„Print me up, Scotty“ – drucken wir in Zukunft alle Dinge aus?

3D-Drucker sind mittlerweile auch für Privatleute erschwinglich. Sie können problemlos Gegenstände in Plastik ausdrucken und tragen die Fragen des Urheberrechts von der digitalen Welt in die analoge.

„Print me up, Scotty“ – drucken wir in Zukunft alle Dinge aus?

Sie trillert wirklich. Beim Vortrag über 3D-Drucker auf der Re:publica dieses Jahr ging die ausgedruckte Trillerpfeife von Hand zu Hand, man schüttelte sie, da war wirklich ein Trillerball drin, und wenn man reinblies, kam auch der erwartete Pfeifton. Nur etwas grobschlächtig sah sie aus, weniger geschliffen als eine aus dem Laden. Aber eine ganz normale Trillerpfeife. Nur dass sie gerade ausgedruckt worden war.

3D ist das große Schlagwort. Virtuelles soll wirklicher werden, sich vom zweidimensionalen Bild in die dreidimensionale Form erweitern – das wird optisch vorangetrieben, die 3D-Technik bei den Filmen ist nur der Auftakt zu einer Entwicklung, die bald auch die private Nutzung einschließen wird. Und 3D-Drucker? Haben wir bald alle so ein Ding zuhause stehen? Könnte sein, muss aber nicht.

Ein 3D-Drucker baut computergesteuert ein dreidimensionales Objekt aus flüssigen oder pulverförmigen Werkstoffen, also meist Kunststoffe, Kunstharze oder Metall. Im Autobau wurden solche Maschinen schon länger eingesetzt, auch und gerade beim Herstellen von Prototypen – auf diese Weise entfällt das Herstellen bzw. Wechseln von Formen oder das Zuschneiden der Teile, die quasi gleich in der Form hergestellt werden, die benötigt wird. „Rapid Prototyping“ wird dieser Vorgang auch genannt.

Bisher waren solche Maschinen für Privatleute kaum erschwinglich. Doch mittlerweile gibt es günstige Alternativen. Der Makerbot ist seit ein paar Jahren erhältlich, das aktuelle Modell “The Replicator” kostet 1.750 Dollar, seit Kurzem gibt es den Solidoodle für rund 500 Dollar oder die Makibox für 300 Euro – also kleine Geräte für den Hausgebrauch, die sich auch als Bausatz erwerben lassen und auf Open-Source basieren.

Auf der diesjährigen Blogger-Messe Republica präsentierte Philip Steffan von bausteln.de einen Makerbot: ein Gehäuse aus Sperrholz, darin eine Plattform und ein Druckkopf, der geschmolzenen Kunststoff auf der Plattform ablegt. Diese senkt sich, und so entsteht Schicht für Schicht ein Gegenstand – zum Beispiel eine Trillerpfeife. Besonders neu findet Philip Steffan das schon nicht mehr: „Nach­dem ich jetzt seit drei Jah­ren mit einem Dru­cker (Maker­bot Cup­cake) her­um­spiele, hatte ich das Gefühl, dass so lang­sam alles zum Thema gesagt ist, bis dann mal der nächste bedeut­same Ent­wick­lungs­schritt getan wird“, schreibt er auf seiner Website.

Für viele ist dann aber der Vorgang gar nicht das Entscheidende, sondern die Dimensionen, die der 3D-Druck eröffnet: „Der Alltagsgegenstand im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ nannte Philip Steffan seinen Vortrag, denn die dritte Druckdimension erweitert die Diskussionen um Kopierschutz und Urheberrecht von digitalen Inhalten auf analoge, auf Dinge. Datenbasierte Inhalte wie Filme oder Musik können schon heute verlustfrei reproduziert werden – was ist in Zukunft, wenn genau das mit Dingen genauso ist?

Es geht dann nicht nur um Maßanfertigungen wie zum Beispiel Zahnspangen, wo ein individuelles Drucken aus einem computerbasierten 3D-Modell viel sinnvoller und ökonomischer ist als eine andere Herstellungsart. Sondern um Massenprodukte – warum soll ich eine Trillerpfeife kaufen, wenn ich sie mir herunterladen und ausdrucken kann? Warum soll ich für ein fehlendes Ersatzteil in den Laden gehen, wenn ich es einfach einscannen und replizieren kann? Warum eine Gitarre, einen Schlüssel, ein Gewehr noch kaufen? Das Thingiverse verzeichnet bereits digitale Baupläne für Tausende Objekte – darunter auch die Einzelteile des 3D-Druckers. Auch The Pirate Bay hat eine eigene Kategorie für 3D-Baupläne eingerichtet: “Physibles”.

Es stehen uns also genau die Diskussionen über simple Alltagsgegenstände wie Blumentöpfe, Teller und Sonnenbrillen bevor, die wir bereits um Filme und Musik führen. Nur: Glücklicherweise nicht sofort. Die Geräte werden zwar immer komplexer, sind aber meist noch auf eine Art von Material beschränkt. Für einen echten Ersatz von gekauften Gebrauchsgegenständen müssten 3D-Drucker sowohl Plastik als auch Metalle etc. gleichzeitig verarbeiten können. Zumindest sind sie schon flexibel, was das Material angeht, in dem 3D-gedruckt wird: Auch Experimente mit Schokolade waren erfolgreich.

Bilder: Makerbot

GIGA Marktplatz