YouTube Musik – Diese Charts sind in deinem Land nicht verfügbar

von

Es ist doch nur noch ein schlechter Witz: YouTube hat heute seine neue Sparte “Musik”, in der Charthits geboten werden, auch in Deutschland an den Start gebracht. Erwartungsgemäß haben hiesige Nutzer davon rein gar nichts. Es gibt jedoch Schleichwege, um YouTube Musik auch in Deutschland nutzen zu können.

Die heute weltweit online gegangene Rubrik YouTube Music ist grundsätzlich eine tolle und im Grunde extrem naheliegende Idee: Auf der Videoplattform befinden sich abertausende Musikvideos vom Kleinstkünstler bis hin zum aktuellen Mainstream-Act. Ob Rihanna mit California King Bed, die wieder und wieder auferstehende Jennifer Lopez mit On the Floor, Hipsterliebling Bruno Mars mit dem Lazy Song oder Aqua mit dem unvergessenen Barbie Girl (wtf?): Sie alle tummeln sich irgendwo in den YouTube-Weiten und sind zwischen schlechten Akkustik- und Klavier-Covern doch nicht zu finden.

YouTube Musik bringt nun Struktur in den Dschungel: Ganz oben auf der Seite gibt es einige featured Playlists, in der auch schon mal Gastars wie Jane’s Addiction ihre Lieblingsvideos präsentieren. Darunter werden die heutigen Hits gezeigt, und noch weiter unten geht’s dann ein wenig differenzierter nach Genres geordnet zu. R&B, Pop/Rock, Rap, auch Latin und Musik auf Film und Theater sind vertreten. Offenbar werden derzeit jedoch wohl nur US-Klickzahlen gemessen, europäische Acts kommen (leider) kaum vor.

Auf der rechten Seite gibt es darüber hinaus noch die Wochencharts präsentiert, in denen man die Top 100 der aktuellen Woche durchstöbern kann. Diese Woche lohnt sich’s wohl nicht, denn auch hier regiert auf den ersten paar Dutzend Rängen der Justin Bieber-Selena Gomez-Nicole Scherzinger-Einheitsbrei.

Der Eventkalender darunter empfiehlt mir Konzerte in meiner Umgebung, was laut YouTube wohl San Francisco sein soll. Schön wär’s! Kleine Randnotiz: Die Events werden präsentiert von einem Anbieter namens Songkick. Klickt man auf deren Link, landet man auf einer Seite, die einen automatisch mit Facebook verknüpfen möchte. Vielleicht lieber Finger weg, auch wenn die Seite selbst immerhin Deutschland als Aufenthaltsort erkennt.

Alles in allem ist YouTube Musik also eine runde Sache. Wäre da nicht eine Kleinigkeit, die bei einer Musikvideoplattform keine unwesentliche Rolle spielt: Man kann sich keine Musikvideos ansehen. Deutschen Nutzern bietet sich das gewohnte Bild, dass das gewünschte Video in diesem Land leider nicht verfügbar ist. Gerade durch die schiere Menge an Absagen, die im Chartbereich geboten werden, kommt man nicht umhin, die Rubrik nur noch für einen zynischen Scherz zu halten. Aber da sich YouTube und GEMA seit einer gefühlten Ewigkeit im Dauerclinch befinden, ist hier mittelfristig wohl keine Besserung in Sicht.

Auch wenn den deutschen YouTube-Nutzern mal wieder die größtmöglichen Steine in den Weg gelegt werden, um sich Musikvideos ansehen zu können, müssen diese nicht verzagen. Vor einiger Zeit haben wir in einem Artikel Möglichkeiten aufgezeigt, wie man mit einfach zu bedienenden Addons für Firefox und Chrome die YouTube-Sperre umgehen kann. Im Wesentlichen handelt es sich bei diesen Möglichkeiten um Proxy-Lösungen, die YouTube vorgaukeln, dass man sich überhaupt nicht in Deutschland befindet.

Weil dazu Fragen aufkamen, ob diese ja doch recht kreative Lösung rechtens ist, haben wir uns kurz darauf noch die Rechtslage von einem Anwalt erklären lassen. Fazit: “Meiner Ansicht nach verstößt man mit der Nutzung der Add-Ons nicht gegen deutsches Urheberrecht.”

Mit dieser Kombo-Lösung aus den rein funktional ja nicht schlechten YouTube-Charts und den von uns vorgestellten Hilfmittelchen steht also auch Nutzern in Deutschland ein tolles Chartportal zur Verfügung – sofern man dem Ami-Sound etwas abgewinnen kann.

Download
YouTube Musik
Chartportal auf YouTube

Download
YouTube-Sperre umgehen
Mit Addons für Firefox und Chrome gesperrte Videos gucken


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA SOFTWARE

Anzeige
GIGA Marktplatz