Superscreen: Das Tablet-Display fürs Smartphone (Update)

Florian Matthey
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Wir benutzen unser Tablet immer dann, wenn das Smartphone-Display zu klein ist – obwohl das Smartphone eigentlich sonst über alle benötigten Komponenten verfügt. Hier soll Superscreen Abhilfe schaffen: Ein Tablet-Display fürs Smartphone. 

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Superscreen: Smartphone-Erweitertung statt Tablet

Superscreen als Tablet-Alternative: Die entscheidende Marktlücke?

Superscreen ist ein Tablet, das keines ist: Das Gerät lässt sich alleine nicht benutzen, es benötigt immer auch ein Smartphone. Eben das ist auch der Sinn dieser Erfindung. Die Erfinder beim Hersteller Transcendent Designs meinen erkannt zu haben, dass eigentlich kaum jemand ein vollwertiges Tablet braucht. Stattdessen gibt es nur Situationen, in denen uns unser Smartphone-Display zu klein ist. Dann wäre eben ein größeres Display praktisch. Superscreen soll sich also insoweit auf das Nötige beschränken. Angesichts der Tatsache, dass Tablet-Verkaufszahlen seit langem schrumpfen und viele Benutzer eher zu „Phablets“ als Kompromisslösung greifen, könnte diese Rechnung tatsächlich aufgehen.

Kickstarter-Ziel binnen Stunden erreicht

Tatsächlich läuft das Kickstarter-Projekt für Superscreen ziemlich gut: Binnen Stunden haben die Macher das Ziel, 50.000 US-Dollar zu sammeln, erreicht und seitdem weit übertroffen. Mittlerweile haben Unterstützer bereits über 300.000 US-Dollar bezahlt. Allerdings sind weiterhin auch die interessantesten Angebote für Unterstützter erhältlich: Für 99 US-Dollar lässt sich ein Superscreen vorbestellen, für 198 US-Dollar gibt es zwei. Der eigentliche Preis soll später bei 299 US-Dollar liegen.

Der Hersteller nennt auch einige technische Details: Das Gerät verfügt über ein Display mit einer Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixeln, hat eigene Stereo-Lautsprecher, einen Kopfhöreranschluss, eine 2-MP-Front- und eine 5-MP-Hauptkamera, einen WLAN- und einen Bluetooth-4.1-Chip sowie einen Fingerabdrucksensor „zur Unterstützung der Touch-ID-Geräte“. Das Gerät verbindet sich über eine eigene App mit dem Smartphone, dessen Display währenddessen ausgeschaltet bleiben kann. Die Verbindung erfolgt direkt drahtlos zwischen Smartphone und Superscreen, was deutlich schneller als Screencasting über das heimische WLAN-Netzwerk sein soll.

iOS-Kompatibilität nur eingeschränkt?

Für iOS-Benutzer besonders interessant ist die Tatsache, dass Superscreen neben anderen Eingabestiften sogar den Apple Pencil unterstützt. Allerdings stellt sich spätestens hier die Frage, wie das Ganze eigentlich mit Apples Einschränkungen für iOS-Apps möglich sein soll: Wie soll Superscreen selbst so einfache Dinge wie das Darstellen von Safari in einer anderen Auflösung als der auf dem iPhone erledigen? Das Skalieren der kleineren Auflösung der iPhone-Benutzeroberfläche ist ja keine sehr elegante Lösung.

Immerhin verspricht der Hersteller, dass sich 4K-Videos in der vollen 2K-Superscreen-Auflösung darstellen lassen – selbst, wenn die Auflösung auf dem Smartphone geringer ist. Wie gut Superscreen mit einem iPhone funktioniert, bleibt letztendlich abzuwarten – in den Demo-Videos ist immer nur die Anbindung an Android zu sehen. Der Hersteller verspricht aber eine Kompatibilität zu 97 Prozent aller Smartphones und spricht mehrmals ausdrücklich von einer iOS-Unterstützung. Wir haben dem Hersteller geschrieben, um weitere Details zu iPhone-Einschränkungen zu erfahren.

Die Vorbesteller sollen Superscreen im Dezember 2017 erhalten. Für 199 US-Dollar ist es außerdem möglich, sich als Tester des Gerätes anzumelden –dann soll die Lieferung schon im September 2017 erfolgen. Die Versandkosten in EU-Länder sind jeweils schon im Preis inbegriffen.

Update 21. März 2017, 15:20 Uhr: Auf Nachfrage versichert der Hersteller, dass Superscreen mit dem iOS wie mit einem Android-Gerät funktionieren werde: Apps würden in der Tablet-Auflösung, also nicht skaliert dargestellt, sähen also aus wie auf einem iPad. Alle iOS-Apps würden so mit Superscreen funktionieren. Auch unterstütze Superscreen alle Multi-Touch-Befehle, wie dies bei einem nativen iOS-Gerät der Fall sei. Der Apple Pencil würde allerdings doch nicht unterstützt – hierbei habe es sich um eine Fehlinformation durch die mit Pressearbeit beauftragte Person gehandelt.

Wie das alles funktionieren soll, bleibt aber unklar. Über AirPlay erlaubt Apple zwar, den Inhalt des Bildschirms eines iPhones auf ein anderes Gerät zu streamen. Von diesem anderen Gerät aus sind aber keine Touchscreen-Eingaben möglich, gedacht ist das Ganze fürs Apple TV und Fernseher. Der Superscreen-Hersteller verweist auf eine „proprietäre Technologie“, die die Funktionalität ermögliche.

Vorläufiges Fazit: Aktuell „nur“ eine gute Idee

Wirklich günstig ist das Gerät aber letztendlich nur für die Kickstarter-Unterstützer – für 299 US-Dollar bekommt man immerhin auch vollwertige Tablets, selbst das iPad mini 4 kostet nur 100 Dollar mehr. Auch stellt sich die Frage, wie sehr das Gerät den Smartphone-Akku beansprucht. Der Hersteller verspricht diesbezüglich immerhin, dass es deutlich weniger sein soll, als wenn der Benutzer das Smartphone mit angeschaltetem Display benutzt und nur etwas mehr, als wenn es sich im Ruhezustand befindet. Schließlich fällt auf, dass das 10,1-Zoll-Gerät mit einem Gewicht „knapp unter einem Pfund“ auch nicht leichter und mit 7,8 Millimeter Dicke sogar dicker als das 9,7-Zoll-iPad Pro ist – und das, obwohl sich in letzterem mehr Hardware befinden muss. Letztendlich müssen wir wohl abwarten, wie sehr das Gerät im eigentlichen Gebrauch überzeugt. Wer neugierig ist, geht mit den aktuellen 99 US-Dollar allerdings auch kein ganz so großes Risiko ein.

Quelle: Kickstarter