Avast Free 6.0: Kostenloses Antiviren-Programm mit Sandbox und Webseiten-Bewertung

Avast 6 Free
Wenn es um kostenlosen Virenschutz geht, konnte man in den letzten Jahren ein Wandern der Anwendergunst beobachten. Lange hielt sich Avira's Antivir Personal 10 (vormals Free AV) als Lieblings-Virenwächter der Anwender, bis der Hersteller dazu überging, mehrfach am Tag mit eingeblendeten Fenster die kostenpflichtige Vollversion zu bewerben. Prompt verschob sich die allgemeine Vorliebe zum zunächst Werbefenster-freien AVG Free, bis plötzlich auch hier regelmäßige Kaufaufforderungen auftauchten und sich zudem die Performance vieler Systeme merklich verschlechterte. Nun dürfte Avast 6.0 Free die Begehrlichkeiten schutzbedürftiger PC-Nutzer am ehesten befriedigen. und das nicht nur wegen seiner (noch?) vornehmen Zurückhaltung in Sachen Eigen-Marketing, sondern auch wegen einer Handvoll sinnvoller und teils innovativer Zusatzfeatures, die sich die Konkurrenz bezahlen lässt.

Kostenlose Antiviren-Software muss für die meisten Anwender vor allem eine Eigenschaft aufweisen: Sie darf – einmal installiert und eingerichtet – in keiner Weise nerven. Nicht durch andauernde Fehlmeldungen, noch weniger durch ein spürbares Ausbremsen des Arbeits- (oder Spiele-) Betriebs und schon gar nicht durch die permanente Aufforderung, den Schutz durch ein Upgrade auf die Vollpreis-Version erheblich zu verbessern (will uns der Hersteller sagen, bis dahin ist die Absicherung des Rechners schlecht?).

Verständlich, denn auch die Selbstschutzbereitschaft per Sicherheitsgurt im Auto würde sich bei manchen Fahrern deutlich relativieren, wenn nach dem Anlegen das Auto nur noch 80km/h fährt und im Cockpit zudem alle paar Kilometer eine Leuchtschrift zum Kauf eines breiteren und stabileren Gurtes aufforderte.

Kostenloser Virenschutz unsicherer als Kaufsoftware?

Der Vergleich ist gar nicht mal so abwegig. Kostenlose Virenscanner leisten tatsächlich nur einen Grundschutz, wie der Quartalsreport des anerkannten Virenschutz-Labors AV-Test belegt. Gerade in Sachen Schutzleistung finden sich auf den oberen Plätzen kostenpflichtige Programme von Kaspersky oder BitDefender. Selbst die Microsoft Security Essentials, seit kurzem optionaler Windows-Bestandteil, liegen nur im unteren Mittelfeld. Allerdings beziehen sich die veröffentlichten Testergebnisse durchweg auf veraltete Versionen (z.B. Security Essentials 1.0, Avast 5.0). Der Test stammt aus dem letzten Quartal 2010, die Ergebnisse der aktuell laufenden Studie werden erst im April veröffentlicht.

Genau genommen schützen aber kostenlose Virenscanner nicht schlechter als ihre kommerziellen Pendants, nur oft nicht so umfassend. Also auf den Auto-Vergleich bezogen gibt's bei letzteren zum an sich funktionierenden Fahrer-Sicherheitsgurt auch noch welche für die Rücksitze und vielleicht einen Airbag.

Und genau hier setzt der neue Gratisscanner von Avast an. Außer dem Freeware-üblichen Überprüfen von Festplatten und Ordnern und dem on-the-fly-scan von E-Mails und geöffneten Dateien bringt die kostenlose Ausgabe der Version 6.0 einiges an Mehrfunktionen:

Sichere Sandkastenspiele

Neu für einen Freeware-Scanner ist die Sandbox-Funktion. Zu den üblichen Alternativen nach einem (auch vermeintlichen) Schädlingsfund, nämlich Löschversuch, ignorieren oder in Quarantäne stecken, kommt bei Avast noch die Möglichkeit, das betreffende Programm innerhalb einer so genannten Sandbox auszuführen. Das ist eine Art gesicherter Schutzraum, in dem ein infiziertes Programm zum Beispiel für eine weiterführende Untersuchung gestartet werden kann, aus dem aber keinerlei Gefahr für das übrige System entsteht.

Externe Medien beim Anschluss prüfen

Auch nicht selbstverständlich für einen Freeware-Scanner: Avast 6.0 free prüft schon in der Standardeinstellung die Autostartobjekte von externen Festplatten, USB-Sticks oder ins Lesegerät eingeschobenen Speicherkarten auf Viren. Gerade USB-Sticks werden immer beliebter als Einfallstor für Schädlinge.

Gute Seiten, schlechte Seiten

Genau genommen überhaupt nichts mit aktivem Viren- oder Malwareschutz hat das optional installierbare WebRep-Browser-PlugIn (derzeit übrigens nur für Mozilla Firefox) zu tun. Es will als Warnsystem für potentiell schädliche Webseiten fungieren oder eine entsprechende Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen. Dahinter steckt jedoch kein ausgefuchster Algorithmus, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die – wenn sie eben gerade Lust dazu haben – mit Hilfe des PlugIns die gerade besuchte Seite bewerten. Das ist zwar höchst subjektiv, dürfte aber gerade bei einer hohen Anzahl von Stimmabgaben (Avast selbst spricht von einem Netzwerk von 100 Mio. Usern) durchaus repräsentativ sein. Auf diese Art will der Hersteller jedenfalls auch schwarze Schafe bloßstellen, die nicht durch Automatismen identifizieren lassen wie zum Beispiel ausgesprochene Betrugs- und Abzock-Seiten. Eine an sich nicht schlechte Idee und hoffentlich keine Spielwiese für Miesmacher und Denunzianten. Immerhin weist das AddOn, wenngleich sehr grob, darauf hin, ob die Bewertung von einer eher größeren oder geringeren Zahl von Besuchern abgegeben wurde. Die WebRep-Balkenanzeige erscheint übrigens nicht nur im PlugIn-Symbol der Browser-Oberfläche, sondern auch neben Suchergebnissen von Google&Co.

Bis jetzt gibt es zwar noch keine verläßlichen Daten zum Schutzgrad von Avast 6.0 im Vergleich zu anderen kostenlosen und kommerziellen Virenscannern. Die erstaunliche, in manchen Foren zu findende User-Aussage: “mein Scanner ist gut, denn er meldet nie etwas” weist nicht unbedingt auf eine wissenschaftliche Testmethode hin (“mein Sicherheitsgurt ist gut, denn ich habe seit ich ihn anlege, keinen Unfall gehabt”). Aber die durchaus anständige Einschätzung der letzten Version von AV-Test und nicht zuletzt das neue Sandbox-Feature schaffen zumindest bei mir persönlich einiges an Vorschuss-Vertrauen. Im Zweifel schiebe ich einen verdächtigen Kandidaten sowieso mal eben zur kostenlosen Webapp Virustotal hoch und jage so über 40 Scanner darüber.

Hier geht es zum kostenlosen Download:

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