YouTube Live startet nicht in Deutschland

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Und täglich grüßt der Rechtsstreit um YouTube. Die Videoplattform gab jetzt bekannt, dass das Projekt “YouTube Live” nicht in Deutschland starten wird. Was steckt hinter der Entscheidung und mit welcher deutschen Medieninstitution legt sich YouTube als nächstes an?

Live ist das nächste große Ding – nur nicht in Deutschland

“Wir halten live für das nächste Kapitel des Online-Videos.” Das sagte Youtube Product Manager Joshua Siegel im September 2010  der US-Zeitung USA Today. Und YouTube arbeitet hart daran, dieses nächste Kapitel aufzuschlagen: Vor einiger Zeit startete das Projekt “YouTube Live”, welches es YouTube-Partnern erlaubte, Live-Inhalte über die Videoplattform anzubieten. Die Möglichkeiten sind schier endlos, von Live-Konzerten über Formate, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Die Möglichkeiten sind enorm.

Doch nicht in Deutschland. Denn YouTube Live wird bei uns in nächster Zeit nicht an den Start gehen. Der (hoch wahrscheinliche) Grund, und viele werden es bereits geahnt haben: Das deutsche Rundfunkrecht. Denn das legt fest, dass Rundfunkveranstaltungen (dazu zählt auch Live-Streaming im Internet) eine Zulassung brauchen, wenn sie von privaten Anbietern stammen. Diese Zulassung ist teuer und könnte für YouTube den Einsatz des Live-Streaming wirtschaftlich unrentabel machen.

Außerdem entscheiden die deutschen Medienanstalten über die Vergabe der Zulassung. Quasi die direkte Konkurrenz, die einen Schritt von YouTube in Richtung Live-Programm sicher nicht gerne sieht. Umgehen lässt sich das nicht, wer einfach ohne Zulassung drauflos sendet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und die kann ebenfalls teuer werden. Bis zu 500.000 Euro Bußgeld sieht der Rundfunkstaatsvertrag vor. Da YouTube Deutschland der Sender bzw. Anbieter für die Live-Angebote wäre, würde auch für sie das deutsche Rundfunkrecht gelten.

Es ist also erst mal Essig mit Live-Streaming in Deutschland, wie auch Google-Pressesprecher Stefan Keuchel gegenüber dem ZDF-Blog Hyperland bestätigt. Ob das an den gesetzlichen Rahmenbedingungen liegt, wollte er aber nicht sagen. Allerdings fällt es schwer, sich einen anderen Grund vorzustellen. YouTube hat scheinbar die Nase voll vom Ärger mit den deutschen Behörden, denn „Bis jetzt hat YouTube aber noch keinen Antrag auf Zulassung einer Rundfunklizenz gestellt“, so Friederike Grothe, die Pressesprecherin der deutschen Medienanstalten. Offenbar will man erst gar keine schlafenden Hunde wecken.

Streit auf Kosten der User

Wer sind im Endeffekt natürlich wieder die Leidtragenden? Die Nutzer, denn ihnen entgehen potentiell tolle Möglichkeiten, sich Live-Events anzusehen. Events, die sie unter anderen Umständen vermutlich nie zu sehen bekommen würden. Ein Kommentator im ZDF-Blog bringt es auf den Punkt: “eine Regulierung über “Sendelizenzen“ in einem Medium, dessen Bandbreite nicht eingeschränkt ist ist Monopolismus und Unterdrückung freier Meinungsäußerungsmöglichkeiten zu Gunsten weniger. Bei Funk mit entsprechend endlichen Frequenzen war das ja noch begründbar. Im Internet ist es Willkür.”

Die deutschen Medienanstalten haben Angst vor der Konkurrenz und möchten YouTube deshalb jeden Stein in den Weg legen, den sie finden können. Allerdings ist das defensive Verhalten von YouTube’s Seite auch etwas verwunderlich. Warum nicht aggressiv mit dieser Problematik an die Öffentlichkeit gehen, um Aufmerksamkeit zu schaffen? Sicher ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, neben den Konflikten um die GEMA ist das nächste juristische Schlachtfeld also schon in Sichtweise. Was bleibt ist die Hoffnung, dass diese Konflikte gelöst werden können und sich vielleicht so etwas wie eine Reform im deutschen Rundfunkrecht abzeichnet. Denn es wird Zeit, dass auch das langsam im 21. Jahrhundert ankommt.


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