Hidden Track-MP3 schneiden

von

earphones
Du sitzt im Zug und hast die vermutlich schönste und ruhigste BritPop-Platte aller Zeiten per MP3-Player auf den Ohren: Urban Hymns von The Verve. Du schaust aus dem Fenster, die Landschaft rauscht mit Atem beraubender und zugleich kaum merklicher Geschwindigkeit an dir vorbei. Du schließt die Augen, döst langsam weg. Die Musik verklingt, du träumst etwas Schönes, vielleicht von einsamen karibischen Badestränden oder Erdbeertorte mit Sahne, … … und wirst nach sechs Minuten Stille von psychedelisch-gruseligem Babygeschrei jäh aus allen Träumen gerissen!
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Schon mal erlebt? Grund für solch verstörende Momente sind die so genannten Hidden Tracks: Versteckte Bonus-Songs, die auf grob geschätzt jedem vierten Musikalbum vorhanden sind. Fast immer folgen diese Hidden-Tracks einer längeren Stillephase nach dem letzten Song. Seltener sind vor dem ersten Song gelegt und können nur durch Zurückspulen angehört werden. Eine Auflistung von Hidden Tracks findet man auf eeggs.com und in einem Sammelthread des Musikexpress-Forums. Das Loadblog zeigt, wie man normale Songs und Hidden Tracks trennen kann.

Aus Sicht eines Fans ist so ein kleines Überaschungsei natürlich toll. Bloß sind Hidden Tracks ärgerlich, wenn man sich seine Musiksammlung auf iPod & Co. zieht und diese den Musikfluss unterbrechen: Idealerweise sollte der Hidden Track als separater Track ohne Pause direkt nach dem letzten Song kommen.

Hidden Tracks erkennen

Der einfachste Teil der Übung. Wir ziehen entweder das gewünschte Album oder gleich die gesamte MP3-Sammlung in eine Playlist im Musikplayer der Wahl, z. B. Winamp. Diese rollen wir durch, halten Ausschau nach Titeln am Anfang oder Ende eines Albums, die ungewöhnlich lang sind. Dort verstecken sich in der Regel die versteckten Songs.

MP3 splitten

Zum Schneiden einer der MP3-Dateien und Abtrennen des Hidden Track benötigen wir das kostenlose Programm MP3DirectCut. Mit diesem kann man MP3s millisekundengenau schneiden, ohne dass die Datei umgewandelt werden muss — somit findet auch kein Qualitätsverlust statt.

Und so geht’s:

Nach Download und Installation von MP3DirectCut starten wir das Programm über das entsprechende Symbol auf dem Desktop und laden eine MP3-Datei mit Hidden Track (Datei -> Öffnen). Zuerst zoomen wir mit zwei oder drei Klicks auf die Minuszeichen-Schaltfläche heraus Das Programmfenster sollte nun ungefähr so aussehen:

MP3DirectCut: Programmfenster

Waagerecht wird der Gesamttrack grafisch als dunkelblaue Waveform (Wellenform) dargestellt. Mit dem Schieberegler gelangt man schnell an verschiedene Stellen im Track.

Als erstes möchten wir den eigentlichen Track extrahieren. Dazu klicken wir einmal links neben die Wellenform in den dunkel violetten Bereich. Dann scrollen wir mit dem Schiebregler nach rechts bis das Ende der Waveform erreicht ist und klicken mit einigem Abstand bei gedrückter Umschalttaste (Shift) rechts neben das Ende. Der gesamte Haupttrack sollte nun hellblau markiert sein.

MP3DirectCut: markierter Track

Wichtig: Unbedingt mit der Taste F7 oder der Schaltfläche überprüfen, ob das Ende des Tracks wirklich erreicht ist. Manche leisen Geräusche in Audiodateien werden von MP3DirectCut nämlich nicht dargestellt. Gegebenenfalls muss man den markierten Bereich mit einem Umschalttasten-Klick etwas nach rechts erweitern.

Mit Strg+E oder “Datei -> Markierung speichern” sichern wir nun den markierten Bereich. Vorsicht: Als Dateinamen nicht die ursprüngliche Datei wählen, sonst wird die “Quelldatei” überschrieben. Der Einfachheit halber ist ein Dateiname wie Songtitel_1.mp3 empfehlenswert.

MP3DirectCut: Hidden Track markieren

Im zweiten Schritt scrollen wir an das hintere Ende des Tracks und extrahieren auf gleiche Weise den Hidden Track. Das Vorgehen ist identisch, nur muss man diesmal überprüfen, dass der Anfang des Tracks richtig markiert wurde. Hierzu verwendet man die Taste F6 bzw. die Schaltfläche . Nun erneut die Markierung speichern, z.B. als Songtitel_2.mp3.

Testen, Umbenennen und Tagging

Der Rest ist Formsache: Testweise ziehen wir die beiden extrahierten Tracks in einen MP3-Player, scrollen dort ans Ende des ersten Tracks und testen, ob der Übergang sauber klingt. Nun nutzen wir die Funktion der Abspielsoftware zum Ändern der ID3-Tags (Winamp: Track in der Playlist markieren -> Alt+3). Falls sich der Songtitel des Hidden Tracks nicht herausfinden lässt, nennen wir ihn einfach “Hidden Track”. Nicht vergessen: Die Tracknummer muss um eins erhöht werden.

Zum Schluss löchen wir den Ursprungstrack und benennen die MP3-Dateien um.

MP3s umbenennen

Fertig! Mit ein wenig Routine ist das Trennen von MP3s eine Angelegenheit von einer Minute. Für relaxte Zugnickerchen ein vertretbarer Zeitaufwand.

Foto “earphones”: Juliane.hide (cc)
Foto “Kinder surprises”: Bethany L. King (cc)

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Download MP3DirectCut — Kostenloses Freeware-Tool zum Schneiden von MP3s ohne Qualitätsverlust

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