WWF: Der Panda wehrt sich, Kritiker eröffnen Wiki [Update]

Am vergangenen Mittwoch zeigte die ARD die Dokumentation Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt. Die größte Umweltschutzorganisation der Welt kam darin nicht besonders gut weg. Auch bei der Reaktion auf den Film stellt sich die Organisation nicht gerade geschickt an. Ein eilig online gestellter Faktencheck wird derzeit schon wieder zerpflückt. Nun rufen die Kritiker sogar via Wiki á la Guttenplag zur gemeinsamen Aufklärung auf.

Die aufschlussreiche Doku Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt des dreifachen Grimme-Preisträgers Wilfried Huisman lief, wie nicht anders zu erwarten, natürlich spät am Abend um 23.30 Uhr. Dennoch schlägt der Film erstaunlich ohne Wellen, was wohl auch dem brisanten Thema geschuldet ist. Die stets in den Medien präsente Organisation WWF kennen die meisten von uns dank zahlreicher Kooperationen mit Zeitschriften wie der Micky Maus schon seit Kindheitstagen, und auch als Erwachsene begleitet uns der Panda zum Beispiel als Partner von Krombacher (“Trinken für den Regenwald”). Bei der breiten Bevölkerung genießt die Organisation also einen Vertrauensvorschuss. Was aber, wenn hinter der Fassade einiges im Argen liegt? Huisman geht vor allem den monetären und informellen Verbindungen zur Palmöl- und Gensaat-Industrie á la Monsanto nach und deckt auf, dass die vom WWF vergebenen Unbedenklichkeitssiegel vor allem der Industrie, aber kaum den Orang Utans oder indigenen Völkern nützen.

Wer den Film verpasst hat, hat noch knapp zwei Wochen Zeit, ihn sich in der ARD Mediathek anzusehen. Ansonsten wird die Doku auch heute abend noch um 21.00 Uhr auf EinsExtra und am 13. Juli um 20.15 im Saarländischen Rundfunk Südwest-Rundfunk wiederholt.

Einige Nutzer haben den Film mittlerweile auch auf YouTube gestellt, eine Version ist hier eingebunden:

Da der Film schon zuvor beworben wurde, wusste der WWF natürlich halbwegs, was auf ihn zukommen würde. Bei der Krisen-PR hat es dennoch ziemlich gehakt. Web-Berator Thomas Knüwer hat auf seinem Blog anschaulich ausgeführt, wie sehr sich der WWF im Bemühen um Schadensbegrenzung im Internet verhaspelt hat. Ein auf Livestream eingestelltes Video beispielsweise sollte im eigenen Netzauftritt zur Diskussion anregen, die Nutzer fanden sich aber auf Livestream selbst ein – wo vernünftig gechattet werden konnte, sich jedoch niemand vom WWF selbst blicken ließ. Ein Twitter-Account verschwand so schnell wieder, wie er erstellt wurde.

Inzwischen hat der WWF auch einen Faktencheck bereit gestellt, der die Vorwürfe entkräften soll. Dieser entsteht offenbar on the fly und wird immer mal wieder erweitert. Zum Vorwurf, der WWF unterstütze Gentechnik, heisst es beispielsweise eindeutig (und damit konträr zu den Angaben in Huismans Film):

Fakt ist: Der WWF hat international eine klare Position zu Gentechnik: Wir lehnen Gentechnik ab. Dies werden wir solange tun, bis bewiesen ist, dass gentechnisch veränderte Pflanzen absolut unbedenklich für Umwelt, Biodiversität und uns Menschen sind.

Die Journalisten Kathrin Hartmann befasst sich schon seit längerem mit der Verquickung von Industrie und Umweltschutz (unbedingter Lesetipp: Ende der Märchenstunde: Wie die Industrie die Lohas und Lifestyle-Ökos vereinnahmt*) und nimmt nun ihrerseits einen Fakten-Faktencheck vor und kommt erwartungsgemäß zu anderen Ergebnissen:

Blödsinn. Der WWF sitzt zusammen mit unter anderem Monsanto, Syngenta, Nestlé und Bayer Crop Science im Round Table on Sustainable Soy Association. Dieser verleiht das RTRS-Zertifikat. Abgesehen davon, das fast 80 Prozent der Mitglieder aus der Industrie (57 Prozent Konzerne, 20 Prozent Produzenten) stammen, gehört zu den fünf Hauptkriterien “verantwortungsvollen Anbaus” (Legal compliance & good business practice, Responsible labor conditions, Responsible community relations, Environmental responsibility, Good agriculture practices – windelweicher geht es kaum) nicht der Verzicht auf Gentechnik. Im Gegenteil: in den RTRS-Standards steht geschrieben:

“This standard applies to all kinds of soybeans, including conventionally grown, organic, and genetically modified (GM). It has been designed to be used for all scales of soy production and all the countries where soy is produced.”

Und auch die anderen Punkte werden, gut mit Fakten unterfüttert, recht eindeutig auseinandergenommen. Der WWF hat aber noch mehr Grund zur Sorge, denn im Netz formiert sich bereits eine kleine Bewegung, die noch mehr Lichts ins Dunkel bringen will. Unter de.wwfdoku.wikia.com wird zur Mitarbeit aufgerufen. Kenner und Kritiker sind aufgerufen, die Aussagen der Doku mit Fakten zu bestätigen – oder auch zu widerlegen. Als Vorbild dürfte dafür wohl das Guttenplag Wiki dienen, das seinerzeit Karl Theodor zu Guttenberg um Doktorwürden und Ministeramt brachte. Dieses wurde nun immerhin mit einem Grimme Online Award ausgezeichnet.

Update: Herr Huisman wies uns (neben der Korrektur der Wiederholung – diese findet am 13. Juli im SWR, nicht im SR statt) darauf hin, dass es demnächst auch eine englische Fassung der Dokumentation geben wird. Diese ist ein wenig erweitert und kommt auf eine Spielzeit von 52 statt 45 Minuten. Weitere Informationen gibt es beim Vertreiber United Docs.

Download
Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt
Doku über die Umeltschutzorganisation in der ARD Mediathek

Download
WWF-Doku Wiki
Wiki zum kollaborativen Faktencheck

Bild: WWF von Stéfan (cc)

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