Modellbau-Effekt aus der Telekom-Werbung nachbauen – mit Tilt-Shift-Freeware

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Die Telekom-Werbung, die reale Filmszenen so zeigt, als würden sie in einer Modelleisenbahnwelt spielen, zieht viele in ihren Bann. Mit einem kostenlosen Programm kann man den Miniatur-Effekt nachbilden und auf die eigenen Fotos anwenden.

Das Programm TiltShiftGenerator ermöglicht die Nachahmung eines Objektivs, dessen Tubus nicht fest sondern beweglich ist. Diese sogenannten Tilt-Shift-Objektive werden häufig dazu verwendet, um bei der Architekturfotografie den Effekt stürzender Linien zu korrigieren. Sie sind sehr teuer und lassen sich auch für andere kreative Effekte einsetzen, zum Beispiel für eine Verlagerung der Schärfenebene im Bild.

Die Schärfeebene liegt bei normalen Objektiven aber immer parallel zum Bildsensor. Deshalb fällt es schwer, zum Beispiel bei Makroaufnahmen eine durchgängige Schärfe des fotografierten Gegenstandes zu erreichen – weil man ihn nur sehr selten direkt parallel zum Sensor ablichten kann. Bei kleinen Objekten fällt das besonders auf.

Neuer Schärfeverlauf per Software

 

Fotos von Modelleisenbahnen sind für uns deshalb leicht zu erkennen. Kurz vor und hinter dem scharfgestellten Punkt ist alles unscharf. Mit einem Objektiv, bei dem man die Schärfeebene verlagern kann, lässt sich dieser Effekt auch in der realen Welt erzielen. Doch wie gesagt – diese Objektive sind nicht billig. Das Nikon Nikkor 24 mm 1:3,5D ED kostet zum Beispiel rund 1.800 Euro und das Canon TS E 24 mm – F/3.5 wird für ungefähr 1.900 Euro gehandelt.

Modelleisenbahn-Effekt per Klick

Die Software TiltShiftGenerator kann nachträglich einen anderen Schärfeverlauf in das ihr vorgelegte Bild hineinrechnen. So entsteht ein dünner Streifen, der fokussiert erscheint, während der Rest schnell unscharf wird. Dieses Band kann man im TiltShiftGenerator beliebig auf dem Bild positionieren und interessante Effekte erzielen. Besonders gut funktioniert die Technik bei Bildern, die vorher eine durchgängig gute Schärfe hatten.

Mit der Option Radial Blur kann der Streifen in einen Kreis verwandelt werden. Er bildet dann das Schärfezentrum, während alles um den Kreis herum mit steigender Entfernung zum Zentrum immer unklarer wird. Mit diesem Spot-Effekt können einzelne Bildbereiche betont und das Interesse des Betrachters gelenkt werden. In der Fotografie kann man so etwas zum Beispiel mit Vaseline erreichen, die auf einem Klarglasfilter verteilt wird. Ein kleiner Bereich wird ausgelassen und auf dem Bild wird der dann scharf abgebildet. Mit TiltShiftGenerator muss man sich die Finger und das Material nicht schmutzig machen.

Radialer Schärfverlauf mit einer Maske

Der TiltShiftGenerator ist eine Adobe-Air-Anwendung und läuft sowohl unter Windows als auch unter Mac OS X. Auch als Webapp ist er verfügbar, doch die erschien etwas träge und unterstützt kein Drag und Drop. Die Bildergebnisse werden als JPGs gespeichert.

Stürzende Linien korrigieren mit ShiftN

Mit einem anderen Programm kann man auch stürzende Linien in der Gebäudefotografie wunderbar ausgleichen, ohne ein Tilt-Shift-Objektiv einsetzen zu müssen. Wenn man Gebäude vom Boden aus fotografiert, sehen sie im Bild später so aus, als würden sie nach hinten kippen – die eigentlich parallelen vertikalen Gebäudelinien laufen anscheinend zusammen.

Berliner Dom mit stürzenden Linien (Bild: Andreas Donath)

Der Effekt stürzender Linien entsteht, weil die Objekt- und Projektionsfläche nicht parallel zueinander angeordnet sind. Besonders bei hohen Gebäuden und niedrigen Aufnahmestandorten tritt der Effekt auf. Mit der Windows-Software ShiftN kann man den Effekt automatisch aus den Fotos heraus rechnen lassen.

Nach der Entzerrung mit ShiftN

Das Programm Software durchsucht die Bilddateien nach geraden Linienstücken und Kanten, die in vertikaler Richtung verlaufen. Diese praktisch bei allen Architekturaufnahmen anzutreffenden Bereiche versucht die Software so anzuordnen, dass möglichst viele davon parallel verlaufen. Das Ergebnis ist erstaunlich und das beste: Die Software ist kostenlos und läuft unter Windows.

Winload-Fazit: Mit beiden Programmen kann der Digitalfotograf viel Geld sparen, wobei ShiftN für seriösere Anwendungen und der TiltShiftGenerator für kreative Bildbearbeitung steht.

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Kostenloser Download ShiftN (Windows 2000,XP, Vista, 7)
Stürzende Linien aus Digitalfotos herausrechnen

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Kostenloser Download TiltShiftGenerator (Windows 2000,XP, Vista, 7)
Tilt-Shift-Effekt nachträglich in Digitalfotos einbauen

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Kostenloser Download Adobe AIR
Voraussetzung für die Installation von TiltShiftGenerator


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