download der kompletten PDF-Datei kostet allerdings 15 US-Dollar. Ein vom ScienceMag kostenlos zum Download veröffentlichtes Interview mit Professorin Betsy Sparrow, die die Untersuchung geleitet hat, haben wir unten verlinkt.

Bildrechte: CC 3.0 by Bernhard Wenzl

Via Telegraph

Interview mit Betsy Sparrow
Die leitende Professorin erläutert die Forschungsergebnisse

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